Großvater seinen Hut dem Schäfer gern wieder abgenommen. Sie konntennur nicht dran reichen. Da beredeten sie den Schäfer, er sollte sich dochüber die große Schale mit Reisbrei, die auf dem Tische stand, zum Spaß malin die Hurke setzen, und wie er das tat und sich klein machte, schnupp,rissen ihm die Zwerge den Hut weg, so daß er plötzlich dasaß in seiner Blößevor den Augen der Hochzeitsgäste. Und so 'ne Tracht Schläge, wie da, meinteder Schäfer, hätt er vorher noch nie gekriegt.
9. Königin Isabelle.
Es hatte ein armer Mann einen einzigen Acker; da kamen die großenreichen Bauern daher, fragten nicht lange, sondern bauten auf des armenMannes Acker einen langen Schafstall. Alle Einreden waren vergeblich, sodaß der Mann mit seiner Klage endlich vor den König ging. »Gib dichnur zufrieden,« sprach der König; »ich will dir einen andern Acker geben.«Das that er auch.
Wie nun der Mann daran ging, ihn zu bestellen, grub er aus der Erdeheraus einen goldenen Mörserkolben, aber den Mörser dazu konnte er nichtfinden, so viel er auch suchen mochte. Da sprach er zu seiner Tochter, diehieß Isabelle: »Isabelle«, sprach er, »der König hat uns doch das Land ge-schenkt, nun will ich ihm auch den goldenen Kolben schenken, den ich indem Lande gefunden habe.« Darauf entgegnete Isabelle: »Ich rath Euch, Vater,laßt das lieber sein; denn wenn der König den Stößer sieht, so wird er auchnach dem Mörser fragen, und wenn Ihr den nicht schaffen könnt, so wirder meinen, Ihr hättet ihn für Euch behalten.« Aber der Mann ließ sich nichtbereden, sondern ging hin vor den König. »Mit Gunst, Herr König! Ichwollte Euch wohl einen goldenen Stößer bringen, den habe ich in dem Ackergefunden, den Ihr mir neulich geschenkt habt, so Ihr noch wohl wissenwerdet.« »Gut das!« sprach der König; »aber, lieber Mann, der Mörser, woist denn der?« »Mit Verlaub, Herr, den Mörser fand ich nicht, so viel ichauch gesucht habe.« »Ei Mann!« sprach der König; »wo der Stößer ist, damuß doch auch der Mörser sein; du möchtest ihn wohl gern für dich behalten?«»Gewiß und wahrhaftig, Herr König, den Mörser habe ich nicht.« »Ja, wartenur, Bösewicht!« fuhr der König voll Zorns heraus; »ich will dich setzenlassen bei Wasser und Brot, und nicht eher sollst du loskommen, bis dumir kund tust, wo du den Mörser ließest, der zu dem goldenen Stößer gehört.«Da ließ der König den armen Mann ins Gefängnis werfen; der fing an zuklagen und rief in einem fort: »Hätt' ich doch meiner Tochter geglaubt!«Als das dem König hinterbracht wurde, ließ er ihn vor sich fordern undfragte ihn, warum er denn immer riefe: »Hätte ich doch meiner Tochtergeglaubt!« Da erzählte er dem Könige, wie ihm seine Tochter vorhergesagt