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Ut oler Welt : Volksmärchen, Sagen, Volkslieder u. Reime
Entstehung
Seite
12
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juckte und flirrte es ihr auch wieder in dem einen Auge, so daß sie mit demFinger herüberfuhr und es auswischte.

Nachdem sie nun das Kind angezogen hatte und sich zum Weggehen an-schickte, gab ihr der Zwerg einiges Geld. Sie ging darauf an das Bett der Wöch-nerin, um ihr gute Besserung zu wünschen und Adieu zu sagen. Die Wöchnerinzog sie aber nahe zu sich und sagte ihr heimlich ins Ohr: sie sollte das Geld,welches ihr der Mann gegeben, nur wegwerfen, aber statt dessen den Kehrichtaufraffen, der da vor der Stubentür an der Schwelle läge. Das that sie, behieltaber doch auch das Geld. Während dem hatte der Zwerg seine Laternewieder angezündet, begleitete die Hebamme nach Hause und verabschiedetesich von ihr, nachdem er sich noch vielmals für die gute Hilfe bedankt hatte.Als jetzt die Frau nach ihrem Gelde sehen wollte, war es Pferdemist, derKehricht aber war eitel rothes Gold.

Einige Zeit darnach ging die Hebamme zum Jahrmarkt in die nächste Stadtund gedachte da tüchtig einzukaufen, denn sie hatte nun Geld in Menge. Siemußte sich ordentlich drängen lassen, so voll war's da auf dem Markte. Dasah sie auf einmal denselben Zwerg, der sie in der Nacht zu seiner Frau geholthatte; er ging von einer Krambude zur andern und packte in seinen Schnapp-sack, was ihm gefiel, schöne Honigkuchen und gute, braune Pfeffernüsse, Bänderund Tücher, ohne daß die Eigentümer das Geringste zu merken schienen. DieFrau drängte sich zu ihm hin, tupfte ihm mit dem Finger auf die Schulter undredete ihn an: »Sieh da! Guten Tag, guten Tag, Herr Zwerg! Auch hier?«Der Zwerg drehte sich rasch um und sah die Frau so recht verwundert an.»J! Frau!« sagte er »kann Sie mich denn sehen?« »Oja, recht gut! Warumdas nicht?« »Und mit beiden Augen?« fragte der Zwerg. Die Frau hielt dasrechte Auge zu. »Nein, nun sehe ich ihn nicht.« Darauf drückte sie das linkeAuge zu. »Ja, nun sehe ich ihn wieder.« »J!« sagte der Zwerg »das istdoch sonderbar! Zeige Sie mal her! Puh!« Da pustete er ihr ins rechte Auge,daß es sogleich blind wurde und sie nicht wieder damit sehen konnte ihrLebelang.

4. Ilsabein.

Es war einmal ein Mädchen, hieß Ilsabein, das hatte rothe Augen undkonnte auch nicht zum Besten damit gucken; darum so wurde es alt undwartete lange vergeblich auf einen Freier, der es möchte unter die Haubebringen. Endlich ließ sich einer melden auf den Nachmittag, denkend: »eswird so schlimm nicht sein, wie's die Leute machen, du sollst dich selbst erstüberzeugen, ob das Mädchen wirklich nicht gut sehen kann.« Da stellte Ilsabeinbeizeiten eine Leiter an die Hausthüre, nahm eine Nähnadel von der feinstenSorte und steckte sie hoch oben in den Thürriegel. Nach Mittag kam der