gab mein Onkel über unser Heimatdorf Wiedensahl, wo die meisten erzähltund von ihm gesammelt sind, Folgendes an*):
»Wiedensahl, platt Wiensaol, hat seinen Namen zum Theil von dem inder Mitte des Orts befindlichen Teiche, dat saol genannt, so daß jemand, derFreud am Vermuthen findet, sich denken mag, die Bedeutung des Ganzenkönnte vielleicht Wald-, Weiden- oder Heiligensee sein.
Neben der Pfarre lag einst der Edelhof. Einer der edlen Herrn, die dortgehaust, ist wohl ein grimmiger Kerl gewesen, denn es heißt, er habe ausÄrger über einen Hahn, der oft über die Hecke flog und im adeligen Gartenkratzte, seinen Nachbar, den Pastor, maustodtgeschossen.
Draußen, wo jetzt die alte Windmühle ihre Flügel dreht, hat vor Zeitenein Schloß gestanden. Es ist lange verschwunden, nur der Brunnen bliebspäter noch sichtbar, bis schließlich das Gras darüber wuchs. Als die dreiFrölen, denen das Schloß gehörte, nach Bockeloh zogen, schenkten sie ihrLand, die wiäme, der Pfarre, den Wald der Gemeinde. Dafür mußten dieWiedensahler eine Abgabe in Geld entrichten. Mal ließ sich der Mann, deres hob, mehre Jahre nicht blicken. Dem damals regierenden Burgemeisterkam es bedenklich vor, wenn es so weiter ginge und dann die Summe aufeinmal gefordert würde. Drum ging er los, um sich persönlich deshalb zuerkundigen. In Bockeloh, wo die Sache bereits gründlich vergessen war, hatman ihn sehr gelobt und freundlich entlassen mit der festen Versicherung,daß die Rückstände eingezogen und die Abgabe wieder regelmäßig geholtwerden sollte, was denn auch pünktlich geschah.
Nicht weit von der Wiedensahler Grenze zieht sich im SchauenburgerWalde der Schanzgraben oder Drusenwall hin. Eine Stelle, an der er doppeltist, nennt man den Pferdestall. Rückten nun die Schlüsselburger von derWeser her, wie sie öfters thaten, zum Sengen und Plündern aus, dann zogensich die Wiedensahler hinter den Wall zurück, und regelmäßig eilte ihnen dertapfere Ritter von Bückeburg mit seinen Leuten zu Hülfe. Die Wiedensahlerwaren nicht undankbar. So oft die gnädige Frau in Wochen kam, brachtensie ihr Eier und junge Hähnchen. Was aber gutswillens geschah, wurde späterein Zwang. Die Eier und Hähnchen mußten nach Bückeburg geliefert werden,ob die Gnädige in Wochen war oder nicht. Bis um die Mitte des letztenJahrhunderts ist die Verpflichtung inkraft geblieben.
Die Zeit kramt alles um; nur thut sie es in abgelegener Gegend etwasspäter als anderswo.
Erst mit den zwanziger Jahren verlor sich der Brauch, in der Hespe,einem Fahrweg zwischen zwei Hecken, die Schweine von gemeindewegendurchs wilde Feuer zu treiben.
•) Vergl. Nöldeke, Wilhelm Busch. S. i ff.