wurden sogar jährlich 28 neu eingerichtet. Das war vor allemdem damals aufblühenden Verpflegungsstationswesen zu danken.Die Verpflegungsstationen sollten möglichst in Herhergen zurHeimat liegen. Von 1890 ab, als es mit den Stationen abwärtsging, wurden auch nicht mehr soviel Herbergen eingerichtet. Siehielten sich eigentlich nur auf der Höhe, nahmen jährlich viel-leicht um zwei oder drei zu.
Gewöhnlich wurden die Herbergen zur Heimat von einemörtlichen Herbergsverein gegründet, der fast stets mit der innerenMission zusammenhing. Im Erdgeschoss der Herbergen zur Hei-mat liegen meist die Gastzimmer, darunter oft eins für bessereeinheimische Gäste, im oberen Stock mehrere Schlafsäle zu 8bis 15 Betten und einige kleinere Logierzimmer. Die Bausummenwurden häufig durch Schenkungen aufgebracht, auch gaben evan-gelische Gemeinden Zuschüsse oder Darlehn, wofür- den Gemein-den und christlichen Vereinen das Recht der freien Benutzungvon Vereinszimmern und Sälen zusteht. Einige Herbergen habenim Keller besondere Wasch- und Badeeinrichtung, andere wiederPritschenzimmer für Unreine.*)
Da die Herbergen zur Heimat meist aus wohltätigen Samm-lungen gegründet werden, können sie natürlich des Verdienstesam Schnaps und an Spirituosen entbehren. Dazu kommt, dassdie Hausväter mit einem mehr oder weniger bescheidenen Gehaltvorlieb nehmen. So wurde von 28 westfälischen Hausvätern fest-gestellt, dass 20 von ihnen mit festem Gehalt von je 240 bis640 Mk. bei Vereinsrechnung angestellt, während nur acht mehroder weniger auf den Gewinn aus der Wirtschaft angewiesenwaren, die manchem von ihnen gehörte.
So ist es denn eigentlich selbstverständlich, dass die Herber-gen zur Heimat im Durchschnitt mehr leisten, als die freien Herber-gen leisten können — wenigstens was die Obdachgelegenheit, dieAufenthaltsräume und die Schlafräume betrifft. Es gilt als Norm,dass ein Bett in grösseren Herbergen zur Heimat 25, in kleineren20 Pfg. für die Nacht kostet. Doch wird in einigen Massenher-bergen nichts besonders gutes dafür geliefert, wie z. B. in Ber-lin, wo in der sogenannten Oranienherberge die Gäste in grossenSälen schlafen müssen, was die Nachtruhe stark beeinträch-tigt. Auch ist es dort üblich, dass die Untersuchung auf Un-
*) Näheres in meinem Werk: „Die Bekämpfung der Landstreicherei",Stuttgart 1903.