Sozialer Fortschritt
Hefte und Flugschriften für VolKswirtschaft nnd Sozialpolitik
Unier Mitwirkung erster Sachkenner für Gebildete aller Kreise geschrieben.
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Die deutschen Herbergen.
Von Hans Ostwald-Grosslichterfelde.
In den prächtigen „Denkwürdigkeiten und Erinnerungen eines Ar-beiters"*) finden sich dokumentarische Schilderungen des Wan-derlebens von vor vierzig und mehr Jahren, die ein genaues Bildvon dem Zustand des damaligen Herbergswesens malen. Sie zeigendeutlich, wie jeder wandernde Handwerker, wie jeder wandernde Ar-beiter in ein unerquickliches "Wirtshausleben hineingezogen wurde,wie er sich gegen seinen Willen das unselige Schnapstrinkenangewöhnen musste. Nur ein einziges Mal kommt der Verfasserder „Denkwürdigkeiten" in eine der neu gegründeten Herbergenzur Heimat. Und es ist ihm, wie wenn er in eine bessere Welt kommt.
Die Erlebnisse des Arbeiters fallen in die Zeit um 1860 bis1865 und später. Damals wurden die Herbergen zur Heimat erstgegründet.
Diese fünfzig Jahre, die sie hinter sich haben, bedeuten imdeutschen Herbergswesen einen tiefgehenden Umschwung. DieHerbergen waren sich bis dahin seit Jahrhunderten gleich ge-blieben. Sie waren eben die alten Innungsherbergen — und meistnichts weiter als Gasthöfe. Ab und zu war die Herberge wohlauch bei einem Meister des Handwerks untergebracht. Die Regelaber war, dass irgend ein. Gastwirt zum Herbergsvater gemachtwurde. Dadurch, dass in diesen Innungsherbergen der Arbeits-markt aufgeschlagen wurde, hatten sie einen ausserordentlichenWert für die Wandergesellen. Die Meister kamen selbst, um sich
*) Verlegt bei Eugen Diederichs, Leipzig.