— 6 —
Arbeitslose durch Herbergen zur Heimat und verwandte Ein-richtungen in ganz Deutschland zu fördern, unter Wahrung pro-vinzieller und örtlicher Eigenart einheitlich nach gemeinsamenGrundsätzen zu regeln, die Landes- und Provinzialverbände derHerbergen zur Heimat in engere Verbindung zu setzen und dieHerbergssache nach aussen zu vertreten."
Es muss ehrlich anerkannt werden, dass die Herbergssachedurch die Herbergen zur Heimat wirklich gefördert worden ist.Vor allem bekämpften sie mit gutem Resultat den Schnaps, denAlkoholgenuss. Selters und Limonade verdrängen sogar das meistrecht unschuldige Bier. So berichten viel Herbergen in letzterZeit, dass sie jetzt doppelt und dreifach soviel Selters verkaufen,als früher. In diesem Verlangen, dem Wanderer den Keinem alsihm gefährlicher werdenden Schnaps vorzuenthalten, muss ent-schieden der Musterhausordnung zugestimmt werden, die vor ei-nigen Jahren vom deutschen Herbergsverein angenommen wurde.
Die Musterhausordnung erklärte die Herbergen zur Heimatzu Volksgasthäusern für reisende Handwerker und Arbeiter, inder jeder ordentliche Durchreisende willkommen ist. Niemand istgenötigt, etwas zu verzehren. Schnaps ist ganz ausgeschlossen,Spiele um Geld und Getränke sind verboten. Jeden Abend undMorgen findet eine gemeinsame Hausandacht statt.
Die Herbergen zur Heimat bieten ihren Gästen meist einedurchaus saubere und preiswerte Unterkunft. Doch erreichen sieihren Zweck, ein wirkliches Heim zu bieten, nicht ganz. Beson-ders ist das von den grossstädtischen Massenherbergen zu sagen.Aber auch die mittleren Herbergen zur Heimat sind häufig ge-schäftsmässig geführte Quartiere. Grosse Mängel haften der aus-gelegten Lektüre an.
Nach Berufs- und Fachzeitschriften sucht der wanderndeGeselle vergebens. Fast nur solche Bücher liegen aus, die manvielleicht — mit weitem Herzen — als Jugendbüchereien hingehenlässt. Solche abstumpfende Lektüre kann doch wahrlich nicht sitt-lich erhebend wirken! Das Notwendigste wäre doch, den Wandern-den durch Auslegen von Fachzeitschriften eine gewisse intellek-tuelle Fühlung mit dem Beruf zu geben. Das hält ebenso sicherüber Wasser, wie Schnaps. In letzter Zeit sind auf meine kri-tischen Aeusserungen hin wohl von verschiedenen Seiten, die denHerbergen zur Heimat nahestehen, Anregungen erfolgt. Es istaber beim Alten geblieben . . .'
Ich muss sagen, dass dies wohl nicht im Sinne des Grün-