— St-eine ganz minimale gegen die Beherbergung der Durchreisenden.Sie verschwindet ganz und gar, wenn man die Masse der imOrte arbeitenden, ledigen Gesellen betrachtet. Was bedeuten drei,vier, auch zehn „Kostgänger" bei einer Zahl von mehreren Hun-dert in der Stadt vorhandenen, die nicht in der Herberge zurHeimat wohnen und essen!
Da haben es die Gründer der katholischen Gesellenvereiueanders angefangen. Sie boten den sesshaften Gesellen Quartierund beschränkten sich darauf nur gelegentlich, nur im Neben-zweck wandernde Mitglieder zu beherbergen.
Die in der Mitte der vierziger Jahre des vergangenen Jahr-hunderts in Elberfeld von dem Pfarrer Kolping gegründeten Ver-eine sind auch heute noch diesem Prinzip treugeblieben. Siebeabsichtigen eine intensive Arbeit an einem kleinen Kreis, wäh-rend die evangelischen Herbergen an einem möglichst ausgebrei-teten Kreis arbeiten. So gibt der katholische Gesellenvereinwandernden Mitgliedern anderer katholischer Gesellenvereine dreiTage freie Herberge und einen Tag freie .Kost. Es ist ebencharakteristisch, nur den Vereinsgesellen zu helfen, eine bestimmteAuswahl zu treffen unter den Wanderern. So erhalten denn auchdie reisenden Vereinsgesellen Wanderbücher, die jedem von ihnendas Recht geben, gleich am neuen Aufenthaltsort sofort in denLokalverein einzutreten.
Durch diese exklusive Tendenz erübrigte es sich, besondereVorkehrungen für die Wandergesellen zu treffen. Für die wan-dernden Mitglieder katholischer Gesellenvereine genügen wenigein den etwa 200 Hospizen und Gesellenheimen für sie bereit ge-haltenen Betten.
So ähnlich wirken die 1831 gegründeten evangelischen Jüng-liiigsvereine. Sie stellen ebenfalls Wanderbücher aus und gebenKost und Logis an wandernde Vereinsgenossen, doch haben sienicht die Verbreitung der katholischen Gesellenvereine. Aberneben dieser Schöpfung hat die innere Mission doch auch dieHerbergen zur Heimat geschaffen, die unzweifelhaft als Wohl-tätigkeitsanstalten für weitere Kreise gelten können. In dieserRichtung hat das katholische Gesellenvereinswesen so gut wienichts geleistet. Es versagte, wo es nicht für seine engen Kreisesorgte. Es hat keine solche Organisation gezeitigt wie den deut-schen Herbergsverein, der 1886 zu Hannover gegründet wurdeund dessen Paragraph 1 seiner Satzungen lautet: „Der ....Herbergsverein hat den Zweck, die Fürsorge für Wandernde und