Druckschrift 
Zur Geschichte der Düsseldorfer Kunstakademie : Abriß ihres letzten Jahrzehnts und Denkschrift zur Einweihungsfeier des Neubaus
Entstehung
Seite
32
Einzelbild herunterladen
 

32

Mit dem Bilde des Meisters nahen mir die vorangegangenen Freunde und Mit-schüler Sohn, Hildebrandt, Schirmer und so manche Andere, die in ihren edelenWerken nicht minder wie in Lehre und Unterweisung der Jugend, als treue Nach-folger des Meisters für immer fortleben in den Meistern der Jetztzeit, die einst ihreSchüler waren.

Dann erscheinen mir die Schatten jener Dreizahl edler Geister, die mit sinnigem■Ernst und inniger Theilnahme Schätze des Geistes spendend an der Wiege der Düssel-dorfer Schule standen: Friedrich von TJechtritz, Schnaase und Immermann, nichtzu vergessen die alten Getreuen Mosler und Wintergerste

Zuletzt, doch nicht der Letzte, jener edle Meister der Töne Felix Mendelssohn,den eigene Wahl und ein gütiges Geschick für immer zu einem idealen Genossen derDüsseldorfer Schule gemacht hat.

Und nun gedenke ich aus vollem Herzen der Geburtsstätte unserer Düssel-dorfer Schule, der lieben, von jeher kunstgesegneten Stadt an dem deutschen Strome,die uns, die Fremden, mit gastlicher Liebe aufgenommen, den Keim der Kunst, derihrer Pflege anvertraut, mit sorgender Hand zum schattenden Baume erzogen hat.Wahr ist an ihr geworden, was Göthe so schön ausgesprochen: „Es ist vortheilhaft,den Genius bewirthen, giebst du ihm ein Gastgeschenk, so lässt er dir ein schönereszurück." Dank und Gottes Segen für immer der geliebten Stadt, möge sie immerneu erblühen und wachsen in inniger Verbindung mit der vaterländischen Kunst ingegenseitigem Geben und Empfangen.

Zusammenfassen möchte ich noch einmal alle in dankbarer Erinnerung, diehier in mannigfacher Weise gewirkt haben im Laufe jenes halben Jahrhunderts, dessenich selber ein Zeuge geworden bin. Und wenn so manche Namen jenes ältestenStammes uns heute fehlen, mögen wir um so dankbarer gedenken der Ueberlebenden,Abwesenden und Gegenwärtigen, deren Namen und Ehren in aller Munde, dass ich sienicht zu nennen brauche, die ich in Nichts erreiche und nur an Jahren übertreffe!

Was könnte ich Alles noch anführen, wovon das Herz mir übervoll ist,aus jener schönen Jugendzeit der Düsseldorfer Schule — doch es sei genug!

So stehe ich mit der Festversammlung des heutigen Tages im Geiste an denUfern eines stolzen und mächtigen Stromes deutscher Kunst, der von hier aus sichergossen, wo ich vor mehr als 50 Jahren hier an seiner bescheidenen Quelle gestanden,damals ein Jüngling, jetzt ein Greis!

Und mit Ihnen allen rufe ich den Segen des allmächtigen Gottes herab auf dieneue Kunststätte, dass es ihr nie fehlen möge an treuen Priestern am Altare derKunst, welche die Jugend leiten zum Dienst der höchsten Ideen der Menschheit.

Das walte Gott!

Julius Hübner,Dresden, am 16. October 1879. Aeltester der Düsseldorfer Schule.

Die Kedner-Tribüne war an der östlichen Schmalseite des Saales gerade vorRubens' gewaltiger Himmelfahrt Maria errichtet. Zu ihren beiden Seiten, der Fest-versammlung gegenüber, nahmen die Mitglieder des Curatoriums und des Lehrkörpersder Akademie Platz. Dieser östliche Theil der Aula war mit alten Gobelins, frischenLaub-Guirlanden, aus denen goidne Früchte hervorblitzten, funkelndem Geräthe und denBüsten des Kaisers und der Kaiserin malerisch wirksam ausgestattet und festlich geschmückt.