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Zur Geschichte der Düsseldorfer Kunstakademie : Abriß ihres letzten Jahrzehnts und Denkschrift zur Einweihungsfeier des Neubaus
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II. Der Festact in der Aula.

Das Lehrercollegium hatte sich schon um halb zwölf Uhr Vormittags in dendem Eingange zunächst gelegenen Räumen des Antikensaales versammelt. Bald darauferschien Se. Excellenz der Cultusminister von Puttkamer, welcher erst während der Vor-bereitungen zum Feste die Erbschaft Falk's angetreten hatte. In seiner Begleitungbefanden sich der Finanzminister Bitter, welcher, als früherer Präses des Curatoriums,der Akademie noch nahe stand, der Oberpräsident der Rheinprovinz, Frhr. von Barde-leben, der Geh. Oberregierungsrath Dr. J?. Schoene, der Regierungs-Präsident Frhr. vonHagemeister, der Regierungsrath Steinmetz und einige andere Herren. Rasch war dieVorstellung der Mitglieder des Lehrkörpers beendet, und rasch wurde ein Besichtigungs-Gang durch die neuen, erst zum Theil eingerichteten Räume des Akademie-Gebäudesgemacht. Um zwölf Uhr pünktllich betrat der Zug die Aida, in welcher sich dieübrigen zur Gesammtfeier oder doch zum Festcat geladenen Gäste und Ehrengäste, zumgrossen Theil mit ihren Damen, bereits versammelt hatten. Zahlreich waren die Düssel-dorfer Künstler erschienen. Ihre besten und berühmtesten Meister waren gekommen.Die auswärtigen Künstler, welche ihrer ehemaligen Verbindung mit der Akademie wegeneingeladen worden waren, hatten leider die weite Reise gescheut. Director Julius Hübnerhatte aber ein herzliches Glückwunschschreiben aus Dresden gesandt, welches an dieserStelle seinen Platz finden möge:

Hochgeehrtes Directorium!

Leider verhindern mich die Ungunst der Jahreszeit und meine vorgerücktenJahre, der freundlichen Einladung und mehr noch meinem eigenen Herzen zu folgen,und persönlich an dem heutigen Festtage der Einweihung eines neuen Kunsttempelsbeizuwohnen. Nehmen Sie denn in geschriebenem Wort den herzlichsten Glück- undSegenswunsch für alle Zukunft, nicht nur in meinem eigenen Namen, sondern auchebenso innige und treugemeinte Glückwünsche der Dresdener Schwesterakademie, welcheja seit längerer Zeit schon in innigen Beziehungen zu der Ihrigen gestanden hat undnoch steht, sie, die ältere Schwester an den Ufern der Elbe, die schon im Jahre 1864ihr hundertjähriges Stiftungsfest feierte. Möge das vaterländische Gefühl beide An-stalten und alle deutsche Kunststätten insgesammt immer inniger und fester zu gemein-samem Gedeihen umsehliessen!

Mich aber umschweben am heutigen Tage die Bilder der Vergangenheit, vorAllen das Bild unseres väterlichen Ahnherrn, unseres theuren, unvergesslichen MeistersWilhelm von Schadow, der allen seinen Schülern ein geistiger Vater, mir aber inganz besonderem Sinne ein solcher gewesen, so lange ich unmündig, und mir einliebender Bruder geworden, seit er mich mündig gesprochen. Noch einmal möchteich dem verklärten Geiste heute mein dankerfülltes Herz darbringen, meine Liebe be-kennen, die ewig in meinem Herzen leben wird, wie sein Name und seine Schöpfungder Düsseldorfer Schule mit leuchtenden Lettern in den Jahrbüchern deutscher Kunstfür alle Zeiten eingetragen glänzt. Und wenn ich sein gedenke, wie könnte ich ver-gessen seine edle Lebensgefährtin zu erwähnen, die ebenbürtig treu ihm zur Seitestand, mit mütterlicher Sorgfalt für seine Schule, sein Haus zu einem Mittelpunktegeistigen Lebens machte.