H°/ 4W° 9 ZUR GESCHICHTE DER DÜSSELDORFER KÜNSTAKADEMIE. ABRISS IHRES LETZTEN JAHRZEHNTS UNri DENKSCHRIFT ZUB EINWEIHUNaSFEIER DES NEUBAUS VON KARL WOERMANN. '^4 ^- N-t*™ <^£% J^X* //t^t^cutt,y , ^i^^e^ir/^e^^^-. DRUCK UND VERLAß VON L. VOSS 4t CIE., KÖNIGL. HOFBÜCHDRUCKERN IN DÜSSELDORF. 1880. IAÜSES- UND STADT- Bl&LKTOtEK DÜSSELDORI- ERSTE ABTHEILUNG. ZUR GESCHICHTE DER DÜSSELDORFER KUNSTAKADEMIE UND IHRES NEUBAUS. _l_n der Geschichte der Düsseldorfer Kunstakademie lassen sich schon jetzt drei Hauptepochen unterscheiden, deren erste in der kurpfälzischen Zeit mit ihrer Gründung durch den Kurfürsten Karl TJieodor im Jahre 1767 l ), deren zweite bereits in preussischer Zeit mit der auf Niebuhr's Kath erfolgten Berufung des grossen P. Cornelius zu ihrer Reorganisation im Jahre 1821, deren dritte aber entweder mit der Einweihung des neuen Akademiegebäudes im Jahre 1879 oder schon mit dem Brande des Jahres 1872 beginnt. Es ist wahrscheinlicher, dass eine spätere Geschichtsschreibung schon die Zerstörung des alten, als dass sie erst die Einweihung des neuen Gebäudes als Anfangspunkt einer neuen Epoche gelten lassen werde; denn kurz vor dem Brande war die Leitung des preussischen Cultus-Ministeriums aus den Händen von Mühler's in die überall energisch eingreifenden Hände Falk's übergegangen, dessen fürsorgliche Aufmerksamkeit sich gerade durch das schwere Schicksal, welches die Düsseldorfer Kunstakademie bald nach seinem Amtsantritte traf, in erhöhtem Masse den Bedürfnissen dieser „Centralanstalt für Kunstbildung in der Rheinprovinz" zuwenden musste. Es ist daher erklärlich, dass schon gleich nach dem Brande jene freilich schon früher angeregte Vermehrung und Vervollständigung des Lehrer- Collegiums begann, welche die Vielseitigkeit der Anstalt erhöht, sie den Anforderungen der Neuzeit entsprechender gestaltet und ihr in mehr als einer Beziehung ein anderes Ansehen gegeben hat. Als der Neubau bezogen wurde, waren diese Veränderungen bereits eine vollendete Thatsache. Die erste Epoche der Düsseldorfer Kunstakademie hat keine tiefgehenden Spuren in der deutschen Kunstgeschichte zurückgelassen. Sie war eine Zopfakademie, wie alle übrigen auch. Ihre Meister und Leiter, wie Lambert Krähe (Director von 1767 —1790) und Joh. Peter Langer (Director von 1790—1806) waren ohne Zweifel in ihrer Art tüchtige, kenntnissreiche und wohlwollende Männer; aber ihre schöpferische Kraft erreichte z. B. lange nicht diejenige ihres Wiener Zeitgenossen H. Füger; und ihre Richtung bezeichnet eine charakterlose Mittelstufe zwischen decorativer Zopfkunst, dem neu sich regenden Classicismus und niederländischen Anklängen, wie die prächtige alte Düsseldorfer Gemäldegalerie sie eingeben musste. Doch dürfen wir nicht vergessen, dass Joh. Feter Langer's Sohn Robert, welcher seinem Vater im Jahre 1806 nach München folgte und dort ein berühmter Mann wurde, noch im vorigen Jahrhundert Schüler der Düsseldorfer Akademie war; und mit freudigem Stolze dürfen wir hinzufügen, dass Robert Langer's Altersgenosse und Mitschüler an der alten Akademie kein geringerer als P. Cornelius selbst war. Sein Vater Aloisius Cornelius war bekanntlich Maler, Lehrer und Inspector an der Düsseldorfer Zopfakademie; und wenn Peter Cornelius auch nicht durch diese Akademie, sondern im Gegensatze zu ihr und zu JoH. Peter Langer geworden ist, was er geworden ist, so dürfen wir die Summe der Anregung, welche von jenen alten Düsseldorfer Lehrkräften in Verbindung mit der ehemaligen Gemäldegalerie und der noch heute erhaltenen Kupferstich- und Handzeichnungen-Sammlung ausgehen konnte und die Jugend des grossen Cornelius beeinflussen musste, doch keineswegs zu gering anschlagen; ja, wollen wir uns das Bild des geistigen Lebens in Düsseldorf zur Zeit jener kurpfälzischen Akademie vervollständigen, so dürfen wir nicht vergessen, dass etwa um die Zeit ihrer Gründung Goethe bei Fritz Jacobi in Pempelfort zum Besuche war. Auch solche Erinnerungen mussten in Cornelius Jugend noch nachklingen. Als aber, nach der Vereinigung der kurpfälzischen Lande mit Bayern, Düsseldorf immer mehr zu einer Provinzial- stadt herabsank, als im Jahre 1805 die Düsseldorfer Gemäldegalerie unter dem Vorwande, sie vor den Franzosen zu schützen, nach München gebracht wurde und dort blieb, als im Jahre 1806 Joh. Peter Langer mit seinem Sohne Robert nach München zog, um auch die, Akademie dorthin zu verpflanzen, da schlief die alte Düsseldorfer Kunstschule allmählich ein und war nur noch der Schatten ihrer selbst, als Cornelius, der bis 1809 in seiner Vaterstadt gelebt und gelernt hatte, zehn Jahre später als ihr Neubegründer zurückberufen wurde. Die zweite Hauptepoche der Düsseldorfer Akademie, welche mit dieser Berufung ihres Schülers Cornelius zu ihrer Reorganisation beginnt, aber erst unter W. Schadoiv (Reglement von 1831) zu voller Gestaltung und Entfaltung gelangte, gliedert sich deutlich in verschiedene Phasen, deren bemerkenswertheste mit der Leitung der Anstalt erst durch Cornelius (1821 — 1824), dann durch W. Schadoiv (1826 — 1859) und endlich durch Ed. Bendemann (1859—1S67) zusammenfallen. Diese zweite Hauptepoche ist gleichbedeutend mit der allbekannten ersten Blüthezeit der Düsseldorfer Schule unter den genannten Meistern, unter Schadow's besten Schülern, wie Carl Sohn, C. F. Lessing, Th. Hildebrandt u. s. w., denen der grosse Landschafter J. W. Schirmer nebst seinem Nachfolger Hans Grude sich anreihte, und unter einer immer grösser werdenden frei neben der Akademie sich ansiedelnden Künstlerschaft; sie ist, besonders in ihrer ersten Hälfte, gleichbedeutend mit jener mannichfach angeregten Zeit Düsseldorfs, in welcher die anmuthige kleine Rheinstadt, die stille Geburtsstadt H. Heine's, sich vorübergehend, durch den Zuzug von weltberühmten Componisten, wie F. Mendelssohn-Bartholdy und B. Schumann, von geistreichen Dichtern, wie Karl Immermann, Fr. von Uechtritz und Chr. D. Grabbe, von Sternen der Wissenschaft, wie Carl Schnaase, zu einem Sammelplatze geistigen Lebens gestaltete, dessen Kern die zahlreiche, noch eine Zeit lang in der Akademie ihren Brennpunkt sehende Künstlerschaft blieb; sie ist gleichbedeutend mit der Zeit, in welcher neben der Akademie jene ihre Wirksamkeit ergänzenden Institute, wie der Kunstverein für die Rheinlande und Westphalen und die Städtische Gemäldegalerie Düsseldorfs aufsprossen, während selbst der Künstler-Verein Malkasten durch glänzende und geistreiche Feste zu einem Factor im damaligen Culturleben der Kunststadt wurde und die „Düsseldorfer Monatshefte" ganz Deutschland mit lustigen Künstler-Schwänken versorgten, die heute noch wiederhallen. So gruppirt sich in der zweiten Hauptepoche der Düsseldorfer Kunstakademie ein Stück reichen bunten Lebens um sie, welches der deutschen Culturgeschichte angehören wird. Sie selbst aber füllt mit den Leistungen ihrer Meister und Schüler in dieser Epoche eine grosse Anzahl der wichtigsten Blätter der neueren deutschen Kunstgeschichte aus. Mögen ihre Schwächen, mit den höchsten Kunstleistungen aller Zeiten und Völker verglichen, auch klar zu Tage liegen, mag ihr künstlerisches Wollen auch grösser gewesen sein, als ihr künstlerisches Können, mag die unparteiische Nachwelt vielleicht nur eine Vorbereitungszeit zu allseitigerer Vollendung in ihr ei'blicken — was ihre Meister und Schüler nicht nur an Staffeleibildem jeder Gattung und jeder Richtung, sondern auch an monumentalen Wandgemälden, die in den Rathhäusern, Kirchen und Schlössern der Rheinprovinz zerstreut sind, geschaffen haben, wird aus der Geschichte der deutschen Kunst nicht wieder auszustreichen, wird nachhaltig in seiner Wirkung sein. Die Fehler der alten Düsseldorfer Schule sind die Gesammtfehler der Zeit; aber hätte sie nicht mit an der Spitze der künstlerischen Zeitbewegung gestanden, hätte sie nicht mit am redlichsten nach der Wahrheit gerungen, so würde ihr Name nicht rasch jenen Weltruf erlangt haben, den es heute zu behaupten gilt. Die dritte Hauptepoche der Düsseldorfer Kunstakademie hat unter wesentlich veränderten localen Bedingungen begonnen. Aus dem kleinen, von Lindenblüthenduft durchzogenen Städtchen ist eine mit drei Bahnhöfen ausgestattete grosse Fabrikstadt von bald 100,000 Einwohnern geworden; an der Stelle der alten, winkligen, schmucklosen Stätten des künstlerischen und poetischen Wirkens und Lebens der Stadt sind grossstädtische Prachtbauten getreten; im Süden der Stadt giebt Raschdorfs geAvaltiges Parlamentshaus, sein Bild in das stille dunkle Wasser des „Schwanenspiegels" werfend, ihrer hauptstädtischen Bedeutung als Sitz des Provinziallandtages Ausdruck; im Osten der Stadt ist ein vornehmes, unter den Bäumen seines eigenen Parkes daliegendes Club- Haus an die Stelle des bescheidenen alten „Malkastens" getreten. Im Mittelpunkte der Stadt liegen E. Giese's reiche Renaissancebauten des neuen Theaters und der neuen Kunsthalle, letztere als Entschädigung für die unersetzliche alte Gemälde-Galerie gemeint, einander gegenüber; und nicht fern von diesen Gebäuden erhebt sich, im Rhein sich spiegelnd, die majestätische Fassade des neuen Akademiegebäudes. Die schon lange vor der Vollendung dieser Neubauten eingetretene Hauptveränderung liegt aber vielleicht darin, dass das Kunstleben Düsseldorfs der Akademie über den Kopf gewachsen ist, indem Schaaren von Künstlern sich in der rheinischen Kunststadt niedergelassen haben, welche durch kein Schulverhältniss und keine Traditionen mit der Düsseldorfer Akademie verknüpft sind und ihre Privatschüler in ihren eigenen Ateliers bilden, sodass die Begriffe Düsseldorfer Schule und Düsseldoi-fer Kunstakademie sich nicht mehr decken zu wollen schienen. Es versteht sich von selbst, dass diesen veränderten Bedingungen auch eine Vervollständigung des akademischen Lehrkörpers, theils durch die anerkanntesten der selbständig in Düsseldorf lebenden Künstler, theils durch die hervorragendsten Schüler der Akademie selbst, theils durch von auswärts berufene Lehrer, welche bis dahin nicht vertretene Fächer lehrten, entsprechen musste, wenn die Akademie ihre Bedeutung im Düsseldorfer Kunstleben bewahren oder wiedererringen wollte; und es leuchtet ein, dass ein erspriessliches Zusammenwirken dieser jüngeren Kräfte mit den weit bekannten, allgemein verehrten älteren Lehrern der Anstalt eine ihrer Hauptaufgaben beim Beginne der neuen Epoche sein musste. Es ist hier nicht der Ort, näher auf die Geschichte der Düsseldorfer Akademie während der ersten beiden Hauptepochen seit ihrer Gründung einzugehen; es liegt um so weniger ein dringender Anlass dazu vor, als jene Geschichte bis zum Jahre 1855 von B. Wiegmann 2 ) und (mit Betonung der älteren Zeit bis zum Amtsantritte Schadow's) von K. Strauven 3 ) wenigstens skizzirt worden und von Ludw. Bund*) in seiner Denkschrift über die Semisäcular-Feier der Akademie im Juni 1869 bis zu diesem Zeitpunkte ausgedehnt worden ist. Das Decennium aber zwischen dieser Semisäcularfeier, welche schon 1869 begangen wurde, weil schon 1819 die Verhandlungen mit Cornelius eingeleitet worden waren,' und der Einweihungsfeier des neuen Akademiegebäudes, dieses für die Entwicklungsgeschichte der Akademie so inhaltsschwere Decennium, zugleich das Ueber- gangsdecennium aus der zweiten in die dritte Hauptepoche der Anstalt, gehört freilich noch zu sehr der Gegenwart an, um der Geschichtsschreibung eine unparteiische Klarlegung aller massgebenden Verhältnisse und eine unbefangene Lösung aller in Betracht kommenden Personenfragen zu gestatten. Allein die Geschichte des Neubaus, dessen Einweihungsfeier diese Schrift gewidmet ist, ist doch zu innig mit der Gesammtgeschichte der Akademie in eben diesem jüngstverflossenen Jahrzehnt verflochten, als dass nicht immerhin versucht werden müsste, in kurzen Zügen ein Bild der Hauptmomente dieser Geschichte zu entwerfen und den Faden der Erzählung da wieder aufzunehmen, wo die Denkschrift über das Fest vom Jahre 1869 ihn abreissen musste. Dieses Fest fiel noch in den Ausgang jener zweiten Epoche der Geschichte der Akademie; und diese Ausgangs- und Uebergangszeit gehörte keineswegs zu den glänzendsten der Anstalt. Freilich zeigt sich auch hier, dass geschichtliche Uebergänge allmählich vor sich gehen und dass jede an ein festes Datum geknüpfte Epocheneintheilung, von der Nachwelt im Interesse der Uebersichtlichkeit des Stoffes geschaffen, etwas mehr oder weniger Willkürliches hat; denn jene der Neuzeit entsprechende Vermehrung und Vervollständigung des Lehrer-Collegiums, welche die dritte Epoche der Anstalt bezeichnet, hatte bereits vor dem Feste von 1869 begonnen, wie z. B. schon der Minister von Bethmann- Hollweg im Jahre 1862 der bis dahin nur auf dem Papier bestehenden Bildhauerclasse durch die Berufung des (1864 eingeführten) Bildhauers A. Wittig Leben und erspriess- liches Wirken verliehen hatte, und Dr. med. G. Windscheid schon seit 1868 Vorträge über Anatomie hielt; — freilich auch stand zu jener Zeit an der Spitze des Curatoriums der Akademie der damalige Regierungspräsident von Kühlwetter, ein Mann, dessen Reden man nur zu lesen braucht, um zu sehen, dass er Verständniss für die Kunst und ein warmes Herz für die rheinische Kunstschule hatte; — freilich standen ferner die Vertreter der religiösen und monumentalen Kunst, die edlen Schöpfer der Wandgemälde in der Appollinariskirche zu Remagen, Andreas Müller, Carl Müller und E. Deger in der schönsten Blüthe ihrer Kraft; und neben ihnen wirkten bereits H. Wislicenus als Vertreter der nicht geistlichen, aber geistigen Grosskunst und J. Boeting als Meister des realistischen Porträtfaches; auch konnte die Landschaftsciasse, welche Carl Inner nach Gude's Abgang interimistisch geleitet hatte, nicht besser und zeitgemässer vertreten sein, als durch Osio. Achenbach; auch stand der Bauclasse ein wirklich künstlerisch und praktisch thätiger Architekt, E. Giese, vor; und Jos. Keller gab, wenn auch fast ohne Schüler, der Düsseldorfer Kupferstecherschule den Glanz eines berühmten Namens. Allein da der Schwerpunkt der Düsseldorfer Schule seit Schadow's Zeit auf dem Gebiete der Staffelei, maierei lag, so leuchtet ein, dass diese vortrefflichen Lehrkräfte, so energisch sie wesentliche Seiten der Kunst schaffend und lehrend vertraten, allen Bedürfnissen der rheinischen Schule doch nicht gerecht werden konnten, zumal da Carl Sohn vor Kurzem gestorben, der schwer leidende Th. Hildebrandt, nur noch nominell Mitglied des Collegiums, H. Mücke aber bereits pensionirt war, und Oswald Achenbach einen Urlaub angetreten hatte, von dem er zu einer eigentlichen Thätigkeit in der Anstalt nie wieder zurückgekehrt ist; auch war es ein schwer empfundener Mangel, dass die der niederdeutschen Natur so zusagende Genremalerei, die sich längst zu einer Specialität der Düsseldorfer Schule herangebildet hatte, auf der Akademie gar nicht vertreten war und dass die ausserhalb der Akademie bereits gepflegte, zugleich modemer-e und ältere, zugleich realistischere und malerischere Pinselführung und Technik innerhalb der Akademiemauern noch keine, genügende Berücksichtigung neben der grossen Composition, der strengen Zeichnung und der idealen Auffassung jener in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts massgebenden Richtung gefunden hatte. Die Hauptsache aber war die Organisation der inneren Leitung der Anstalt. Nachdem der Director Ed. Bendemann mit dem Schlüsse des Jahres 1867 sein Amt endgültig niedergelegt hatte, hatte die Düsseldorfer Akademie keinen Director meln\ Dass an seiner Stelle ein Directorium mit der Geschäftsleitung betraut wurde, entsprach gewiss der Lage der Dinge, auch waren R. Wislicenus und E. Giese, welcher zugleich Secretär war, ohne Zweifel vertrauenswerthe Mitglieder dieses Direc- toriums. Dass aber kein Künstler, ja nicht einmal ein Akademieprofessor, sondern ein Regierungsbeamter, so gewachsen er der Sache sein mochte, dass der Geh. Regierungs- rath Altgelt, dessen Charakter und dessen Fähigkeiten dadurch nicht im Geringsten herabgesetzt werden sollen, als Mitglied des Directoriums nicht nur dessen Vorsitzender, sondern zugleich auch Vorsitzender des Lehrer-Collegiums wurde, musste von letzterem nothwendig als eine Demüthigung empfunden werden. Dem entsprach es, dass auf der Jubelfeier, mit welcher zugleich die Einweihung der von A. Wittig geschaffenen Büste W. Schadow's auf dem nach dem letztem benannten Platze der Stadt verbunden war, kein Akademie-Professor das Wort zur Begrüssung der Festgäste erhielt oder in irgend einer Weise als offizieller Vei'treter der Anstalt erschien. Herr Regierungspräsident von Kühltvetter und Herr Geheimrath Altgelt hielten die officiellen Reden; und besonders der erstere hielt vortreffliche Reden. Die eigentliche Festrede hielt der verehrte Prof. E. Curtius aus Berlin; und dass er sich seiner Aufgabe glänzend erledigte, bedarf keiner Erwähnung. Die Abfassung der Denkschrift wurde einem Regierungsbeamten überlassen; und dieser schrieb gewiss eine fleissige txnd gute Schrift. Vielleicht lag es auch in den Verhältnissen der Anstalt begründet, dass für alle diese Dinge kaum eine andere Wahl getroffen werden konnte; aber es bleibt darum doch wahr, dass solche Verhältnisse demüthigend für die Königliche Kunstakademie waren und nicht auf eine Blüthe- zeit derselben schliessen Hessen. Wie wenig festUch, trotz des Jubelfestes, den damaligen Schülern der Akademie zu Muthe war, geht aus den Beschwerden gegen jene Organisation hervor, welche sie alle an den Festtagen selbst unterschrieben und dem Cultusminister einreichten. Der Kern der Wünsche der Schüler bestand in der Bitte, dass die Leitung der Anstalt wieder in Künstlerhände gelegt werden möge, und in der Sache gaben gewiss alle Künstler, ja, alle Freunde der Akademie ihnen Recht, auch diejenigen, welche die verschiedenen unerquicklichen Vorgänge und Unruhen, welche sich im Verfolge der Angelegenheit ergaben, bedauerten und die zu Ungunsten der Schüler ausfallende ministerielle Entscheidung formell gerechtfertigt finden mussten. In der Sache erreichten die Schüler aber auch, was sie wollten; denn Herr Geh.-Rath Altgelt legte am 13. Juli 1870 sein Amt nieder, und das Directorium bestand hinfort aus den Professoren H. Wisliceniis und E. Giese. Uebrigens gingen in den zwei und drei viertel Jahren, welche zwischen dem Feste und dem Brande verstrichen, nur wenige Aenderungen im Lehrer-Collegium vor sich. Zur Ernennung eines Professors für Genremalerei kam es trotz wiederholter Anregung der Frage noch nicht; für Oswald Achenbach, welcher während des ganzen Zeitraums beurlaubt war, wurde aber eine Stellvertretung geschaffen. Statt seiner leitete erst Th. Hagen, dann, als dieser nach Weimar berufen worden, A. Flamm die Landschaftsschule der Akademie. Letzterer wurde sogar als stimmberechtigtes Mitglied des Collegiums angesehen. Ein halbes Jahr vor dem Brande hatte Ed. Giese sein Amt als Lehrer der Bauclasse und Secretär der Akademie niedergelegt, um von seiner Vaterstadt Dresden aus wieder eine grössere Thätigkeit als praktischer Künstler zu entfalten; und diese Thätigkeit ist in der Folge auch Düsseldorf zu Gute gekommen, da er, wie schon erwähnt, der Erbauer des neuen Theaters und der Kunsthalle an der Alleestrasse ist. Nach seiner Abreise fungirte seit Weihnachten 1871 und während des Brandes A. Müller neben H. Wisliceniis als Mitglied des Directoriums und Secretär der Akademie. Alle entfalteten eine gleich angestrengte Thätigkeit als Lehrer der Anstalt und als selbstschöpferische Künstler. E. Deger malte einen grossen Einzug Christi in Jerusalem; H. Wislicenus malte seine „Germania auf der Wacht am Rhein" für einen Riga'er Kunstfreund und hatte seine „Jahreszeiten" für die Berliner Nationalgalerie beinahe vollendet; Andreas Müller malte sein grosses Altarwerk aus dem Leben des heiligen Josef für die Kirche in Zifflich an der holländischen Grenze, Josef Keller hatte "vor Kursem seinen Stich der Sixtinischen Madonna beendet, A. Wittig hatte, nachdem er von Carrara zurückgekehrt war, wo er seine grosse Gruppe Hagar und Ismael in Marmor ausgeführt hatte, vier grosse Medaillons von Rafael, Michelangelo, Dürer und Holbein vollendet, bestimmt, an der vor Kurzem restaurirten Rheinfassade der Akademie angebracht zu werden; J. Roeting, welcher seine grosse Grablegung Christi schon vor seiner Berufung an die Akademie vollendet hatte, malte 'fein Porträt nach dem andern. C. Müller war mit der Ausführung seiner zahlreicher Aufträge auf dem Gebiete der kirchlichen Malerei beschäftigt. Alles ging im ruhigen Gleise seinen Weg; höchstens dass dieser oder jener Lehrer sich einmal über Raummangel beklagte, und dass an den Wechsel im Cultusministerium Hoffnungen für die Zukunft der Akademie geknüpft wurden; Niemand aber konnte ahnen, durch welch schroffen Eingriff des Schicksals alle diese friedliche Arbeit plötzlich unterbrochen und ein jäher Wechsel in den Verhältnissen der Akademie herbeigeführt werden sollte. Das ursprüngliche alte Akademiegebäude an der Strasse, welche noch heute Akademiestrasse heisst, der Sitz der Anstalt während der ersten Hauptepoche ihres Bestehens, war schon seit dem Verfall der Anstalt in der Franzosenzeit theils von Verwaltungsbehörden, theils von dem Landgerichte in Besitz genommen worden. Während der zweiten Hauptepoche war die Akademie in dem Gebäudecomplexe angesiedelt worden, welcher nördlich vom Rathhause, unterhalb der Rheinbrücke sich am Rheinufer entlang zog und im Kerne aus dem alten kurpfälzischen Residenzschlosse bestand, an welches im Süden das ehemalige Galerie-Gebäude, im Norden das nach Schinkel'schen Plänen restau- rirte Ständehaus sich anschloss. Von dem Galerie-Gebäude aus hatte die Akademie sich allmählich über das ganze alte Schloss verbreitet und sogar einen Theil des Ständehauses in Beschlag genommen. An der Eheinseite zeigte dieser Gebäudecomplex eine lange, unregelmässige Fassade; an der Landseite umschloss er, da ein Mittelflügel des alten Schlosses hier landeinwärts vorsprang, zwei geräumige Höfe. Das Feuer, welches aus nicht aufgeklärter Ursache in der Nacht vom 19. auf den 20. März 1872 im oberen Stockwerke des auf den Ehein blickenden Gebäudetheiles ausbrach und mit rasender Schnelligkeit um sich griff, zerstörte das ganze alte Schloss in einem solchen Maasse, dass die Euinenmauern bald darauf niedergerissen wurden, um einer neuen, zum Eheine hinabführenden Strasse Platz zu machen. Auch das Ständehaus brannte vollständig aus. Seine Mauern mit den leeren Fensterhöhlen harren, da das Ständehaus selbst in grossartigster Gestalt in einem anderen Stadttheile neu erbaut worden ist, noch heutigen Tages des Wiederaufbaues zu anderer Verwendung. Das alte Galerie- Gebäude aber blieb verschont und mit ihm die bis vor Kurzem in ihm befindlichen Eeste der alten Galerie, die neue Sammlung von Gips-Abgüssen und die Landesbibliothek. Die Kupferstich-Sammlung, die Sammlung der Handzeichnungen und die kunstgeschichtlich unschätzbare Eamboux'sche Sammlung von Aquarell-Copien altitalienischer Gemälde wurden besonders durch die aufopfernde Thätigheit ihres Conservators, des Professors Andreas Müller, der. sein eigenes Atelier und seine eigenen Schöpfungen ihretwillen preis gab, gerettet. Die Ateliers aller akademischen Lehrer wurden von den Flammen vernichtet, und nur wenigen gelang es, ihren Inhalt in Sicherheit zu bringen. Am anschaulichsten und lebendigsten hat Hermann Becker, der Kunstreferent der Kölnischen Zeitung, welcher selbst Maler, selbst Schüler der Düsseldorfer Akademie und mit allen ihren Einrichtungen und Persönlichkeiten genau bekannt war, den Brand in dem rheinischen Weltblatte beschrieben. 5 ) Bei dem engen Zusammenhange dieses Brandes mit dem Zwecke der vorliegenden Arbeit wird die vollständige Einschaltung des Becker'schen Berichtes an dieser Stelle nicht unwillkommen sein. Er möge hier folgen. Es war ein eigenthümlicher Anblick, welchen die Baulichkeiten des alten Schlosses von Düsseldorf darboten, als ich gestern Mittag vom Bahnhofe zu Obercassel über die Eheinbrücke schritt. Der helle Sonnenschein fiel durch die offenen Dachräume und eingestürzten Stockwerke bis hinab in die untersten Geschosse und erleuchtete das Innere der mir so wohlbekannten und vertrauten Eäume, in welche durch die leeren Fensteröffnungen der Blick frei hinein- und hindurchdringen konnte. Es sah gar nicht so tragisch aus, als ich erwartet hatte. Die düsteren Zeichen des Brandes, die Spuren des Feuers über den Fensterhöhlen machten sich nur wenig geltend, hier und da stieg ein leichter bläulicher Rauch empor, und mit einer gewissen Beruhigung sah ich über die niedrigeren Baulichkeiten des Seitenflügels am Rheine hinweg das Dach des Galeriegebäudes nur an einem Ende und in geringer Ausdehnung zerstört und offen. Also war der Galeriesaal vom Feuer verschont geblieben und die Gemälde desselben nicht zu Grunde gegangen; also war der grosse Rubens, um den in den letzten Jahren so viel gestritten worden und der das beste Stück unter den Ueberresten der alten düssel- dorfer Galerie und ein vortreffliches Stück ist, gerettet! Wir hatten ja auch schon erfahren, dass die Kupferstichsammlung, die Sammlung Ramboux, die Sammlung der Handzeichnungen glücklich gerettet worden seien; dass die Bibliothek verschont geblieben, war anzunehmen, da die Dächer das Ende des Brandes deutlich erkennen Hessen, der sie also nicht erreicht hatte. Aber da oben die Ateliers trefflicher Meister, guter Be- 10 kannter und Freunde! Dass davon nichts übrig geblieben, war deutlich; zeigte doch der Blick durch die weiten Fensteröffnungen des Corridors, dass im Innern Alles hohl und leer sei. Nun, man wird ja wohl noch Zeit gehabt haben, die Bilder von den Staffeleien und Wänden zu retten; malen wir doch heute nicht mehr auf so massiven Eichentafeln, wie die des vorerwähnten Rubens, welche ein Dutzend starke Männer kaum handhaben und forttragen können. Und so schien das Unheil denn doch nicht so gross, wie die ersten Schreckensnachrichten befürchten Hessen; was liegt an den Sälen und Corridoren, den Baulichkeiten ohne künstlerischen Werth des alten Schlosses, was liegt selbst an dem neu erbauten Flügel, dem Ständehause, einer sehr zweifelhaften architektonischen Kunstgeburt, woraus die bläulichen Rauchwolken so leicht und fein empor kräuselten. Und so ging ich besseren Muthes über die Brücke und die Zollstrasse, über den Markt, wo der bronzene Kurfürst in alter Majestät auf seinem schweren Gaul sass, das Rathhaus in modernem Anstrich glänzte und das Theater hinter seinem stolzen Säulenporticus die innere Kümmerlichkeit verbarg. Das alles war in altem Bestand, auch das Marktvolk mit Kohl und Zwiebeln und sonstigen duftenden Dingen. Aber nur einige Schritte weiter, an dem neuen Anbau des Bibliothekflügels vorbei, und es gab ein anderes, ein trauriges Bild. Beide Höfe des Akademiegebäudes lagen voll Trümmer und verkohlter Balken, der gegen den Burgplatz vorspringende Querflügel, welcher die Höfe trennt, stand ausgebrannt, das Gebälk des Daches und der Decken lag unter Schutt und Mauertrümmern rauchend und qualmend im Erdgeschoss, im eingestürzten Atelier des Prof. Wittig und seiner Bildhauerclasse; da waren im ersten Stocke die Ateliers der Meister Deger, Molitor, Kehren, Coomans und Bisse 6 ) gewesen und darüber die Kupferstechereiasse und die Landschafterclasse. Gerade vor in der Ecke über der grossen Treppe zum Galeriesaale standen noch die verkohlten Balken und Sparren des Daches, und Feuerleute waren beschäftigt, aufzuräumen und weiteren Brand zu verhüten. Dort hatte man der Zerstörung Einhalt thun können. Eben so und noch schlimmer sah es im zweiten Hofe aus: der Flügel längs des Rheines war im Innern ganz zusammengestürzt und ausgebrannt; da waren oben die Ateliers der Professoren Andreas Müller, Böting, Keller gewesen, und darunter und daneben die Ateliers der Professoren Wislicenus und Carl Müller, die Bauclasse, der Conferenzsaal, die Hand- zeichnung-, Kupferstich- und die Sammlung Bamboux. In der Ecke, welcher dieser Flügel mit dem Flügel des Ständehauses bildet, waren oben die Ateliers von Massen und Professor Oswald Achenbach (zum Glücke eben leer stehend), sowie das Secretariat des Kunstvereins gewesen; das war alles vernichtet, das Ständehaus war gänzlich leergebrannt und nur der alte, schwere, runde Eckthurm an der Strasse war unberührt geblieben und stand in seiner etwas zweifelhaften restaurirten Herrlichkeit da. Es war ihm dieses Mal besser gegangen als damals zur Franzosenzeit, 1794, als derselbe Ge- bäudecomplex, der heute verbrannt lag, von glühenden Kugeln angezündet niederbrannte und die Kugeln seine ehrwürdigen, starken Mauern für lange Jahre in eine malerische Ruine verwandelten. Im Akademiehofe fand ich viele der bei dem Unglücke direkt Betheiligten, indirekt war es wohl jedes Mitglied der Künstlerschaft und alle ihre Freunde. Da standen sie in Gruppen, mit versörten Mienen, und unterhielten sich von den Vorfällen der schlimmen Nacht, von den Verlusten, die den Einzelnen, die Alle getroffen, von der Rettung vieles Werthvollen und den Gefahren, welche dabei überstanden wurden. Jeder lobte die Tapferkeit des Anderen, welcher mit ihm die Gefahr bestanden, und auch mehrerer braven Bürger wurde mit Ruhm gedacht, die mit der grössten Auf- 11 Opferung geholfen hatten; auch die Soldaten des 39. Regiments hatten gute Dienste geleistet, ganz besonders wurde die eingreifende und umsichtige Thätigkeit des Regierungs-Präsidenten Herrn v. Ende gerühmt. 7 ) Dagegen fehlte auch der Tadel nicht; die Hydranten der Wasserleitung liegen weit vom Gebäude entfernt, und die Spritzenschläuche reichten nicht. Grosse Verzögerungen waren enstanden durch Unzulänglichkeit der Löschgeräthe, kurz, alle die Klagen wurden vorgebracht, die nach jedem grossen Brande erhoben werden und welche die Verordnung jenes weisen Stadtrathes rechtfertigen, „dass immer drei Tage vor einem Brande die Löschmaschinen probirt werden sollen." Ueber die Ursache des Brandes war und ist man gänzlich ohne Nachricht oder Anhalt. Nur der Ort des Ausbruches ist annäherungsweise bestimmt. Der Brand ist entstanden im obersten Stockwerk, an der Ecke, welche das Ständehaus mit dem Flügel am Rheine bildet, und zwar an der Rheinseite. Dieser Theil des Gebäudes ist unbewohnt, es befinden sich dort einige Ateliers, zum Theil leerstehend, und das Secretariat des Kunstvereins. Dort ist der Brand ausgebrochen. Zwischen 12 und 1 Uhr Nachts (20. März) sah ein Wächter von der Brücke dort ein Fenster hell erleuchtet, legte aber Anfangs kein Gewicht darauf, bis nach einiger Zeit sich an demselben Fenster deutlich ein Feuerschein zeigte, doch weiss der Mann nicht mehr zu sagen, ob es ein Dachfenster oder ein Fenster des oberen Stockes gewesen, welches ihm aufgefallen. Die Brückenwache maehte nunmehr Lärm und die Feuersignale wurden gegeben. Inzwischen war der Inspector, Maler Holthausen, welcher im oberen Stocke wohnte, durch ungewöhnliches Geräusch geweckt worden, und hatte, als er die Thür geöffnet, den Corridor bereits so mit Rauch angefüllt gefunden, dass er nur noch mit der grössten Eile sich und seine Famibe hinunterflüchten konnte. Das Feuer hatte sich bereits den Dachböden mitgetheilt, die selbst in alter Weise viel Holzwerk enthielten und ausserdem mit altem hölzernen Gerumpel, Bilderrahmen u, dgl. angefüllt waren. Sobald das Gerücht von dem Brande sich in der Stadt verbreitete, eilten alle Betheüigten hinzu und die Rettungsarbeiten begannen. Freilieh erfuhr Mancher, bei der weitläufigen Ausdehnung der neuen Stadttheile, erst am Morgen, wo der Brand sei und was er betroffen habe. Die Maler und einige ihrer Freunde, welche am Platze waren, haben das Ausserordentlichste geleistet; ganz besonders verdient Professor Andreas Müller das höchste Lob. Als Verwahrer der Sammlungen musste er diesen besonders seine Fürsorge widmen und war desshalb in der traurigen Lage, sein eigenes Ateber mit dem unschätzbaren Inhalte vernachlässigen zu müssen, das sonst vielleicht noch hätte gerettet werden können. Mit Hülfe einer Anzahl von jungen Malern, deren Tapferkeit höchlichst gepriesen wird, ist es gelungen, die Kupferstichsammlung mit wenigen leichten Verlusten zu retten, eben so die noch werthvollere Sammlung der Handzeichnungen alter Meister und die kunsthistorische Sammlung von Aquarellcopieen itaüenischer Gemälde von Bamboux. Es lässt sich freilich noch nicht übersehen, ob und welche Schäden Einzelnes dennoch betroffen haben; in der Kupferstichsammlung musste ein Schrank mit einem Exemplar der Sammlung von Photographieen nach Baphael (die vom Prinzen Albert veranstaltete englische Sammlung 8 ) und sonstigen Photographieen zurückgelassen werden; von der Bamboux'sehen Sammlung gingen auch einige Stücke verloren; die Archive der Akademie wurden gerettet. Trotz Dampf und Rauch wurde die Rettungsarbeit fortgesetzt, bis das Feuer Decken und Wände ergriff und Niemand mehr widerstehen konnte. Aus den einzelnen AteUers ist Manches gerettet worden, so aus dem 12 Deger'schen Atelier der vortreffliche Carton des „Einzugs in Jerusalem", welches Bild der Meister in Arbeit hat. Der Carton ist leider etwas beschädigt worden. Aus dem Atelier Röting's ist dessen bekanntes grosses Gemälde „die Grablegung Christi" geflüchtet worden, aber bei der übereilten Flucht und ungeschickten Handhabung zum Theil ruinirt. Aus dem Atelier von Andreas Müller ist ein werthvolles Werk, das bekannte gemalte Ohrucifix, gerettet, dagegen musste ein grösseres Altarbild, welches der Meister seit vielen Jahren in Arbeit und beinahe vollendet hat, auf der Flucht durch die Gänge zurückgelassen werden und ist zu Grunde gegangen. Ein noch schwererer Verlust hat denselben Meister betroffen, indem alle seine Mappen mit einer unschätzbaren und unvergleichlichen Collection von Copieen und Durchzeichnungen mittelalterlicher Ornamente, die er in vielen Jahren und auf seinen Reisen in Italien und Deutsehland gesammelt hatte, zurückgelassen und vernichtet wurden. Die übrigen vorgenannten Künstler haben Vieles, einige derselben Alles verloren, was in ihren Ateliers war, begonnene und vollendete Bilder, Studien, Skizzen und den oft so wunderlichen und doch so unersetzlichen Hausrath eines Maler-Ateliers. Ihr Schade ist sehr gross, nicht ganz nach Geldeswerth zu schätzen, denn viele Dinge lassen sich, einmal verloren, nicht wieder gewinnen. Einen grossen Schaden hat der rheinisch-westfälische Kunstverein genommen, C\ dessen Secretariat mit allen Archiven und Papieren, mit allen Vorräthen an Kupfer- ' Stichen (die Nietenblätter der verschiedenen Jahrgänge), den vorhandenen gestochenen / Platten, kurz, mit seinem ganzen Inhalt ein Raub der Flammen geworden ist. Dieser L Schade beziffert sich auf einen Geldwerth von mehr als zwanzigtausend Thaler. Unter den verlorenen Platten befindet sich auch der berühmte grosse Stich der RaphaeV sehen Disputa von Keller, die ganz ausgezeichnete Platte von Vogel nach Knaus: „Die Spieler", die schöne Platte von Dinger nach Siegerfs Bilde „An der Klosterpforte" und die Holz- stöcke der xylographisehen Nachbildungen der Rethel'sehen Fresken in Aachen. Ausserdem verbrannten beträchtliche Vorräthe von Abdrücken dieser und anderer Stiche, Lithographieen und Holzschnitte. Die Gemälde, der Rest der berühmten einstigen Düsseldorfer Galerie, deren grösster Theil nach München gekommen ist, sind unberührt geblieben und verdanken dies einem eigenthümlichen Umstände. Die Decke des grossen, jetzt sogenannten Galeriesaales, der sie beherbergt, war schon lange schadhaft geworden, wie Manches in dem etwas altersgebrechlichen Gebäude, und bedurfte der Reparatur. Man hatte desshalb die Gemälde von den Wänden genommen und sie in einem anderen Saale, dem vom Feuer entferntesten Ecksaale, aufgeschichtet. Dort hat man sie gelassen, und zum Glück hat man dem Feuer Einhalt thun können, ehe es den grossen Saal erreichte. Hätte es diesen erreicht, so wäre Alles zu Grunde gegangen und die Gemälde mit. Das grosse Bild von Rubens, die Himmelfahrt Maria, hing ebenfalls in diesem Ecksaale an der Wand. Man hat es im ersten Eifer mit unsäglicher Mühe und Gefahren von der Wand herabgerissen, musste es aber doch stehen lassen, weil es zu schwer war, dasselbe ohne grosse mechanische Hülfsmittel durch Thüren und über Gänge und Treppen zu transportiren. 9 ) In diesem Saale liegen jetzt die Cartons, Mappen und Bände der Kupferstich-Sammlung, der Handzeichnungs-Sammlung und der Sammlung Ramboux auf- und übereinander geschichtet; ein trauriges Chaos, nach dessen Sortirung und Sichtung man erst erfahren wird, was gerettet und was verloren ist. Eine zweite werthvolle Sammlung von Bildern ist am anderen Ende der Brandstelle ebenfalls glücklich gerettet worden. Es sind dieses die Gemälde, welche zu einer 13 Verloosung zum Besten des Künstler - Unterstützungsvereins zusammengebracht waren, freiwillige Geschenke ihrer Autoren, im Ganzen einen Werth von vierzigtausend Thalern repräsentirend. Diese waren im Saale des Ständehauses aufgestellt und konnten noch entfernt werden, ehe das Feuer dahin drang. Der Brand ist gelöscht, nur noch hier und da zuckt ein Flämmchen auf in dem Haufen verkohlten Holzes. Das alte Schloss ist eine vollständige Ruine und vielleicht gar nicht wieder herzustellen; aber auch in den Räumen des nicht vom Feuer erreichten ehemaligen Galerie-Gebäudes sieht es wild und traurig aus. In aller Eile hat man Alles daraus geflüchtet; auch dort ist Vieles zu Schaden gekommen, leer und wüst standen die Ateliers, als ich sie durchschritt. Weniger Hausrath und einiges Geräthe aus den Ateliers standen noch im Hofe und in den Gängen, hier und da hing noch eine werthlose Zeichnung oder Studie an den Wänden. Was verloren ist an Gemälden, Studien, Büchern, Zeichnungen, Arbeits- und Hausgeräthen, z. B. von letzteren die des Inspeetors Holthausen, ist ganz verloren, denn Niemand hat daran gedacht, dergleichen in einem königlichen Gebäude, welches wenig bewohnt ist, versichern zu lassen. Möge den armen Beschädigten ihr Schade nicht zu schwer fallen, mögen sie sich mit dem guten Humor trösten, der den Künstlern so eigen und nöthig ist, wie sich denn einer der Schwerstbeschädigten über den Verlust seiner ganzen künstlerischen Habe tröstete, indem er kaltblütig sagte: „Ich habe mir eben Bleistifte gekauft und werde aufs Neue zu componiren anfangen." Bravo dem frischen Muthe, der dem Unglücke nicht weicht und sich nicht „unterkriegen" lässt! Die Liste der Verluste, welche nach diesem Berichte die einzelnen Meister betroffen, Hesse sich natürlich vervollständigen. Es möge an dieser Stelle nur noch erwähnt werden, dass neben A. Müller die Akademieprofessoren ff. Wislicenus und A. Wittig am härtesten betroffen wurden. Ersterer, vielleicht am schwersten von Allen heimgesucht, büsste den ganzen Inhalt seines Atelies ein, ausser einer grossen Anzahl von Cartons und Zeichnungen, acht fast vollendete Gemälde, nämlich jene erwähnten vier Jahreszeiten, die Germania, eine grosse Lorelei, einen Ehein und eine Apotheose. Wittig konnte Manches retten; doch gingen ihm ausser vielen Gipsmodellen, Formen und Abgüssen, die schon genannten vier grossen Künstlerporträt-Medaillons zu Grunde, mit welchen die Rheinfassade des Gebäudes geschmückt werden sollte. Am glücklichsten scheinen E. Deger und C. Müller davongekommen zu sein. Mit aufrichtigstem Dank wird die Akademie jederzeit der opferwilligen Freigebigkeit der Düsseldorfer Bürger, des rheinisch-westphälischen Adels und der Kunstfreunde des ganzen deutschen Reiches und des Auslandes gedenken, welche in kurzer Zeit ein Capital von fast 100 000 Mark zeichneten, um den Meistern, welche ihre Werke nicht versichert hatten, ihre Verluste einigermassen zu ersetzen. Den Vorsitz des aus einem Dutzend der angesehensten Männer der Stadt bestehenden Comite's übernahm der Regierungspräsident Frhr. von Ende ; als stellvertretender Vorsitzender fungirte der Oberbürgermeister Hammers; Cassirer war der Ranquier L. Scheuer, Schriftführer Herr Theodor Jäger. Die Angelegenheit wurde mit der grösstmöglichen Schonung und Zartheit betrieben. Kein Aufruf erschien in den Zeitungen; kein Mensch hat über die Art der Vertheilung etwas erfahren. Das Comite überlieferte die gesammelte Summe dem Vorstande des Künstler-Unterstützungs-Vereines; und dieser übernahm die Vertheilung. Die Quittungen, welche die Empfänger ausstellten, wurden verbrannt. Die Geschichte der Akademie darf 14 dieses Vorganges, der ein um so grösseres Zeichen von Sympathie war, je geräuschloser und anspruchsloser er in Scene gesetzt wurde, nicht vergessen. Das verheerende Brandunglück hatte tief in die Verhältnisse der Akademie eingegriffen; seine Folgen machten natürlich allen Betheiligten auf Jahre hinaus viel zu schaffen; die provisorische Einrichtung in dem ehemaligen Galeriegebäude, dem einzigen erhaltenen Theile des alten Baues und in anderen, zu diesem Zwecke vom Staate ge- mietheten Räumen der Stadt, die Berathungen über den Neubau, wie die Ausstattung und Einrichtung desselben, führten den Verhandlungen der Lehrer-Conferenzen erklärlicher Weise einen grossen, angestrengte Arbeit erheischenden Stoff zu. Die Protocolle dieser Verhandlungen und die Schriftstücke, welche sich in den Acten der Akademie befinden, geben ein anschauliches Bild dieser angeregten Thätigkeit. In der Sitzung vom 4. Mai 1872 stellte Andreas Müller den Antrag, alle Zeitungsberichte über den Brand möchten gesammelt und, wenn es nothwendig erscheinen sollte, mit berichtigenden Bemerkungen versehen werden, auch möchte jedes Mitglied des Colle- giums seine Erlebnisse während des Brandunglücks niederschreiben und zu den Acten geben. Dieser Antrag wurde angenommen, scheint im Drange der Geschäfte aber nicht sofort zur Ausführung gekommen und dann in Vergessenheit gerathen zu sein. Nur Andreas Mütter selbst reichte seinen Bericht zu Anfang des Jahres 1873 ein. Derselbe wurde jedoch leider, da der gleich nach dem Brande eingetretene Secretär der Akademie kurz vor dem Umzüge in's neue Gebäude starb und die Acten daher in wenig geordnetem Zustande übergesiedelt werden mussten, nicht rechtzeitig aufgefunden, um bei der Ausarbeitung dieser Schrift benutzt zu werden. Ehe die Geschichte des Neubaus skizzirt wird, muss aber ein Abriss der inneren Geschichte der Anstalt während des Zeitraums vom Brande bis zum Einweihungsfeste gegeben werden. Es ist schon erwähnt worden, dass der neue Cultusminister Falk von seinem vortragenden Rathe Dr. B. Schoene, dessen Name mit der Neugestaltung der Akademie unauflöslich verbunden bleiben wird, stets aufs wärmste und angelegentlichste im Interesse der Anstalt berathen, ihr die lebhafteste Fürsorge zu Theil werden Hess. Gleich jetzt wurde daher die Vervollständigung und Vermehrung des Lehrercollegiums in Angriff genommen; und es war jedenfalls ein anerkennenswerthes Stück preussischer Verwaltungs- Energie, dass diese Vervollständigung und Vermehrung trotz der mangelnden akademischen Räumlichkeiten, trotz der grossen Ausgaben, welche schon der Neubau verursachte, und trotz der durch diese Dinge veranlassten Geschäftslast vollständig durchgeführt werden konnte, noch ehe das neue Gebäude bezogen wurde. Die eine Hälfte der Lehrer musste sich eben in den Räumen des ehemaligen Galeriebaus behelfen, so gut es ging; die andere Hälfte hauste im sogenannten „Wunderbau", jenem im Osten der Stadt (Pempelforter Strasse 80) gelegenen, dem Maler Fr. Gerhardt gehörigen, merkwürdig construirten Gebäude, zu dessen zahlreichen Ateliers die Zugänge durch Aussentreppen und Aussengalerien in verschiedenen Stockwerken vermittelt werden. Die Erinnerung an diesen „Wunderbau" wird mit der Erinnerung an diese Zeit der Akademie für immer verknüpft bleiben. Das Präsidium des Curatoriums wechselte, der Verfassung der Akademie entsprechend, mit dem Präsidium der Königlichen Regierung zu Düsseldorf. Nachdem der Freiherr von Ende, der Amtsnachfolger von Kühlwetter's, zum Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau ernannt worden war, folgte ihm der jetzige Finanzminister Bitter, und auf 15 ihn folgte der Freiherr von Hagemeister, unter dessen Präsidium das neue Gebäude bezogen wurde. Als Baurath des Curatoriums folgte nach dem Tode des Geh. Rath Krüger der Regierungs-Baurath Lieber; zugleich wurde aber noch ein drittes Mitglied des Curatoriums ernannt; als solches fungirte zunächst, bis zu seiner Versetzung in höherer Eigenschaft nach Coblenz, der Regierungsrath Wettendorf, welcher als Secretär des Kunstvereins mit den Düsseldorfer Kunstinteressen verwachsen war; an seine Stelle wurde unter dem Präsidium Bitter's Regierungsrath Steinmetz berufen, ein bewährter Musikkenner und Kunstfreund, welcher schon als Comite-Mitglied für die Errichtung des Cornelius-Denkmals sich Verdienste um Düsseldorfs Kunstleben erworben hatte. Die Akademie erkennt es dankbar an, dass das Curatorium in seiner Eigenschaft als Mittelbehörde zwischen ihr und dem Ministerium während dieses ganzen Zeitraumes sein oft schwieriges Vermittleramt in einer Zeit, wo die ihm zunächst obliegenden äusseren Verwaltungs -Interessen durch den Neubau im Vordergrunde standen, mit eingehendem Verständniss für das Gedeihen der Anstalt und unter wachsender Anerkennung der Selbständigkeit, welche der Körperschaft der Akademieprofessoren in ihrem Kreise zukommt, ausgeübt hat. Das Directorium der Anstalt lag während der ganzen Zeit zwischen dem Brande und der Vollendung des Neubaus in den Händen der Professoren H. Wislicenus als Vorsitzenden und Baumeister Dr. W. Lotz als Secretär. Der Letztere, welcher vom Studium der Naturwissenschaften zu demjenigen der Kunstgeschichte und der praktischen Baukunst übergegangen war und sich durch sein zweibändiges Werk „Kunsttopographie Deutschlands" (Cassel 1862 und 1863) einen Namen erworben hatte, war an E. Giese's Stelle zum Lehrer der Baukunst und Secretär der Akademie berufen worden. Er trat sein Amt gleich nach dem Feuer an. Er war in der ersten Sitzung des Collegiums nach dem Brande zum ersten Male anwesend. Er verwaltete das Secretariat während der ganzen dornen- und arbeitsvollen sieben Jahre der halben Obdachlosigkeit der Akademie. Er erwarb sich durch die hervorragenden Eigenschaften seines ernsten und unparteilichen Charakters das Vertrauen aller seiner Collegen: und er starb plötzlich am 27. Juli 1879, als .nur noch eine Sitzung in den provisorischen Räumen stattzufinden hatte. Die Akademie wird ihrem treuen Mitarbeiter in schwerer Zeit stets ein ehrenvolles Andenken bewahren. Ein Jahr nach dem Brande hatte die Akademie den Verlust des berühmten Kupferstechers J. Keller zu beklagen, welcher seiner langen Krankheit wegen ihr in der letzten Zeit nur noch dem Namen nach angehört hatte. Er starb am 30. Mai 1873. Sein Ruhm ist ein Blatt im Ruhmeskranze der Düsseldorfer Akademie. Ueber die Wiederbesetzung der durch diesen Verlust erledigten Professur für Kupferstecherkunst wagte das Lehrer-Collegium Jahre lang trotz der wiederholten Anregung seitens der Regierung keinen Vorschlag zu machen, weil es der Ansicht war, dass die alte, von Keller so trefflich vertretene Manier den schon durch die Photographie veränderten Bedürfnissen der Gegenwart nicht völlig mehr genügte und in der neueren, malerischeren, nicht nur mehr in Linien arbeitenden Richtung noch keine junge Kraft, welche die Stelle zu übernehmen geneigt sein würde, zur Hand wäre. Erst in der ersten Sitzung im neuen Gebäude, nachdem die Stelle sechs und ein halbes Jahr vacant gewesen war, wurde J. Keller's letzter Schüler, E. Forberg, der sich inzwischen als tüchtige Kraft der neueren Richtung bewährt hatte und schon als Begründer des Düsseldorfer Radir-Clubs sich um die Ver- 16 breitung seiner Kunst verdient gemacht hatte, einstimmig zum Nachfolger Keller''s gewählt. Der Cultusminister publizirte seine Ernennung beim Einweihungsacte des Neubaus. Im Uebrigen blieb der gute alte Stamm der akademischen Lehrer, als welcher jetzt, neben H. Wislicenus, dem Vorsitzenden des Collegs, die Professoren E. Deger, A. Müller, C. Müller, A. Wittig, Jul. Boeting und der Inspector Holthausen erschienen, unverändert. Auch fuhr Dr. med. G. Windscheid während aller dieser Jahre fort, die Vorträge über Anatomie zu halten. Die Geschichte der neuen Zweige aber, welche an diesen alten Stamm sich ansetzten, muss mit einigen Worten angedeutet werden. Zunächst wurde, da Osw. Achenbach am 10. October 1872 seine Stellung niedergelegt und A. Flamm, der ihn vertreten hatte, gleichzeitig sein Ausscheiden erklärt hatte, an eine neue Besetzung der Professur für Landschaftsmalerei gedacht. Das Collegium hatte sich Anfangs zu Gunsten eines Meisters der idealen Richtung, J. W. Schirmer's, des Begründers der Düsseldorfer Landschaftsschule, ausgesprochen. Wahrscheinlich aber, weil ein grosser Meister dieser Richtung nicht zu finden war, wogegen in der modernsten Richtung im besten Sinne des Wortes ein junger Meister von solcher Kraft und Klarheit, wie Eug. Dücker, in Düsseldorf lebte, fasste das Collegium bald darauf den glückver- heissenden Beschluss, diesen Künstler für die Anstalt zu empfehlen. Es verdient hervorgehoben zu werden, dass gerade die Herren, welche früher zu Gunsten der Schirmer'sehen Richtung gesprochen hatten, jetzt mit Wärme für Dücker eintraten. Schon am 16. December 1872 wurde E. Dücker zum ersten Male in's Lehrer-Collegium eingeführt. Später ergaben sich Schwierigkeiten. Dücker trat zeitweilig wieder zurück und wurde erst 1875 definitiv für die Anstalt gewonnen. Am 7. März 1873 wurde H. Lauenstein, welcher als Hülfslehrer für die Elementar- classe, in welcher er schon lange thatsächlich als solcher gearbeitet hatte, angestellt worden Avar, in's Collegium eingeführt. Bedeutete schon diese Ernennung zum Theil eine Entlastung des mit Arbeiten und Aemtern überhäuften, sehr verdienten Professors Andr. Müller, so war das in noch höherem Masse bei der Creirung eines eigenen Lehrstuhls für Kunstwissenschaften der Fall. Andr. Müller's ausserordentlich reichen kunstgeschichtlichen Kenntnisse waren seit Jahren in den Vorlesungen über Kunstgeschichte, welche er zweimal wöchentlich hielt, der Akademie zu Gute gekommen. Aber als Conservator aller Sammlungen, ausser der Gips-Sammlung, und als Leiter der Elementarclasse war er zu beschäftigt, um die Entbindung von dieser Verpflichtung nicht wünschen zu sollen. Auch sollte der neue Lehrer der Kunstwissenschaften nicht nur Vorträge über Kunstgeschichte, sondern auch über Werke der Dichtkunst halten. Das erheischte die ganze Kraft eines Mannes. Der erste, welcher auf den neugeschaffenen Lehrstuhl berufen wurde, war Dr. W. Rossmann, damals Secretär der Weimarer Kunstschule, ein Gelehrter, welcher sich besonders durch seine hübschen Reiseskizzen „Vom Gestade der Cyklopen und Sirenen" bekannt gemacht hatte. Bossmann wurde am 22. April 1873 eingeführt und seine Vorträge erfreuten sich während des Sommers eines starken Besuches und grossen Beifalls. Aber schon im Herbste desselben Jahres wurde er an die durch A. v. Zahn's plötzlichen Tod erledigte einflussreiche Stelle nach Dresden berufen; und der neue Düsseldorfer Lehrstuhl blieb wieder ein halbes Jahr lang verwaist. Inzwischen war aber auch mit der Ernennung eines Professors der Genremalerei Ernst gemacht worden; und dass die Wahl auf einen so voll im besten künstlerischen 17 Können und Wollen der Gegenwart stehenden Meister, wie W. Sohn, fiel, war ein Ereigniss von entscheidender Bedeutung für die Zukunft der Akademie. W. Sohn wurde am 11. März 1874 als Lehrer der Malerei und Leiter einer Meisterciasse eingeführt. An demselben Tage und in derselben Stunde gewann die Akademie aber noch eine zweite Kraft, die nicht minder massgebend für die ganze zukünftige Richtung einzugreifen bestimmt war. Auch Ed. v. Gebhardt, der durchaus eigenartige, durchaus ernste und tiefe Meister, voll individuell pulsirenden Lebens, wurde am 11. März .1874 an Th. Hildebrandt''s Stelle in's Lehrercollegium eingeführt und neben Boeting mit der Leitung der mittleren (Mal-)Classe betraut. Auch für W. Bossmann war inzwischen ein Ersatz gesucht worden. An seine Stelle wurde Dr. Karl Woermann, der damals Privatdocent an der Universität Heidelberg war, berufen. Seine Einführung fand am 14. April 1874 statt. Mit diesen Ernennungen hatte die Vervollständigimg und Vermehrung des Lehrer- Collegiums aber noch keineswegs ihr Ende erreicht. Die von Jahr zu Jahr wachsende Anzahl der Schüler hatte eine Ueberfüllung der Elementarclasse und des Antikensaales erzeugt, welche nicht selten die Abweisung keineswegs talentloser junger Leute zur Folge hatte. Der Herr Minister wandte sich an das Lehrercollegium, um Vorschläge zu hören, wie diesem Uebelstande abzuhelfen sei. Es wurde beschlossen, ein Jahr nach dem Eintritte der Schüler eine Revision unter denselben vorzunehmen und alle, welche keine genügende Anlage entwickelt hätten, alsbald zu entlassen. Es wurde auch einmal angeregt, alle Schüler der Elementarclasse, welche nicht sagten, sie wollten Künstler werden, zu entlassen. Aber diese Mittel, der Ueberfüllung vorzubeugen, erwiesen sich als praktisch nicht durchführbar; und die begründete Hoffnung, dass eine Entlastung der Akademie eintreten werde, wenn die neu zu gründende Kunstgewerbeschule in's Leben getreten sein werde, verwies auf eine zu fern liegende Zukunft. Die Ueber- zeugung, dass Parallelclassen geschaffen werden müssten, brach sich immer mehr Bahn. Am 8. Januar 1877 hielten der Regierungspräsident Bitter und der Referent für Kunstangelegenheiten im Cultusministerium, Greh. Rath Schoene, eine gemeinsame Sitzung mit dem Lehrercollegium, in welcher man sich dahin einigte, dass eine Parallelclasse zur Elementarclasse geschaffen und unter die Leitung des feinsinnigen Porträtmalers PL. Crola gestellt werden, dass aber zugleich auch eine fürs Zeichnen nach dem lebenden Modelle bestimmte Parallelclasse zum Antikensaale geschaffen und Ed. Bendemann's bestem Schüler, P. Janssen, anvertraut werden sollte, der sich durch seine Wandgemälde in der Börse zu Bremen, im Rathhause zu Crefeld und im zweiten Cornelius-Saale der Berliner Nationalgalerie längst in den Vordergrund der jüngeren Monumentalmaler gestellt hatte. P. Janssen wurde später übertragen, nicht nur nach dem lebenden Modelle, sondern auch nach der Antike zeichnen zu lassen. Der Antikensaal erhielt auf diese Weise eine eigentliche Parallelclasse, für welche jedoch von Anfang an eigene Räumlichkeiten und eigene Antiken hätten geschaffen werden müssen. Die Einführung Peter Janssen's fand am 14. April, diejenige H. Crola''s am 2. Juni 1877 statt. Mit der Einführung E. Forberg's in der ersten Sitzung nach dem Einweihungsfeste war die Vervollständigung des Lehrer-Collegiums abgeschlossen, bis auf die durch den Tod W. Lotz' gerissene frische Lücke, für welche der Ersatz so bald wie möglich 18 geschaffen werden wird. Die Directorial- und Secretariatsgeschäfte übernahm C. Müller während der schweren Zeit des Umzugs. Später ei'hielt E. Forberg das Secretariat und wurde an den Directorialgeschäften betheiligt.. Die Geschichte einer Kunstakademie ist aber nicht nur eine Geschichte der Anstellung ihrer Professoren, sie ist in fast ebenso hohem Grade eine Geschichte der Werke, welche in ihr geschaffen worden. Ein kurzer Ueberblick über die wichtigsten Schöpfungen der Lehrer der Düsseldorfer Kunstakademie während des letzten Jahrzehnts dürfte der Mitwelt, wie der Nachwelt, willkommen sein. Der Bericht wird sich jedoch, wie auf dieses Jahrzehnt, so auch auf Werke zu beschränken haben, welche die Lehrer nach ihrer Anstellung geschaffen haben. Nachdem Jos. Keller den Stich der Sixtinischen Madonna vollendet hatte, starb er während der Vorarbeiten zum Stiche einer der Rafael'schen Tapeten. E. Deger arbeitete nach dem Brande an seinem grossen Bilde des Einzugs Christi in Jerusalem weiter, welches glücklicher Weise vor den Flammen gerettet worden war. Die Arbeit an diesem ernsten Kunst-Werke wurde jedoch wiederholt durch die Vollendung kleinerer Gemälde und Aquarelle unterbrochen: z. B. eines Altarbildes, welches den Erlöser darstellt, mehrerer Madonnenbilder, eines Aquarells und eines Gemäldes zu Dante's göttlicher Comödie. Andreas Müller schuf, nicht verzagt über den Verlust des fast vollendeten grossen Altargemäldes, welches das Leben des heiligen Josef darstellte, dieses Bild noch einmal. Im Jahre 1877 war es vollendet und an seinen Besthnmungsort Zifflich abgegangen. Der Meister begann gleichzeitig den Carton zu einer Darstellung der Heimsuchung Maria, schuf viele Zeichnungen architektonischer und ornamentaler Art für kirchliche Decoration, beschäftigte sich aber vor allen Dingen mit zahlreichen; Restaurationen alter Gemälde, unter denen die Wiederherstellung des grossen Rubensbildes der akademischen Galerie in den Jahren 1872—73 hervorgehoben werden muss. Carl Müller vollendete zunächst zwei Rundbilder, welche heilige Familien darstellten und lebhaften Beifall fanden. Ihnen folgte die in den Jahren 1873—75 gemalte Jungfrau vor der Felsengrotte, ein Gemälde, welches die Kritik als das hervorragendste Werk des Meisters rühmte, der es im folgenden Jahre wiederholte, um sich dann, thätig wie immer, neuen Aufgaben zuzuwenden. Eine Darstellung der „unbefleckten Empfängniss" ist neben kleineren Madonnenbildern aus der jüngeren Zeit hervorzuheben. A. Wittig hat, Avie schon erwähnt, in dem Jahrzehnt, nachdem seine Büste Schadow's aufgestellt worden, seine bekannte, schöne grosse Gruppe „Hagar und Ismael" für die Berliner National-Galerie vollendet. Vollendet wurden auch verschiedene Büsten für Privatbesteller, vollendet wurde die grosse Corneliusbüste,' welche die Apsis der diesem Meister gewidmeten Säle der Nationalgalerie in Berlin schmückt. Daneben arbeitete der Meister an einer Gruppe der Pietä, an Statuen der Apostel Petrus und Paulus und vor allen Dingen, in den letzten Jahren, an seiner lebensgrossen Statue des Malers Asmus Jacob Carstens für die alte Museumshalle zu Berlin. H. Wislicenus, der am härtesten vom Brande mitgenommene Meister, wiederholte und vollendete zunächst die zu Grunde gegangenen Gemälde. Die „Germania auf der Wacht am Rhein" war im Jahre 1874 vollendet. Von den „Vier Jahreszeiten" für die Berliner Nationalgalerie wurden die ersten beiden (Frühling und Sommer) im Jahre 1876, 19 die letzten beiden (Herbst und Winter) 1877 fertig gestellt. Der Künstler war inzwischen als Sieger aus der zur Ausschmückung des Kaiserhauses in Goslar ausgeschriebenen Concurrenz hervorgegangen und arbeitete bereits während des letzten Monats des Sommers 1879 in der altsächsischen Kaiserstadt. Hier, wie bei den früheren Arbeiten, stand ihm sein Schüler Fr. Weynack treu zur Seite. J. Roeting vollendete die Wiederherstellung seiner durch den Brand beschädigten colossalen Grablegung Christi in einer Weise, dass sie als neues Werk erscheint, war aber vor allen Dingen als Porträtmaler mit immer zahlreicher werdenden Aufträgen beschäftigt. W. Sohn arbeitete seit seiner Anstellung an dem von der Berliner National- Galerie bestellten grossen figurenreichen Genrebilde in historischem Costüme weiter, welches eine Feier des heiligen Abendmahles in einem Patrizierhause darstellt. Daneben schuf er aber eine Reihe kleinerer Genrebilder, meist im Costüme des 16. und 17. Jahrhunderts, welche in Privatbesitz übergegangen sind. E. v. Gebhardt hatte sein bahnbrechendes Werk „Die Einsetzung des Abendmahles" für die Berliner National-Galerie zur Zeit seiner Anstellung bereits vollendet. Seither schuf er eine Kreuzigung, eine Darstellung der Jünger Christi in Emmaus, eine Reihe von Porträts, einige genrehafte Bilder und arbeitete an einer noch unvollendeten grossen Himmelfahrt Christi. Fug. Dücker's einzelne Landschaften aufzuzählen, oder auf diejenigen Osiv. Achenbach's oder A. Flamm's zurückzugreifen, würde hier zu weit führen. Dücker ist der Darstellung seiner heimisch-nordischen Natur, vor allen Dingen der Ostseeküsten ; treu geblieben. Nur einmal gab eine italienische Reise ihm Anlass, südliche Studien in eigenartiger Auffassung zu verwerthen. Seine Bilder schmücken die verschiedensten Sammlungen Europa's. Die berliner National-Galerie hat vor Kurzem eine „Abendstimmung auf Rügen" von ihm erworben, die zu seinen schönsten Werken gehört. P. Janssen arbeitete seit seiner Anstellung erst an den Cartons für den Rath. haussaal zu Erfurt, begann dann die Ausführung derselben in Erfurt selbst, schuf nebenher aber auch einige Oelbilder. H. Crola, zunächst durch viele Aufträge auf dem Gebiete der Bildnissmalerei in Anspruch genommen, arbeitet an einer grossen Anbetung der Könige. H. Lauenstein schuf abwechselnd Altarbilder und Kinderporträts. Als sein Hauptwerk aus dieser Zeit wird ein Gemälde zu nennen sein, in welcheniwsich sein Talent fürs Porträt und für die religiöse Malerei vereinigt zeigte. Es war von einem Privatmanne für die Waisenhauscapelle in Viersen bestellt worden und stellt die heil. Elisabeth dar, wie sie als Patronin des Waisenhauses die Waisen und deren Pflegerinnen dem göttlichen Schutze empfiehlt. Dr. W. Lotz war neben seiner angestrengten Thätigkeit für die Geschäftsleitung der Akademie mit einigen architektonischen Entwürfen, in erster Linie aber mit der Herausgabe eines im Auftrage der Königl. Staatsregierung unternommenen Werkes über die Alterthums- und Kunstdenkmäler des Regierungsbezirks Wiesbaden beschäftigt. Dr. K. Woermann veröffentlichte seit seiner Anstellung die folgenden grösseren Arbeiten: Florentmische Malerbiographieen von Masaccio bis Domenico Ghirlandajo (in Dohme's Kunst und Künstler, 1875); Geschichte der Landschaft in der Kunst der alten 20 Völker (1876); die antiken Odysseelandschaften vom esquilinischen Hügel in Rom (Farbendruck-Tafeln und Text, 1876); Elegien und Oden aus Neapel (1877); Geschichte der Malerei des Alterthums (in A. Woltmann's Geschichte der Malerei, 1878). Vom August 1878 bis zum Oktober 1879 unternahm er eine Studienreise durch fast alle Länder Europa's, um das Material für eine Gesammtgeschichte der Landschaftsmalerei zu sammeln. Während des Winters seines Urlaubs hatte A. Müller die Güte, ihn in Bezug auf die kunstgeschichtlichen Vorträge zu vertreten. Der Kupferstecher E. Forberg, welcher, wie schon erwähnt, gleich nach seiner Einführung das Secretariat übernahm, vollendete um diese Zeit seine Düsseldorfer Künstlerköpfe für M. Jordan's „Stammbuch der Berliner Nationalgalerie" und arbeitete an den Stichen des Genrebildes von Pieter de Hoogh im Berliner Museum und einer grossen Landschaft von Andreas Achenbach. Der Inspector L. Holthaiisen beschäftigte sich neben der Verwaltung seines Amtes besonders mit Restaurationen alter und neuer Bilder. Die Geschichte einer Kunstakademie ist aber nicht nur die Geschichte ihrer Lehrer, sie ist fast in noch höherem Grade eine Geschichte ihrer Schüler. Um diese zu übersehen, ist freilich ein viel längerer Zeitraum erforderlich, als ein Jahrzehnt. Allein auf die Gefahr hin, von der Nachwelt berichtigt zu werden, muss doch schon jetzt versucht werden, die tüchtigsten jungen Meister, welche während dieser Zeit auf der Düsseldorfer Akademie gebildet worden sind, namhaft zu machen. Dass ein Theil der neu eingetretenen Lehrer wie W. Sohn, P. Janssen, H. Crola, H. Lauenstein und E. Forberg ehemalige Schüler der Düsseldorfer Akademie sind, wird sie mit Stolz verzeichnen. H. Lauenstein war im Jahre 1869 noch Schüler Deger's, H. Crola taucht vorübergehend sogar noch im Jahre 1874 wieder im Schülerverzeichniss auf, weil er für bestimmte Zwecke der Lehre W. Sohn's theilhaftig werden wollte. Im Uebrigen hatte er, wie die übrigen Meister, schon vor dem Jahre 1869 die Schule verlassen. L. Kolitz aber, der enei'gische, farbenkräftige Porträt-, Landschafts- und Schlachtenmaler, welcher jetzt Director der Casseler Akademie ist, hat erst in diesem Decennium und J. Scheurenberg, der elegante Künstler, welcher jetzt Professor an derselben Anstalt ist, hat erst kurz vorher die Düsseldorfer Akademie verlassen. Als Vertreter der religiösen Kunst ist, neben Lauenstein, Andreas Müller's begabter Sohn Franz Müller, der auf allen Gebieten der kirchlichen Kunst thätig ist, hervorzuheben; auch Straub's ist zu gedenken, der z. B. ein Kuppelbild in der Dionysiuskirche zu Crefeld malte, und auch H. J. Sinkeis darf nicht vergessen werden, obgleich er neuerdings mehr Porträts, als religiöse Bilder malt. — Eigentliche monumentale Historienmaler sind in dem in Rede stehenden Jahrzehnt kaum auf der Düsseldorfer Akademie gebildet worden. Wenigstens gehören E. Bendemann's Schüler Ernst und Frit2 Roeber, R. Bendemann und W. Beckmann, welche unter ihres Meisters Leitung sich an der Ausschmückung der National- Galerie in Berlin betheiligt haben, theils einer früheren Epoche, theils der Vollendung ihrer Studien nach nicht der Akademie an. Doch sind sie alle einmal Schüler der Düsseldorfer Akademie und bis zuletzt Schüler eines ehemaligen Directors der Düsseldorfer Akademie gewesen und dürfen als strebsame Repräsentanten einer grossen Richtung hier nicht übergangen werden; H. Knackfuss, dessen Anfänge zu schönen Hoffnungen berechtigen, reiht sich ihnen an. 21 Weit zahlreicher, aber auch intensiver in ihren Leistungen, sind die jungen Vertreter des Genre's mit mehr oder weniger historischem Anfluge, welche in neuerer Zeit aus der Düsseldorfer Akademie hervorgegangen sind. Fr. Stummel, C. Wünnenberg, W. Schade, E. te Peerdt, M. Volkhardt, Carl Mücke, Carl Sohn und Seeldratyers repräsentiren schon eine etwas ältere Generation dieser Zeit. Sie sind fast alle zugleich als Porträtmaler thätig, einige von ihnen, wie vor allen Dingen M. Volkhardt, streifen in ihren Genre - Darstellungen im historischen Costüm, oft genug in's Gebiet des Geschichtsbildes hinüber. Unter den jüngeren haben C. Kiesel, 0. Kirberg, dessen „Opfer der See" die National-Galerie kaufte, und F. Neuhaus sich hervorgethan; — auch C. Hey den ist zu nennen. Doch kann diese Liste am wenigsten Anspruch auf Vollständigkeit machen. Carl Hertel hat frische Griffe in's Kinderleben gethan und L. Bockelmann, der, wie J. Scheurenberg, Privatschüler W. Sohn's gewesen, hat sich durch seine packenden, eigenartig aufgefassten Darstellungen aus dem städtischen Volksleben einen Namen gemacht. Auf dem Gebiete der gleichwerthigen Verbindung von Figuren und Landschaften ragt vor allen G. v. Bochmann hervor, dessen Gemälde voll Wahrheit und Leben, wie voll feinen Reizes, sich bereits eines europäischen Rufes erfreuen. Auf demselben Gebiete, aber in ganz anderer Art und Auffassung, frisch und keck, ist unter den jüngeren Hans Hohl zu nennen. Die Düsseldorfer Landschaftsschule ist, insoweit sie durch die Akademie bedingt ist, in dem jüngsten Jahrzehnt durch die zeitweise Vacanz der Professur, offenbar im Nachtheil gewesen. Mit Spannung sieht man den Erfolgen der eingreifenden Thätigkeit E. Dücker's entgegen. Schon jetzt muss Ad. Schweitzer als vortrefflicher Künstler bezeichnet werden, auch 0. Hoffmann, 0. Jernberg und A. Normann dürfen nicht vergessen werden; und Edg. Meyer hat sich als Aquarellist ausgezeichnet. Die Bildhauerschule A. Wittig's hat eine Reihe junger Kräfte gebildet, von denen C. Hilgers, der Schöpfer eines Reliefs „Perseus und Andromeda," der Karyatiden im Düsseldorfer Theater, sowie eines Theiles des plastischen Schmuckes der neuen Kunsthalle, und H. Hofmeister selbständig in Berlin etablirt sind, während Andreas Müller's Sohn Carl Müller, der z. B. eine hübsche „Austreibung aus dem Paradiese" und Büsten des Kaisers und des Kronprinzen geschaffen, sowie L. Müsch, der ebenfalls für den Schmuck der neuen Kunsthalle thätig ist, in Düsseldorf ansässig sind, und G. Neumann, der Schöpfer der liebenswürdigen Gruppe „Mutterglück",. noch in seines Meisters Atelier thätig ist. Tüchtige Schüler Wittig's werden die jüngsten werden: C. Janssen, ein Bruder Peter's und Tüshaus; Janssen hat eine lebendige Gruppe, „Antigone am Leichnam des Polyneikes" geschaffen, Tüshaus ein Crucifix aus Holz für die Dominicanerkirche in Düsseldorf und einen lebensgrossen heil. Sebastian. Die Kupferstecherschule hat in diesem Jahrzehnt natürlich wenig leisten können, B. Stang und J. Kohlschein gehören, wie E. Forberg, schon einer etwas älteren Generation an. ■ Alle jene genannten Maler und Bildhauer sind natürlich nur ein Bruchtheil der überhaupt in Düsseldorf gebildeten oder lebenden tüchtigen jungen Künstler, aber die Akademie hat Ursache, sich dieses ihr und ihrem letzten Jahrzehnt gehörigen Bruch- theiles zu freuen. 22 Auch die Sammlungen der Akademie, welche vom Brande glücklicher Weise nur in ganz geringem Masse beschädigt worden waren, sind in diesem Jahrzehnt stetig gewachsen. Vor allen Dingen hat sich das Museum der Gips-Abgüsse, zu dessen Erweiterung der Staat zweimal ziemlich beträchtliche Summen hergegeben hat, zu einer Provinzial-Sammlung entwickelt, der, wenn sie ferner mit Mitteln bedacht wird, eine Zukunft bevorsteht. Wittig hat sie gegründet und leitet sie. Die Gemäldesammlung ist durch eine Anzahl von alten Bildern der ehemals Suermondfsehen Galerie, welche der Staat ihr überlassen hat, bereichert worden. Die Aussicht, die alte Galerie aus München zurückzuerhalten, schwand aber in diesem Jahrzehnt endgültig. Preussen Hess nach dem grossen Jahre 1870 den Rechtsstreit, den es darüber mit Bayern führte, fallen, und der Staat entschädigte die Stadt Düsseldorf durch die Summe, welche den Bau der neuen Kunsthalle ermöglichte. Für die Vervollständigung der Kupferstichsammlung hat Andreas Müller gesorgt, soweit die bescheidenen Mittel der Anstalt es erlaubten. Die Ramboux'sehe Sammlung von Aquarellcopien nach altitalienischen Gemälden hatte im Brande 31 Nummern eingebüsst. Einleitende Schritte zu ihrer Wiedervervollständigung sind, da die Sammlung rechtlich, aber mit der Auflage, dass sie den Zwecken der Akademie diene, Eigenthum der Stadt ist, von Herrn Oberbürgermeister Becker gethan worden. Unter seinem Vorsitze bildeten der Stadtverordnete und Maler R. Risse, Prof. A. Müller und Prof. Dr. K. Woermann zu dem Zwecke eine Commission, deren Thätig- keit jedoch dadurch, dass R. Risse, welcher die Ausführung der Beschlüsse übernommen hatte, von Düsseldorf fortgezogen ist, in's Stocken gerathen ist. Für die Akademiebibliothek bewilligte die K. Staatsregierung eine einmalige Summe zur Anschaffung einer nicht imbedeutenden Anzahl fehlender älterer und neuerer Werke; auch gab Berlin ihr Doubletten ab. Trotz aller dieser dankbar hingenommenen Bereicherungen bleibt aber gerade für die Sammlungen der Düsseldorfer Akademie noch am meisten zu thun übrig. Nach aussen hin hatte die Akademie in dem verflossenen Jahrzehnt nicht allzuoft Anlass sich vertreten zu sehn. Der regelmässigen Commission zur Berathung über die Verwendung der Fonds für Kunst im preussischen Staate gehörten und gehören II. Wislicenus und A. Wittig an. Der letztere gehörte auch der Commission zur Berathung über die Behandlung und Conservirung von Gipsabgüssen an, welche der Cultusminister Falk in Verbindung mit dem Handelsministerium im Jahre 1874 nach Berlin berufen hatte. Beim Jubiläum des Künstlervereins Malkasten im Jahre 1873 vertrat W. Rossmann die Akademie 10 ). Bei der Michelangelo-Feier in Florenz im Jahre 1876 war die Akademie leider nicht vertreten; aber sie sandte eine Glückwunsch-Adresse, mit deren Abfassung K. Woermann beauftragt worden war. Dagegen wurden C. Müller und K. Woermann als Delegirte der Düsseldorfer Akademie im Jahre 1877 zur Einweihungsfeier des neuen Wiener Akademie-Gebäudes entsandt. Dem Vereine zur Gründung eines Corneliusdenkmales in Düsseldorf, welcher sich während der Akademiefeier des Jahres 1869 constituirte, gehörten als Comite-Mitglieder E. Deger und H. Wislicenus an. Die Thätigkeit dieses Vereins füllte gerade das ganze Jahrzehnt von 1869—1879 aus. Nur wenige Monate vor der Einweihung des neuen Akademiegebäudes fand die Enthüllungs- .^d fei er des von A. Donndorf in Stuttgart geschaffenen Cornelius-Denkmales statt. Dem Festausschusse gehörte auch noch Carl Müller an. Beim Festmahl sprach H. Wislicenus den Toast auf Herrn Geh. Oberregierungsrath Dr. R. Schoene 11 ). 23 Der für den Anlass dieser Denkschrift bedeutsamste Theil der Geschichte der Düsseldorfer Akademie seit ihrem Brande ist aber die Geschichte ihres Neubaues. Sie kann mit wenigen Worten erzählt werden. Zunächst lag der Gedanke am nächsten, die Akademie an ihrem alten Platze wiederaufzubauen und ihrem Professor der Bau- ^ kunst, W. Lotz, den Neubau zu übertragen. In der That erhielt Lotz den Auftrag, die . Pläne anzufertigen. Schon am ersten Juni 1872 legte er sie der Conferenz des Lehrer- collegiums vor, welches sie mit Beifall aufnahm, aber seiner Ueberzeugung Ausdruck verlieh, dass noch nicht genug Räume geschaffen seien, um den Bedürfnissen der Anstalt zu genügen. Am 6. Juli berieth das Collegium jedoch bereits über die seitens eines Mitgliedes des Curatoriums gestellte Frage, ob die Errichtung eines ganz neuen Gebäudes an einer geeigneteren Stelle, als bisher, dringend wünschenswerth sei. Da der bisherige Platz den grossen Uebelstand hatte, dass auf ihm keine nach Norden gekehrte Fassade, wie sie für Malerateliers in hohem Grade wünschenswerth ist, geschaffen werden konnte, so konnte die Antwort nicht zweifelhaft sein. Die Frage wurde fast einstimmig bejaht; nur Andreas Midier enthielt sich aus Anhänglichkeit an das alte Gebäude und den alten Platz der Abstimmung. Auch wurde schon jetzt der Platz an der Südseite des Sicherheitshafens als vorzüglich geeignet für den Neubau bezeichnet. Gleichwohl ging man höheren Ortes einstweilen auf den Plan noch nicht ein. Das Curatorimn theilte dem Collegium mit, dass es unmöglich sei, an den Neubau zu denken. Aber das Collegium, einmal für die Idee erwärmt, wiederholte seinen Beschluss am 3. August. Bald darauf gab Lotz, der mit Geschäften zu sehr überhäuft war, als dass er den Bau hätte ausführen können, seine Pläne an den von der Regierung mit der Leitung des Baues beauftragten y jungen Baumeister aus der Strack'sehen Schule, H. Riffart, ab. Dieser änderte Einiges an den Plänen; und noch am 18. Juni 1873 fand eine Berathung des Collegiums über diese Pläne zur Wiederherstellung des alten Baues statt, ohne dass die Rede von dem Neubau an einer anderen Stelle gewesen wäre. Am 14. Juli 1873 aber kam das Collegium zu einer ausserordentlichen Sitzung zusammen, kam nochmals auf seinen Wunsch, ein neues Gebäude an anderer Stelle errichtet zu sehen, zurück, blieb auch bei seiner Ansicht, das der Platz an der Südseite des Sicherheitshafens der geeignete sei, und wiederholte seinen Vorschlag mit spezialisirter Angabe der Gründe. Jetzt kamen Mängel des Baugrundes, welche sich an der alten Stelle herausgestellt hatten, den Wünschen des Lehrkörpers zur Hülfe; und jetzt regte es sich auch in der ausserakademischen Künstlerschaft zu Gunsten der Akademie. Professor W. Camphausen nahm die Angelegenheit in die Hand. Die Künstlerschaft richtete eine warme Petition an das Ministerium, dass es den Neubau im Sinne der Wünsche der Akademie genehmigen möge; und diesen vereinten Bitten konnte das Ministerium nicht widerstehen. Am 1. August kam die frohe Botschaft, dass es das Programm zum Neubau genehmigt habe; und am 2. August beschloss das Collegium, ein Dankesschreiben an W. Camphausen und seine Mitstreiter zu richten. Die Lösung der Platzfrage, welche nicht ohne Mitwirkung der städtischen Behörden erfolgen konnte, zog sich noch eine Zeitlang hin. Auch nachdem man sich endgültig für den Platz am Sicherheitshafen geeinigt hatte, bestand anfänglich noch nicht der Plan, den Bau ganz lang und schmal an der ganzen Länge des Hafens sich entlang ziehen zu lassen; vielmehr war anfangs ein Neubau von mehr quadratischem Grundrisse für die Ausführung an einer Stelle bestimmt, an welcher ein Privatgrundstück zu dem städtischen 24 Terrain hinzuerworben werden musste. Erst die Weigerung des Eigenthümers dieses Grundstücks, auf die ihm gestellten Bedingungen einzugehen, veranlasste den kühnen Entschluss, ein ganz lang gestrecktes Gebäude auf dem schmalen Streifen Landes zwischen dem Hafen und der Stadt zu errichten, und veranlasste den Baumeister Riffart, den Plan zu dem jetzigen Gebäude zu machen, das fast nur aus einer einzigen Nordfassade besteht. Den praktischen Bedürfnissen der Professoren der Anstalt konnte nicht leicht ein Plan besser entsprechen; auch wurde ihnen noch während des Baues wiederholt Gelegenheit gegeben, ihre Wünsche geltend zu machen; eine von Berlin gesandte ministerielle Commission hielt, als der Bau schon weit vorgeschritten war, noch eine Sitzung mit dem Collegium, um die Wünsche jedes Einzelnen zu hören. Die Errichtung der grossen, zugleich als Gemäldesaal benutzten Aula im zweiten Stocke wurde noch in letzter Stunde beschlossen. Der Wunsch E. Dücher's, ein Atelier für's Studium nach lebenden Thieren eingerichtet zu sehn, wm*de zwar zu spät geltend gemacht, als dass er den Bau hätte beeinflussen können; aber im Herbste des Jahres 1878 traf die Nachricht ein, dass zu diesem Zwecke, wie zu anderen akademischen Zwecken, ein neben dem Neubau gelegenes besonderes Gebäude nebst Hofraum erworben worden sei. Der Bau des neuen Gebäudes begann im August des Jahres 1875. Das Gebäude kehrt dem Sicherheitshafen eine Fassade von 158 m. Länge zu, während seine Tiefe an den vorspringenden Ost- und Westflügeln und an dem nach vorn nur wenig herausgerückten, nach hinten aber weiter vertieften Mittelbau 25 m., an den übrigen Theilen sogar nur 12 m. beträgt. Es besteht aus einem hochgelegenen Erdgeschosse und zwei Stockwerken; und seine höchste Höhe, an eben jenem Mittel-Risalit und eben jenen Ost- und Westflügeln beträgt 31 m. Schade ist es, dass wegen der geringen Tiefe des Raumes kein Haupteingang in der Mitte der Langseite geschaffen werden konnte, vielmehr die Eingangsfassade an die östliche Schmalseite verlegt werden musste. Schade ist es auch, dass dementsprechend das Haupttreppenhaus, welches gleichwohl im Mittelbau liegt, unten mit keiner Eingangshalle verbunden werden konnte und überhaupt erst im zweiten Stockwerke, in dem die Aula liegt, sich leicht und luftig entfaltet und mit Säulen geschmückt erscheint. Der Künstler hat übrigens gethan, was er konnte, um die ungeheure Fassade trotz des Wunsches, möglichst grosse Fenster zu haben und trotz der Unmöglichkeit, bei einem Gebäude, dessen Räume alle gleichmässiges, ruhig-helles Licht haben müssen, durch scharf vorspringende und zurücktretende Mauermassen zu wirken, in frei und selbständig aufgefassten Renaissancestil zu gliedern und zu beleben. Ueber dem in mächtiger Bossage ausgeführten Sockel, der an der schmalen östlichen Eingangsfassade jedoch wegfällt, weil das Terrain hier erhöht ist, folgen das Erdgeschoss und das erste Stockwerk in Quadern, welche massigere Bossagen zeigen, ohne Pflaster oder Säulengliederung. Doch läuft durch's Erdgeschoss in der Höhe der Bogen- ansätze der mächtigen Rundbogenfenster ein Gesimse entlang; und das Portal der Ostseite ist mit ionisirenden Säulen geschmückt. Unter dem stärkeren Gesimse, welches das Erdgeschoss vom ersten Stockwerk trennt, läuft ein schmaler Fries entlang, auf welchem an der Ost-, Nord-, und Westseite 62 Künstlernamen aller Zeiten und aller Völker ausgemeisselt sind; doch war beschlossen worden, lebende Künstler streng auszuschliessen. In der Mitte des Mittelbaues prangt Rafael's Name-zwischen Michelangelo und Lionardo da Vinci. In der Mitte der Nordseite des Ostflügels steht Dürer zwischen Stephan Lochner und Holbein] an der entgegengesetzten Seite schmückt Phidias Name zwischen Skopas und Praxiteles die Mitte. 25 Das erste Stockwerk, niedriger, als das Erdgeschoss und der zweite Stock, also fast als Mezzanin aufzufassen, zeigt als einzige Gliederung zwischen seinen grossen rechteckigen Fenstern, vertiefte Blenden, welche bestimmt sind, mit in Terracotter-Platten ausgeführten gelblichen Renaissance-Ornamenten auf rothbraunem Grunde ausgefüllt zu werden. Im zweiten Stockwerke, welches durch Höhe und Schmuck als das Hauptgeschoss charakterisirt is$, machen die Quadern hellen Ziegelsteinen Platz. Uebrigens zeigt es ähnliche Blenden, welche hier mit ebenso ausgeführten farbigen Figuren auf hellem Grunde geschmückt werden sollen. Die Mauerstreifen zwischen den geradlinig abgeschlossenen Fenstern und Blenden sind hier aber pilasterartig gestaltet, mit Sockel und Gebälk; ja, in der Mitte des vorspringenden und erhöhten Mittelbaues, vor der Aula, schmücken die Fassade hier oben wirkliche korinthische Säulen, zwischen denen abwechselnd mächtige Rundbogenfenster und schmalere Statuennischen angebracht sind. Statuen werden auch über diesen Säulen stehen als Schmuck des attica-artigen Aufsatzes, welcher hier im Mittelbau, wie in den Flügeln, die übrigen Gebäudetheile überragt. Der obere Abschluss des ganzen Gebäudes durch eine Balustrade über kräftigem Kranzgesimse und in den drei höchsten Theilen, mit Akroterien auf der Balustrade, ist hübsch und leicht. Seinen Hauptreiz wird es aber erst durch das farbige Leben erhalten, welches die grossen Flächen der Mauerblenden ausfüllen soll. Im Erdgeschosse liegen die Wohnung des Castellans, das Atelier des Inspector's Holthausen, dasjenige Professor Carl Müller's, die Actsäle, vor allen Dingen aber, in langer Flucht, der Antikensaal, das Gips-Museum und die Ateliers und anderen Räume des Bildhauers Professor A. Wittig. Das mittlere Stockwerk enthält das Conferenz-Zhnmer, das Secretariat, den Lehrsaal für Anatomie, die Mal- und Meisterclassen J. Boetings, E. v. Gebhardt's, W. Sohn's, die Landschaftsciasse E. Dückers und die Ateliers aller dieser Künstler und ihrer Schüler. Das obere Geschoss enthält die Ateliers der Meister A. Müller, H. Wislicenus, P. Janssen, H. Crola und ihrer Schüler, sowie die eigentliche Elementarclasse, ferner die Bau- classe, die Kupferstecher-Classe, das Kupferstich-Cabinet, die Gemäldesammlung in der grossen Aula, den Hörsaal des Lehrers der Kunstgeschichte und des letzteren Studirzimmerchen. Der künstlerischen Ausschmückung bieten die vielen Wände und Decken des Gebäudes noch einen weiten Spielraum; einen noch viel weiteren Spielraum aber bieten die geräumigen Werkstätten den Meistern zu einer weit über die Akademie-Mauern hinausgreifenden, ja, die Welt umfassenden Thätigkeit. Wie wahr es auch sein mag, dass die dritte Hauptepoche der Düsseldorfer Kunstakademie schon gleich nach dem Brande begonnen hat — erst in dem neuen Gebäude wird die neue Aera der Anstalt alle ihre Kräfte entfalten können. Von entscheidender Bedeutung für solche neue Entfaltung ihrer Kräfte wird auch die neue Organisation des Directoriums sein, dessen Wahl durch eine kurz vor dem Abschlüsse dieser Denkschrift eingetroffene ministerielle Verfügung in die Hände des Lehrer-Collegiums gelegt worden ist. 26 Anmerkungen zur ersten Abtheilung. v ) Schon 1767 wurde in der That L. Krähe, der erste Director der Düsseldorfer Akademie, von Rom berufen. Schon im Jahre 1767 wird die Anstalt auch in einer aus Schwetzingen datirten officiellen Urkunde als die „alldasige Akademie der Zeichenkunst" bezeichnet. Wir müssen also doch wohl an diesem Jahre als dem Gründungsjahre festhalten, obgleich die Anstalt erst 1774 in vollständig organisirter Gestalt auftaucht und die Statuten erst 1777 gegeben wurden. Diese letzteren Thatsachen ergeben sieh aus einem in rothen Saffian mit reicher Goldpressung gebundenen Akademie-Buche, welches das Düsseldorfer Kupferstich-Cabinet aufbewahrt. Sein Titel lautet: Pars Prima. Librum (sie) Accademiae (sie) Electoralis Picturae Sculpturae et Archi- tecturae ab Anno MDCCLXXIV. 2 ) Die Königl. Kunstakademie zu Düsseldorf. Ihre Gesehicbte, Einrichtung etc.; von B. Wiegmann. Düsseldorf 1856. 8 ) Ueber künstlerisches Leben und Wirken in Düsseldorf bis zur Düsseldorfer Malerschule unter Director Schadoiv; von K. Strauven. Düsseldorf 1862. 4 ) Die Semisäcularfeier der K. Kunstakademie zu Düsseldorf etc. Herausgegeben von L. Bund. Düsseldorf 1870. 5 ) Kölnische Zeitung vom 22. März 1872. Zweites Blatt. Man vergleiche auch den von Moritz Blanckartz verfassten Bericht in Lützow's Zeitschrift für bildende Kunst, Bd. VIII, Beiblatt S. 225-228. 6 ) Das Lehrer-Collegiurn der Akademie bestand damals nur aus den Meistern J. Keller, E. Deger, A. Müller, C. Müller, A. Wittig, H. Wislicenus, J. Boeting, dem beurlaubten, aber durch A. Flamm vertretenen Osw. Achenbach und dem Inspector Holthausen. Aber die im Texte genannten anderen Meister hatten gemiethete Ateliers im Akademiegebäude inne. 7 ) Der Regierungspräsident Frhr. von Ende, jetzt Oberpräsident der Provinz Hessen- Nassau, stand damals an der Spitze des Curatoriums. Neben ihm war der Geh. Baurath Krüger Mitglied dieser Zwischenbehörde. 8 ) Hier irrte H. Becker. Nicht die vom Prinzen Albert veranstaltete Sammlung, sondern die grossen Photographien nach den Londoner Cartons zu Bafael's Tapeten, mussten im Stich gelassen werden und verbrannten, bis auf eine. 9 ) Man hätte das Bild doch transportirt; aber die Gefahr war bereits vorüber, als es halb herabgenommen war. 10 ) Die Rede, welche Bossmann bei dieser Gelegenheit hielt, ist abgedruckt in der Zeitschrift für bildende Kunst, Beiblatt, VIII S. 658. n ) Vgl. B. Endrulat: Das Cornelius-Denkmal in Düsseldorf etc. Düsseldorf, L. Voss & Co., 1879. ZWEITE ABTHEILUNG. DIE EINWEIHUNGSFEIER DES NEUEN GEBÄUDES DER DÜSSELDORFER KUNSTAKADEMLE AM 20. OCTOBER 1879. I. Allgemeines und Vorläufiges. Öchon im Frühjahr 1879 war Riffartfs Neubau so weit vollendet, dass einzelne Räume bezogen und benutzt werden konnten. Während des Sommers wurden die Vorbereitungen für den Umzug und die Einweihungsfeier getroffen. Mitten in denselben starb Dr. W. Lotz. Prof. H. Wislicenus arbeitete in Groslar. Directorium und Secretariat waren verwaist. Da unterzog Prof. Carl Müller sich in dankenswerther Weise der mühevollen Aufgabe, beide während der geschäftigen folgenden Monate zu vertreten. Das Curatorium arbeitete aufs liebenswürdigste mit ihm Hand in Hand: Herr Regierungspräsident Frhr. von Hagemeister und Herr Regierungsrath Steinmetz betheiligten sich in der regsten Weise an der Feststellung des Programms und an den Einleitungen zu seiner Ausführung. Das Collegium hatte zwar den Wunsch gehegt, nur eine Ausstellung von Schülerarbeiten zu veranstalten und die von der Königl. Staatsregierung für das Fest bestimmte Summe zu Preisen verwandt zu sehen, musste sich aber überzeugen, dass es dem Ansehn der Anstalt doch nicht entsprechend sei, das neue Haus ohne Sang und Klang zu beziehen. Indessen wurde daran festgehalten, dass das Fest im wesentlichen einen internen Charakter bewahren sollte, und daher wurden von auswärts, ausser den Würdenträgern des Staats, der Provinz und der Stadt, deren Einladung die Regierung bestimmte, nur diejenigen Männer eingeladen, welche als ehemalige Mitglieder des Curatoriums oder des Lehrköpers oder in anderer Weise in engerer Beziehung zur Akademie gestanden hatten. Dagegen wünschte das Collegium natürlich, seinen Zusammenhang mit der ausserakademischen Künstlerschaft Düsseldorfs durch eine möglichst grosse Vertretung derselben zu bekunden. Allein der nicht übergrosse Raum und die nicht übergrossen Mittel legten von selbst eine gewisse Beschränkung auf. Um nun keinem alten Freunde wehe zu thun, beschloss die Akademie, die Auswahl der Vertreter der Künstlerschaft dieser selbst zu überlassen. Dementsprechend sandte sie ihre Einladungskarten unaus- gefüllt an die Vorstände des Künstler-Unterstützungs-Vereins und des Malkastens. Diese beriefen beide Vereine zu einer gemeinsamen General-Versammlung, welche jedoch den Beschluss fasste, die Einladung nur für ihre beiderseitigen Vorstandsmitglieder anzunehmen, die übrigen Karten aber der Akademie zurückzustellen, mit der Bitte, ihrerseits die Auswahl zu treffen. Dem Collegium blieb nun nichts Anderes übrig, als dieser Bitte nachzukommen. Es wählte theils alte Schüler und Freunde der Akademie, theils Koryphäen der Düsseldorfer Kunst 1 ). Was aber die gegenwärtigen Schüler der Akademie betrifft, so waren zum Festact in der Aula natürlich alle eingeladen, zum Festmahl in der Tonhalle aber nur die Schüler der ersten Classe und von den übrigen eine gewisse, von ihnen selbst gewählte Anzahl. 30 Für die Festmusik in der Aula stellte die Stadt in liberalster Weise das städtische Orchester zur Verfügung. Der Gesang-Musikverein erklärte sich bereit, die Chöre auszuführen. Der Königl. Musikdirector Herr J. Tausch übernahm gütigst die musikalische Leitung des Ganzen. Im Uebrigen wurden verschiedene Commissionen gebildet, welche für das Gelingen der verschiedenen Theile des Festes verantwortlich gemacht wurden. Der Section für Generalien und Personalien gehörten Herr Regierungspräsident v. Hagemeister, Herr Regierungsrath Steinmetz, Professor Carl Müller und Professor E. Deger an. Die Section für die Decoration der Aula bestand aus Herrn Baumeister Riffart und den Professoren Sohn, Janssen und Crola. DieSection fur'a Festessen in der Tonhalle bildeten die Professoren Roeting, Dücker und Woermann. Die Section für die Ausstellung von Schülerarbeiten, in welche die Professoren A. Müller, A. Wittig, v. Gebhardt und Lauenstein gewählt wurden, konnte ihre Functionen nicht antreten, weil sich bald herausstellte, dass die verfügbaren Fest-Mittel nicht ausreichten, um Preise auszusetzen, so dass von einer Ausstellung bei dieser Gelegenheit ganz abgesehen werden musste. Auch waren die verschiedenen Festreden im Voraus unter die Lehrer der Akademie vertheilt worden. IL Wislicenas wurde natürlich, als Präses des Collegiums, ausersehen, die Begrüssung der Ehrengäste zu übernehmen. Die eigentliche Festrede war K. Woermann übertragen worden. Aber auch die offiziellen Tischreden waren, abgesehen von den Ansprachen der Herren Minister und abgesehen natürlich von etwaigen Antworten, auf den Wunsch des Herrn Regierungs - Präsidenten ausschliesslich den Akademie" - Professoren vorbehalten worden. Herrn Regierungs-Präsidenten Frhrn. von Hagemeister fühlte das Collegium sich zu aufrichtigem Danke dafür verpflichtet, dass er, im vollsten Gegensatze zu den Anordnungen des Jahres 1869, darauf bedacht war, die Mitglieder des Lehrkörpers als die Festgeber und Wirthe, als die Festordner und Redner erscheinen zu lassen und so der Anstalt die Stellung, welche ihr naturgemäss zukommt, zu wahren. Das Collegium sprach ihm diesen Dank, nachdem das Fest vorüber war, durch eine besondere Deputation aus, votirte aber auch Herrn Regierungsrath Steinmetz ein Dankschreiben wegen seiner theilnehmenden Förderung des Festes. Festprogramm. Mittags 12 Uhr: Versammlung in der Aula des neuen Akademiegebäudes. Eingang im östlichen Portal, gegenüber dem Eiskellerberge. Ouvertüre zur Weihe des Hauses. ^ Festchor aus den Ruinen von Athen./ L - mn Beethoven. Begrüssung der Festgäste. Etwaige Ansprachen und Beantwortung derselben. Festrede des Professors Dr. Woermann. Schlusschor: Hallelujah aus dem Messias von Haendel. Nachmittags 4 Uhr: Festessen in der städtischen Tonhalle. 31 II. Der Festact in der Aula. Das Lehrercollegium hatte sich schon um halb zwölf Uhr Vormittags in den dem Eingange zunächst gelegenen Räumen des Antikensaales versammelt. Bald darauf erschien Se. Excellenz der Cultusminister von Puttkamer, welcher erst während der Vorbereitungen zum Feste die Erbschaft Falk's angetreten hatte. In seiner Begleitung befanden sich der Finanzminister Bitter, welcher, als früherer Präses des Curatoriums, der Akademie noch nahe stand, der Oberpräsident der Rheinprovinz, Frhr. von Bardeleben, der Geh. Oberregierungsrath Dr. J?. Schoene, der Regierungs-Präsident Frhr. von Hagemeister, der Regierungsrath Steinmetz und einige andere Herren. Rasch war die Vorstellung der Mitglieder des Lehrkörpers beendet, und rasch wurde ein Besichtigungs- Gang durch die neuen, erst zum Theil eingerichteten Räume des Akademie-Gebäudes gemacht. Um zwölf Uhr pünktllich betrat der Zug die Aida, in welcher sich die übrigen zur Gesammtfeier oder doch zum Festcat geladenen Gäste und Ehrengäste, zum grossen Theil mit ihren Damen, bereits versammelt hatten. Zahlreich waren die Düsseldorfer Künstler erschienen. Ihre besten und berühmtesten Meister waren gekommen. Die auswärtigen Künstler, welche ihrer ehemaligen Verbindung mit der Akademie wegen eingeladen worden waren, hatten leider die weite Reise gescheut. Director Julius Hübner hatte aber ein herzliches Glückwunschschreiben aus Dresden gesandt, welches an dieser Stelle seinen Platz finden möge: Hochgeehrtes Directorium! Leider verhindern mich die Ungunst der Jahreszeit und meine vorgerückten Jahre, der freundlichen Einladung und mehr noch meinem eigenen Herzen zu folgen, und persönlich an dem heutigen Festtage der Einweihung eines neuen Kunsttempels beizuwohnen. Nehmen Sie denn in geschriebenem Wort den herzlichsten Glück- und Segenswunsch für alle Zukunft, nicht nur in meinem eigenen Namen, sondern auch ebenso innige und treugemeinte Glückwünsche der Dresdener Schwesterakademie, welche ja seit längerer Zeit schon in innigen Beziehungen zu der Ihrigen gestanden hat und noch steht, sie, die ältere Schwester an den Ufern der Elbe, die schon im Jahre 1864 ihr hundertjähriges Stiftungsfest feierte. Möge das vaterländische Gefühl beide Anstalten und alle deutsche Kunststätten insgesammt immer inniger und fester zu gemeinsamem Gedeihen umsehliessen! Mich aber umschweben am heutigen Tage die Bilder der Vergangenheit, vor Allen das Bild unseres väterlichen Ahnherrn, unseres theuren, unvergesslichen Meisters Wilhelm von Schadow, der allen seinen Schülern ein geistiger Vater, mir aber in ganz besonderem Sinne ein solcher gewesen, so lange ich unmündig, und mir ein liebender Bruder geworden, seit er mich mündig gesprochen. Noch einmal möchte ich dem verklärten Geiste heute mein dankerfülltes Herz darbringen, meine Liebe bekennen, die ewig in meinem Herzen leben wird, wie sein Name und seine Schöpfung der Düsseldorfer Schule mit leuchtenden Lettern in den Jahrbüchern deutscher Kunst für alle Zeiten eingetragen glänzt. Und wenn ich sein gedenke, wie könnte ich vergessen seine edle Lebensgefährtin zu erwähnen, die ebenbürtig treu ihm zur Seite stand, mit mütterlicher Sorgfalt für seine Schule, sein Haus zu einem Mittelpunkte geistigen Lebens machte. 32 Mit dem Bilde des Meisters nahen mir die vorangegangenen Freunde und Mitschüler Sohn, Hildebrandt, Schirmer und so manche Andere, die in ihren edelen Werken nicht minder wie in Lehre und Unterweisung der Jugend, als treue Nachfolger des Meisters für immer fortleben in den Meistern der Jetztzeit, die einst ihre Schüler waren. Dann erscheinen mir die Schatten jener Dreizahl edler Geister, die mit sinnigem ■Ernst und inniger Theilnahme Schätze des Geistes spendend an der Wiege der Düsseldorfer Schule standen: Friedrich von TJechtritz, Schnaase und Immermann, nicht zu vergessen die alten Getreuen Mosler und Wintergerste Zuletzt, doch nicht der Letzte, jener edle Meister der Töne Felix Mendelssohn, den eigene Wahl und ein gütiges Geschick für immer zu einem idealen Genossen der Düsseldorfer Schule gemacht hat. Und nun gedenke ich aus vollem Herzen der Geburtsstätte unserer Düsseldorfer Schule, der lieben, von jeher kunstgesegneten Stadt an dem deutschen Strome, die uns, die Fremden, mit gastlicher Liebe aufgenommen, den Keim der Kunst, der ihrer Pflege anvertraut, mit sorgender Hand zum schattenden Baume erzogen hat. Wahr ist an ihr geworden, was Göthe so schön ausgesprochen: „Es ist vortheilhaft, den Genius bewirthen, giebst du ihm ein Gastgeschenk, so lässt er dir ein schöneres zurück." Dank und Gottes Segen für immer der geliebten Stadt, möge sie immer neu erblühen und wachsen in inniger Verbindung mit der vaterländischen Kunst in gegenseitigem Geben und Empfangen. Zusammenfassen möchte ich noch einmal alle in dankbarer Erinnerung, die hier in mannigfacher Weise gewirkt haben im Laufe jenes halben Jahrhunderts, dessen ich selber ein Zeuge geworden bin. Und wenn so manche Namen jenes ältesten Stammes uns heute fehlen, mögen wir um so dankbarer gedenken der Ueberlebenden, Abwesenden und Gegenwärtigen, deren Namen und Ehren in aller Munde, dass ich sie nicht zu nennen brauche, die ich in Nichts erreiche und nur an Jahren übertreffe! Was könnte ich Alles noch anführen, wovon das Herz mir übervoll ist, aus jener schönen Jugendzeit der Düsseldorfer Schule — doch es sei genug! So stehe ich mit der Festversammlung des heutigen Tages im Geiste an den Ufern eines stolzen und mächtigen Stromes deutscher Kunst, der von hier aus sich ergossen, wo ich vor mehr als 50 Jahren hier an seiner bescheidenen Quelle gestanden, damals ein Jüngling, jetzt ein Greis! Und mit Ihnen allen rufe ich den Segen des allmächtigen Gottes herab auf die neue Kunststätte, dass es ihr nie fehlen möge an treuen Priestern am Altare der Kunst, welche die Jugend leiten zum Dienst der höchsten Ideen der Menschheit. Das walte Gott! Julius Hübner, Dresden, am 16. October 1879. Aeltester der Düsseldorfer Schule. Die Kedner-Tribüne war an der östlichen Schmalseite des Saales gerade vor Rubens' gewaltiger Himmelfahrt Maria errichtet. Zu ihren beiden Seiten, der Festversammlung gegenüber, nahmen die Mitglieder des Curatoriums und des Lehrkörpers der Akademie Platz. Dieser östliche Theil der Aula war mit alten Gobelins, frischen Laub-Guirlanden, aus denen goidne Früchte hervorblitzten, funkelndem Geräthe und den Büsten des Kaisers und der Kaiserin malerisch wirksam ausgestattet und festlich geschmückt. 33 Die Herren und Damen des Gesang-Musik-Vereins, wie die Mitglieder des städtischen Orchesters, fanden ihre Sitze hinter der Versammlung, also auch den Rednern gegenüber, an der westlichen Schmalseite, ja, da der Raum nicht ausreichte, mussten einige von ihnen in dem dort angrenzenden Saale der Kupferstich-Sammlung sitzen. Unter der bewährten Leitung des Musikdirectors Tausch kamen Beethovens weihevolle Ouvertüre und desselben Meisters köstlicher Festchor aus den Ruinen von Athen („Schmückt die Altäre etc.") weihevoll und köstlich zur Wirkung. Die unsterblichen Klänge erfüllten Aller Seelen mit ernster, festlicher Stimmung. Zur Begrüssung der Ehrengäste nahm zuerst Professor H. Wislicenus das Wort. Er sprach: „Hochgebietende Herren! hochzuverehrende Damen und Herren! geehrteste Gäste! Wir heissen Sie alle auf das herzlichste willkommen und sprechen Ihnen allen unseren Dank dafür aus, dass Sie uns an diesem Tage der Einweihung des Neubaus unserer Akademie mit Ihrer Gegenwart beehren. Wenn der Einzug aus den alten in die neuen Bäume für uns, den akademischen Lehrkörper, auch zunächst keine anderen Polgen hat, als die stille Fortsetzung unserer bisherigen Thätigköit, so muthet uns der Eintritt in diese schönen Werkstätten doch an, wie ein Feiertag, der uns mit bedeutungsvollem Worte entgegentritt. Sie alle, geehrteste Gäste, werden es verstehen, mit welchen Gefühlen diese Wandlung von uns begrüsst worden ist: mit solchen Gefühlen, welche mich in diesem Augenblicke vor allem verpflichten, nächst dem Danke, welcher für allen irdischen Segen einer höheren Macht zu zollen ist, zuerst der Dankgefühle zu gedenken, welche der akademische Lehrkörper der Allerhöchsten Huld des Kaisers und Seiner Genehmigung zu dem so umfänglichen Wiederaufbau der Akademie schuldig ist. Da unsere verehrten Gäste schon durch ihre Anwesenheit bekunden, dass sie diesen Dank vollkommen mit uns theilen, so fordere ich Sie auf, demselben Ausdruck zu geben, indem Sie sich mit uns vereinigen, dem Grossherzigsten, Allergnädigsten Beschützer alles Guten und Schönen ein lautes Hoch darzubringen. Seine Majestät, unser allverehrter Herr und Kaiser Wilhelm, er lebe hoch!" Begeistert stimmte die Festversammlung natürlich in dieses Hoch ein. Dann fuhr Prof. Wislicenus fort: „Im Anschlüsse an diesen Dank dürfen wir nicht unterlassen, der unermüdlichen bisherigen Fürsorge des hohen Vorgängers Seiner Excellenz des gegenwärtigen Herrn Cultus- ministers, des vormaligen Herrn Staatsministers Falk mit dem Gefühle für alle Zeit bleibender Verpflichtung ehrerbietigst und dankend zu gedenken, und die Vermittlung dieses Dankes in die treu bewährte Hand des uns gebüebenen Herrn Decernenten zu legen. Unsere Hoffnungen aber für die neuen Zeiten, in welche wir jetzt eintreten, haben durch die für die Akademie so bedeutungsvolle Anwesenheit unserer gegenwärtigen Herren Minister die beste Grundlage gefunden; und so sehe ich mich mit dem ehrenvollen Auftrage beglückt, Eurer Exeellenzen Schutz und Fürsorge für die Zukunft dieses Hauses und unserer Thätigkeit in gehorsamster Ehrerbietung zu erbitten. Wir fühlen uns auf's höchste beglückt, die an unserer Akademie herrschenden Auschauungen Ew. Excellenzen selbst während der heutigen Feier ausdrücken zu können und begrüssen es daher als ein hohes Geschenk, dass Ew. Excellenzen dieser Feier Ihre Gegenwart zu Theil werden Hessen." 34 Hier erhob sich Se. Excellenz der Hex-r Cultusminister von Puttkamer und hielt ungefähr folgende Ansprache: 2 ) „Ich bitte um die Erlaubniss, mich an die Spitze derer stellen zu dürfen, welche der Akademie zu dem Feste ihres Einzuges in dies schöne Haus ihre Glückwünsche darbringen. Nicht als ob ich die Ansicht hegte, dass der Staatsbehörde hierzu ein besonderes • Vorrecht zustände. Meine Meinung ist, dass der Staat, wenn er Mittel für die Kunst hergiebt, damit nur eine Pflicht gegen sieh selbst und gegen das Cultur- leben der Nation erfüllt. Was er an materiellen Mitteln spendet, empfängt er doppelt an idealen Gütern zurück. Ich habe den Vortritt mir erbeten, weil ich das Glück habe, im Auftrage unseres Allergnädigsten Kaisers und Königs Seiner guten Stadt Düsseldorf Seine Grüsse und der Akademie Seine Glückwünsche zu überbringen. Was innerhalb der zwei Menschenalter ihres Bestehens die Akademie für die Belebung der Kunst und des Geschmackes geleistet und dem gesammten Culturleben an Kunstschätzen geschenkt hat, weiss unser erhabener Monarch wohl zu würdigen. Wir erkennen alle mit ehrfurchtsvollem Danke, welch lebhaften Antheil Seine Majestät an dem Kunstleben, den Leistungen und den Erfolgen der Akademie genommen, wie lebhaft Sein Bedauern über das Unglück, welches sie betroffen, gewesen ist; wir wissen auch, wie warm und grossherzig Seine Theilnahme an dem Wiedererstehen dieser edlen Pflanzstätte der Kunst aus der Asche war und wie aufrichtig Seine Freude am heutigen Tage ist." Der Herr Minister theilte sodann die Ordensverleihungen und Ernennungen mit, welche Se. Majestät der Kaiser aus Anlass des Festes einigen Mitgliedern und Freunden der Akademie zugewandt hatte. Professor Wittig erhielt den rothen Adler-Orden dritter Classe. Die Professoren von Gebhardt und Dächer erhielten die vierte Classe desselben Ordens; ebenso das Mitglied des Curatoriums, Herr Regierungs-Baurath Lieber. Professor Ittenbach und der Baumeister Riffart wurden mit dem Kronenorden vierter Classe bedacht. Der Schlachtenmaler Hunten erhielt den Professor-Titel. Zugleich publizirte der Herr Minister die Ernennung E. Forbergs zum Lehrer der Kupferstecher-Classe; und schliesslich forderte er die Versammlung auf, sich zum Andenken an den verstorbenen Professor Dr. W. Lotz von den Sitzen zu erheben. Nachdem dieses geschehen war, nahm Professor Wislicenus wieder das Wort, um dem Herrn Cultusminister für des Kaisers und seine Glückwünsche zu danken, und wandte sich dann, in seiner Begrüssungsrede fortfahrend, an den Herrn Oberpräsidenten der Rheinprovinz, Freiherrn von Bardeleben. Dieser antwortete, indem er die Glückwünsche der Rheinprovinz überbrachte, in folgendem Sinne und ungefähr auch mit folgenden Worten: 3 ) Seit den 60 Jahren des Bestehens der Akademie haben zunächst die Bewohner der Rheinprovinz die Bedeutung ihres Wirkens erfahren, deshalb hat sie den grössten Dank dieses Landes und seines Volkes verdient. Es ist jedoch nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, dass der Akademie der Dank des deutschen Volkes gebühre. Dadurch, dass die Akademie seit ihrer Gründung sich bestrebte, die deutsche Kunst aus ihrem Niedergang zu neuem Leben zu erwecken, hat sie dem Ruhmeskranze Deutschlands ein frisches Blatt hinzugefügt. Das darf ihr das ganze Vaterland nievergessen. Noch näher aber steht die Provinz zur Akademie. Wie die Pflanze aus dem sie umgebenden Boden Bestandtheile aufnimmt, so hat die Akademie aus dem rheinischen Lande und Leben Manches aufgenommen. Welch herrliche Motive hat ihr die Rheinlandsehaft und das frische und fröhliche Leben am Rhein geboten. Für 35 das, was die Akademie den i-heinischen Landen verdankt, hat sie ihnen herrliche Gegengaben gereicht. Aus dem Centrum geistigen Lebens ist aus zahlreichen Canälen ein befruchtender Strom in das Land ergangen. Im Kampfe gegen Materialismus und Philisterthum ist sie ein trefflicher Bundesgenosse gewesen. Wir in den Rheinlanden fühlen diesen Einfluss am Meisten, hier sind die Kunstwerke am verbreitetsteu, hier kommt der anregende Verkehr mit den Künstlern zur Geltung. Deshalb auch durchlief die ganzen Rheinlande ein lebhaftes Bedauern bei der Nachricht von dem Unglück, das die Akademie betroffen, deshalb begrüsste man jetzt die Kunde mit der grössten Freude, dass das neue Haus vollendet sei. So sei Seine Excellenz gekommen, der Akademie den Glückwunsch der Rhein- provinz darzubringen, dass der alte Geist der Akademie aus den Ruinen auch in das neue Haus einziehe, dass die Künstlerschaft weiterschaffe, sich zum Ruhme und zur Freude des Vaterlandes. Nachdem Professor Wislicenus dem Herrn Oberpräsidenten den Dank der Akademie ausgesprochen, wandte er sich mit folgenden Worten an die ehemaligen Herren Curatoren der Akademie: „Nicht minder sind wir erfreut und geehrt, am heutigen Tage auch die hochverehrten Herren hier zu begrüssen und ihnen unseren Dank darbringen zu dürfen, welche als ehemalige treue Curatoren unserer Akademie mit warmem Interesse für uns gewirkt und Freud und Leid mit uns getheilt haben. Die Akademie hat eine schwere und mühevolle Zeit zu durchleben gehabt, über welche ich mich indessen am heutigen Tage nicht verbreiten mag. Ich erwähne sie nur, um den Dank daran zu schliessen, welchen wir unseren Herren Curatoren für alle die Mühewaltungen, welche mit der Erreichung des heutigen Zieles verknüpft waren, in alle Zeiten hinaus schuldig bleiben. Den schönsten Lohn werden Sie selbst, meine Herren, in der bleibenden Erinnerung Ihres Mitwirkens für das bedeutungsvoll Erreichte haben." Seitens der ehemaligen Herren Curatoren antwortete Herr von Kühlwetter, der Oberpräsident der Provinz Westphalen, mit folgenden Worten: „Gestatten Sie auch mir, bei dem festlichen Act der Einweihung des neuen Akademiegebäudes der Kunstakademie und ihren Vertretern einen herzlichen Glückwunsch darzubringen. Ich fühle dazu in doppelter Beziehung den Beruf, einmal als Verwaltungschef der Provinz Westphalen, der in ihrem Namen eine Pflicht der Dankbarkeit erfüllt, und weiter, in den vielfachen und engen Beziehungen, in denen ich persönlich zur Düsseldorfer Kunstakademie gestanden habe. Westphalen betrachtet die zur deutschen Kunstschule ausgewachsene Kunstakademie zu Düsseldorf als eine mit der Rheinprovinz gemeinschaftliche Errungenschaft. Friedrich Wilhelm III. wollte den westlichen Provinzen, die damals noch von den andern Provinzen Preussens gänzlich getrennt lagen, in der Trias — der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn, der Kunstakademie zu Düsseldorf und der Polytechnischen Hochschule, jetzt zu Aachen — nationale Bildungsanstalten geben, welche in den unter dem langen Druck der Fremdherrschaft am tiefsten geschädigten Provinzen das fast abhanden gekommene deutsche Vaterland herstellen sollten, dessen Entwickelung im Schoosse der Zukunft lag. Das ist gelungen, die Einigung der deutschen Bruderstämme ist kein Traum der Zukunft mehr und dieselbe ist nicht zum kleinsten Theile der Bildung durch Kunst und Wissenschaft zu verdanken. 36 Als vor zehn Jahren die Kunstakademie ihr 50jähriges Jubiläum in grossartigster Weise feierte und Rückschau gehalten wurde auf die Vergangenheit der Anstalt, da durfte ich öffentlich constatiren, dass die Akademie die ihr von ihrem Königlichen Stifter gestellte Aufgabe mit glorreichem Erfolge gelöst habe. Sie hatte sich zu einer Kunstschule entwickelt, in des Wortes schönster und tiefster Bedeutung. Das gemeinsame Band der Künstler war die Liebe zur Kunst, deren Ziele stets unverrückt festgehalten wurden. Es war die deutsche Kunst, deren Banner von der Düsseldorfer Kunstschule stets hoch getragen wurde, treu der Signatur des Altmeisters Cornelius, der eine nationale Bildungsanstalt herzustellen berufen war und in der Kunst ,,dem deutschen Genius Bahn brechen wollte." Mit den herrlichsten Blüthen wechselten seit mehr als einem halben Jahrhundert die reichsten Früchte. Westphalen weiss, was es den Bestrebungen der Düsseldorfer Schule zu danken hat, vor Allem dem Sprössling der Akademie, der den Namen führt: „Kunstverein für Rheinland und Westphalen", wie denn auch die Polytechnische Hochschule die Rheinisch-Westphälische heisst. Westphalen empfindet daher mit ganzer Seele die Freuden des heutigen Tages, an dem die Akademie in ihr neues Heim einzieht, in die hohen Thore des herrlichen Neubaues, der, selbst ein Kunstwerk, würdig ist, die Kunst in seine glänzenden Räume aufzunehmen. Westphalen ruft Düsseldorfs Künstlern heute ein freundliches Glückauf zu. Möge der Geist, in welchem die Akademie gegründet' ward und sich zu schönster Blüthe entfaltete, mit einzieh'n in das neue Haus; dann ist ihre Zukunft gesichert für und für, zum eigenen Ruhm und zur Ehre des deutschen Vaterlandes!" Professor Wislicenus erwiederte dem Redner: „Dank Ihnen, Herr Oberpräsident Westphalens, als dem ersten Curatoren, dessen thatkräftigen Schutz und Fürsorge die Akademie unter dem gegenwärtigen Directorium zu erfahren hatte. Wir werden es nie vergessen, zu welchem Danke wir für alle Zeiten Ihrer damaligen Wirksamkeit verpflichtet bleiben." An dieser Stelle trat Herr Regierungs-Präsident von Hagemeister vor und hielt die folgende Ansprache: „Auch die Regierung zu Düsseldorf kann es sich nicht versagen, der Königlichen Kunst-Akademie an diesem für die Entwickelung der Anstalt bedeutungsvollen Tage ihre herzlichen Glückwünsche auszusprechen. Die amtlichen Beziehungen unseres Collegii zu der Königlichen Akademie beschränken sich zwar auf die äusseren Angelegenheiten der Anstalt. Gern und mit Freuden haben wir aber, so viel an uns war, an dem leiblichen Gedeihen des akademischen Körpers mitgewirkt, und insbesondere war es uns eine ehrenvolle Aufgabe, diesen stattlichen Bau ins Werk zu setzen, in welchem, so Gott will, eine Stätte neuen Ruhmes und neuer Ehren für die Pflege deutscher Kunst entstanden ist. Aber es besteht noch ein anderes, ich möchte sagen, ein unsichtbares Band, welches unser Collegium mit der Königlichen Akademie verbindet, ein Band, welches auf der Erkenntniss und Werthschätzung der Früchte Ihres akademischen und künstlerischen Wirkens beruht, auf der fruchtbaren und lebensvollen Wechselwirkung, welche besteht zwischen Ihrem Schaffen und dem gesammten Geistesleben der Nation. Wie Sie, meine Herren, die Impulse Ihres künstlerischen Schaffens empfangen aus dem warmen Pulsschlage unseres Volkslebens, aus der Eigenart unseres Landes, aus dem, was den Ruhm und die Grösse des Vaterlandes ausmacht in Vergangenheit, 37 Gegenwart und Zukunft, so empfängt wiederum die Nation aus den Meisterwerken der Kunst eine mächtige Anregung zu dem, was unser Erdenleben veredelt, und uns emporhebt zu den idealen und ewigen Zielpunkten unseres Lebens. In einem Landestheile aber, welchen ich als einen der industriereichsten im gesammten Vaterlande bezeichnen darf, in einem Bezirke, wo unter und über der Erde die werbende Arbeit Aller Hände in steter Bewegung hält, den Geist und Sinn fesselt an das Ringen nach äusserem Erwerb, in einem solchen Bezirke empfinden wir um so dankbarer den Segen künstlerischen Schaffens, die erwärmende, veredelnde Wirkung der Lichtstrahlen, welche von hier aus hinausgesandt werden in die Werkstätten materieller Arbeit, wach zu erhalten in unserem Volke den Sinn für das Edle und ewig Schöne. Mir persönlich aber gereicht os zur besonderen Genugthuung, mit der Königlichen Kunst-Akademie mich noch durch eine engere Beziehung verbunden zu wissen als Vorsitzender des Curatoriums, welches ebenfalls hier erschienen ist, seiner wärmsten Theilnahme Ausdruck zu leihen. Gern hat das Curatorium dazu mitgewirkt als Organ des Herrn Ministers, dessen wohlwollende Absichten für das Gedeihen der Akademie in's Werk zu setzen. Empfangen Sie, Herr Professor, und Sie alle, meine Herren vom akademischen Lehrkörper, die Glückwünsche der beiden von mir vertretenen Collegien. Möge dieser stattliche Bau, welcher ein monumentales Zeugniss ist von der warmen Theilnahme unseres Königs und Kaisers für die deutsche Kunst, eine Stätte der Ehre werden für die Königliche Kunstakademie, eine fruchtbare Pflanzstätte der Liebe zum Vaterlande und eine feste Burg königstreuer Gesinnung. Das walte Gott!" Herrn Regierungs-Präsidenten von Hagemeister dankte Professor Wislicenus mit folgenden Worten: „Dank unserer Königlichen Regierung, unsrem gegenwärtigen Curatorium, für die uns aus dem Munde Ihres und unseres Vorgesetzten zu Theil gewordene herzliche und bedeutungsvolle Begrüssung. Nächst dem hervorragenden Anspruch, welchen unsere hochzuverehrende Regierung auf den Dank der Akademie hat und welchen wir aus wärmstem Herzen darbringen, können wir nicht unterlassen, es auszusprechen, welch grossen Werth wir auch ausser der Fürsorge für unser leibliches Wohl auf die geistige Betheiligung legen, mit welcher Sie den Schritten unsrer Wirksamkeit zu folgen gewohnt sind. Je öfter Sie uns in diesen schönen Räumen, welche wir ebensowohl Ihrer Fürsorge, wie der verständnissvollen Gestaltung des Herrn Architekten, verdanken, mit Ihrer Gegenwart beehren werden, um so gewisser dürfen Sie einer solchen auch von uns gewünschten Wechselwirkung sein/' ' Der Redner wandte sich sodann wieder an die Versammlung, begrüsste die übrigen anwesenden Gäste und fuhr insbesondere folgendermassen fort: „Ich begrüsse die Hochschule von Bonn, das Polyteehnicum von Aachen, die Schulanstalten der Stadt, die städtische Behörde, die übrigen Freunde der Künste und zum Schlüsse, wie man die nächsten Angehörigen zuletzt begrüsst, dafür aber mit dem Pulsschlage des verwandten Blutes, diejenigen unserer geehrtesten Gäste, über deren Anwesenheit wir doppelt erfreut sind, weil wir frühere Lehrer und Mitwirkende an unserer Anstalt in ihnen verehren. Leider haben wir zu bedauern, dass eine Anzahl von eingeladenen ehemaligen Mitgliedern und Genossen der Akademie uns nur aus der Ferne begrüssen konnten: die Herren Lessing und Gude von Karlsruhe, Bossmann, Giese und Hübner von Dresden und Mücke von hier. ____ 38 ___ Nächstdera begrüsse ich mit herzlichstem Willkommen unseres Collegiums die ausserakademische Künstlerschaft Düsseldorfs, deren mächtiger Einfluss auf die Fruchtbarkeit der Akademie sie mit und wider Willen zu den Unsrigen macht. Auch seien uns willkommen die Herren des Kunstvereins und unserer Ausstellungen, deren Geschichte sich vielgestaltig verknüpft hat mit der unserer akademischen Anstalt. Sie werden unsern, wie wir ihren Segen sicherlich von ganzem Herzen wünschen und wir vertrauen, nach wie vor uns nicht nur im Geiste, sondern auch in der Materie freundschaftlich zu begegnen. Diese letztere Bemerkung sei dem Künstler erlaubt, denn worin anders verkörpert sich für uns der Geist, als in der schönen Stoffwelt der Natur, die sich in Form und Farbe offenbart. Doch nicht nur Schönheit, sondern auch Wahrheit sei der Wahlspruch, der auf unserm Banner steht, und eine Wahrheit zwar, die zum Geist und zum Gemüthe spricht. Möge die junge Künstlerwelt mehr und mehr wieder unter diesem Motto in die schöpferische Thätigkeit der verschiedenen Kunstbereiche eintreten und sich. im Schaffen dessen bewusst werden, dass Ideal und Wirklichkeit in den Sphären der Kunst sich die Hände reichen. Manche Stimmen sind in unseren Tagen schon laut geworden über die Leere der Gedanken in unseren heutigen Bestrebungen, die unter der Jagd nach Technik unvermerkt eingeschlichen sei. Diese Stimmen sind der Ausdruck der geistigen Natur unseres Volkscharakters, welcher auf die Dauer durch blosse Virtuositäten ohne oder mit fragwürdigem Inhalt nicht zu befriedigen sein würde. Sie sind ein wohl zu beherzigendes Symptom und tröstlich für die Wünsche unseres heutigen Lehrkörpers, nicht minder tröstlich und erfreulich, als der allgemeine Trieb nach technischem Können unter Voraussetzung des innern Capitals. Vielgestaltig, gleich einem Proteus, zeigt die heutige Zeit kaum eine Kunstanstalt, in welcher sich nicht grosse Gegensätze begegnen. Diese Gegensätze sind ja ohne Kampf nicht denkbar und er ist nun einmal, horribile dictu, eines der vornehmsten Symptome alles irdischen gestaltenden Lebens. Aber, meine Herren! wir wollen ihn, der am wenigsten dem friedlichen Bereiche der Künste angemessen erscheint, soweit er nicht zu vermeiden ist, nach dem erhebenden Vorbilde zu führen suchen, welches uns der Geist unseres Heeres im Felde geboten hat. Wir wollen uns als Brüder, als Deutsche fühlen, welchem Regimeute oder welchem Staate wir auch angehören, wir wollen durch Vereinigung aller werthvollen Elemente unseres vaterländischen Bodens in dem Sinne zu erstarken suchen, dass wir uns ehrenvoll behaupten in der Concurrenz mit den übrigen Nationen. Und um dies zu vermögen, dürfen wir vor Allem das Heiligste,' unsern nationalen Schatz, auch in der Kunst nicht verlieren, den deutschen Geist und das deutsche Herz." Nachdem Professor Wislicenus diese Rede beendet, sprach zunächst der derzeitige Rector der Universität Bonn, Herr Professor Dr. von Hanstein. Der Wortlaut seiner Rede ist der folgende: „Im Namen der Universität Bonn, welche ich zur Zeit vertrete, habe ich die Ehre, der Düsseldorfer Kunstakademie zur Weihe ihres neuen Hauses die theilneh- mendsten Glückwünsche derselben zu überbringen. Die hohen Schulen zu Düsseldorf und Bonn haben sich die eine auf dem Gebiete der Kunst, die andere auf dem Gebiete der Wissenschaft, als echte Zwillingsschwestern in schwesterlichem Wetteifer in unserm schönen Rheinlande nebeneinander entwickelt. Wie natürlich, dass die eine die wärmste Theilnahme für Alles empfindet, was die andere trifft! 39 Kunst und Wissenschaft sind die besten und werthvollsten Besitzthümer einer Nation. Gewaltige Kriegsthaten können die Macht, den Euhm und Glanz eines Volkes mehren, die wahre innere Grösse desselben zeigt sich nur in seiner geistigen Leistung, darin, wie eine Nation Kunst und Wissenschaft pflegt. Es war stets der Ruhm der deutschen Nation, auf diesem Gebiete kräftig voran zu schreiten, und das Höchste zu erstreben, nicht selten zu erreichen; auf dem Gebiete der Kunst mit Enthusiasmus das Schöne zu pflegen, auf dem der Wissenschaft mit Energie das Wahre zu suchen. Wenn Handel, Gewerbe und Ackerbau am Baume nationaler Entwickelung, so zu sagen, die Wurzeln und Blätter, die Ernährungs - Organe sind, so sind Kunst und Wissenschaft seine höchste Sprosse, seine edelsten Blüthen. Diese zu pflegen, ist mithin Jedermanns ernsteste Pflicht, der sieh irgend dazu berufen fühlt. Wer denn daran mitarbeitet, muss die grösste Freude empfinden über jedes neue Förderniss, das diesen geistigen Arbeiten gewährt wird. Auch wir in Bonn wissen davon zu sagen. Auch wir verdanken der weisen Fürsorge der Staatsregierung neue schöne Bauten, und empfinden es, wie im neuen Hause die Arbeit alsbald wieder frischer von Statten geht und Alles um so fröhlicher gedeiht. So ist es natürlich, dass gerade die rheinische Universität ihrer nächsten Schwester, der rheinischen Kunstakademie zum neuen Hause in aufrichtigster Theilnahme Glück wünscht. Möge sich die Thätigkeit derselben darin zu immer reicherer Blüthe entfalten!" Dem Vertreter der Universität Bonn antwortete Professor Wislicenus: „Die erfreulichen und für uns bedeutungsvollen Grüsse, welche Sie uns aus der nachbarlichen Hochschule entgegenbringen, beehre ich mich mit dem lebhaftesten Danke der Akademie zu erwiedern und Ihnen dabei auszusprechen, wie sehr Sie unserem Herzensbedtirfniss mit Ihrer Theilnahme entgegenkommen, wenn Sie in dem Höchsten, worauf alle Wissenschaften und Künste abzielen, in der Pflege der idealen Güter der Menschheit, als Gesinnungsgenossen uns die Hände zu reichen gewillt sind. Der uner- lässliche Zusammenhang mit dem Reiche der Wissenschaft ist zu allen Zeiten einer der festesten Pfeiler gewesen, welcher die Kunst vor dem Niedersinken in das Inhaltlose behütet hat. Die Akademie ist sich dieser wichtigen Verbrüderung im höchsten geistigen Sinne genugsam bewusst, um sich derselben am heutigen Tage auf das Innigste zu erfreuen und ihrer mahnenden Bedeutung für alle Zeiten eingedenk zu bleiben." Hierauf hielt Herr Gymnasialdirector Dr. Kiesel die folgende Ansprache: „Der Königlichen Kunst-Akademie habe ich die Ehre zu dem für sie bedeutungsvollen Feste, Namens der hiesigen höheren Schulen, des Gymnasiums, dem ich angehöre, und der Realschule, der höheren Bürgerschule und der Luisenschule, deren Vorsteher mir diesfälligen Auftrag gegeben haben, angelegentlichen Glückwunsch darzubringen und die Gefühle einer freudigen Theilnahme auszusprechen. Wenn wir die Königliche Kunst-Akademie in die ihr durch freigebige Fürsorge der Königlichen Staatsregierung bereitete Wohnung einziehen sehen, haben wir Lehrer wissenschaftlicher Schulen uns nicht allein über die Lehrern und Schülern der Kunst gewordene Förderung zu freuen, sondern vergegenwärtigen uns dankbar die Vortheüe, die uns dadurch, dass wir in derselben Stadt unsern Wirkungskreis haben, zufliessen. Wenn weithin, nicht über die Länder unseres Erdtheils, sondern über das Weltmeer 40 hinüber, mit dem Ruhm der hier gepflegten Kunst, auch der Ruhm der Schule, die ihre Mutter ist, sich verbreitet, so gemessen die hier Lebenden den Vorzug, Zeugen der Thätigkeit sein zu können, die draussen erst in ihren Erzeugnissen erkannt und bewundert werden kann. Dadurch erfüllt sich die Sphäre unseres Lebens mit Bildern einer Welt, zu welcher die Kunst einen Schlüssel besitzt, einer "Welt, wo sich die Dinge, die uns umgeben, befreit von der durch die Wirklichkeit erlittenen Trübung wiederfinden. Da aber Alle, welche auf Andere bildend einzuwirken berufen sind, für die Ahnung dieser Welt den Sinn zu öffnen bemüht sein müssen, gewährt uns Lehrern die uns vergönnte Anschauung künstlerischen Bildes eine stete Mahnung an ein über zahlreichen kleinen Forderungen des Tages nicht zu vergessendes grosses Ziel, durch dessen Verfolgung wir uns auch ausserhalb des Reiches der Kunst mit künstlerischem Geiste zu nähren, zu einem Antheil an künstlerischem Streben zu erheben vermögen. In dem Masse, wie uns dies gelingt, adelt sich unsere dem edelsten Stoffe gewidmete Arbeit durch Eingehen auf jenes der Kunstübuug eigene Verfahren, das sinnend und suchend, nie befriedigt und nie ermüdet, sich den höchsten Vorbildern langsam aber stetig nähert. Da nun in dieser Weise, meine Herren, wir Lehrer von Ihnen den Lehrern der Akademie und den Pflegern der im Schutze der Akademie erblühten und gedeihenden Kunst, zu lernen Willens sind, theilen wir um so mehr all das am heutigen Tage in Ihrem Kreise sieh regende Wünschen und Hoffen. Wir wünschen und hoffen mit Ihnen, dass auf dem Heerde dieses stattliehen Hauses unauslöschlich die Flamme reiner und ächter Begeisterung lodere, um in weite Kreise Licht und Wärme zu verbreiten und die Kunde einer das Leben erhellenden und läuternden Kunst zu senden.'' Nachdem Prof. Wislicenus dem Redner mit warmen Worten gedankt hatte, trat Herr Oberbürgermeister Becker vor und sagte: „Hochverehrte Festversammlung! Uns, den Vertretern der Stadt Düsseldorf ist es vor allen Andern ein lebhaftes Bedürfniss, den Gefühlen aufrichtiger Freude Ausdruck zu geben, welche heute die Einwohnerschaft bewegt. Wird doch durch dies stattliche Akademiegebäude, welches heute der Benutzung übergeben wird, die Stadt nicht bloss um eine neue äussere Zierde bereichert, sondern auch der Kunst, dieser vielgeliebten Göttin, welche über unserer Stadt thront, eine neue, ihrer würdige Stätte bereitet! Auch eine neue Kunsthalle ist Dank der Muni- ficenz der Staatsregierung im Bau begriffen und in der alten Akademie ein passender Raum für die zu errichtende gewerbliche Fachschule gefunden. Und so scheinen die äusseren Erfordernisse für die Zukunft gegeben, welche sowohl der Jünger der Kunst zu seinem geistigen Fluge, als auch der Handwerker braucht, um sich diejenigen technischen Kenntnisse zu erwerben, welche ihn befähigen, der Kunst zu dienen. Allein die Kunsthalle muss, soll sie wirklich, wie es ihr Zweck ist, zum Studium und zur Anregung für den Künstler dienen und so den unersetzlichen Verlust unserer alten Galerie auch nur einigermassen auszugleichen geeignet sein, mit guten Gemälden gefüllt, die Kunstgewerbeschule, sie muss mit guten Lehrmitteln ausgestattet und mit tüchtigen Lehrkräften besetzt werden. Und dazu bedürfen wir wiederum der Unterstützung der Königlichen Staatsregierung. 41 Zwei Königliche Staatsminister haben durch ihr Erscheinen bei dieser feierlichen Gelegenheit bewiesen, welches Interesse sie für die hiesige Kunstschule hegen. Je dankbarer wir dafür Euern Excellenzen auch von Stadt wegen sind, um so weniger konnte ich es mir bei dieser Gelegenheit versagen, Euer Excellenzen Interesse auch für die beiden Kunstinstitute zu erbitten, welche wir im Begriff stehen, mit Unterstützung der Königlichen Staatsregierung ins Leben zu rufen. Das Interesse des Herrn Finanzministers wird dabei kaum von geringerer Wichtigkeit für die Anstalten sein, als das des Herrn Cultusministers, von welchem die Anstalten ressortiren. Vollbewusst, welche ständige Anregung und geistige Nahrung wir der Kunst schulden, wie sie es wesentlich ist, die unserer Stadt den eigenartigen Charakter gegeben Hat, der sie so anziehend macht, sind wir von dem lebhaften Wunsche durchdrungen, dass Düsseldorf stets die Stätte eines blühenden Kunstlebens bleiben möge, wie bisher. Möge denn dazu auch dies stattliche Gebäude in hohem Masse beitragen, welches heute seiner Benutzung übergeben wird. Das walte Gott!" In seinen Dankesworten legte Prof. Wislicenus natürlich auch der Stadt Düsseldorf die Interessen der Anstalt, denen sie stets entgegengekommen ist, nochmals ans Herz; und dann hielt, als letzte dieser Begrüssungsreden, Prof. B. Jordan im Namen der Düsseldorfer Künstlerschaft, die folgende Ansprache: „Von Seiten des Künstler-Vereins Malkasten und des Künstler-Unterstützungs- Vereins ist mir der ehrenvolle Auftrag zu Theil geworden, die Glückwünsche derselben zur Feier der Einweihung des neuen Akademie-Gebäudes auszusprechen. Möge aus der alten Akademie, dem berühmten, denkwürdigen Schlosse, der Geist von Cornelius und Schadow miteinziehen in das neue Haus und dort heimisch bleiben durch das treffliche Wirken so bewährter Lehrer und möge die Zukunft der neuen Akademie sich des wohlwollenden Schutzes Seiner Excellenz des Herrn Cultusministers zu erfreuen haben. Gott segne den Einzug in das neue Akademie-Gebäude — möge dasselbe bleiben eine Stätte der wahren Kunst!" Ihm antwortete Prof. Wislicenus: „Die warme, wohlgemeinte Begrüssung, welche uns soeben aus dem Munde eines der gefeiertsten Mitglieder der ausserakademischen Künstlerschaft entgegengebracht wird, aus dem Munde eines Künstlers, dessen Erlebnisse Düsseldorfs ganze Kunstgeschichte lebendig in sich einschliessen, ist uns ein so bedeutendes und werth- volles Zeichen der Freundschaft der ganzen Kunst-Corporation, welche heute durch ihn vertreten wird und zu welcher wir uns alle als Kunstgenossen rechnen zu dürfen die Ehre haben, dass wir Ihnen nichts Anderes erwiedern können, als das: Wh- wissen alle recht wohl, dass das, was hier an der Akademie erstrebt und erreicht worden ist und in Zukunft erreicht werden wird, zu einem nachweisbaren Theile ausserhalb der Mauern unserer Arbeitsstätten seine Anregung gefunden hat und fernerhin finden wird. Aber das ist eben das Erfreuliche; wären wir uns nicht freundschaftlich gesinnt, wir könnten uns allenfalls gelegentlich bekämpfen; aber nützen müssten wir uns doch und diese Thatsache ist gewiss dazu angethan, dass wir uns nach wie vor die Hände reichen zu' jeder freundschaftlichen Hülfe und Förderung." 42 Mit diesen Worten hatte der Theil des Festprogramms, welcher als „Etwaige Ansprachen und deren Beantwortung" bezeichnet worden, seine Erledigung gefunden. Nur eine kurze Pause trat ein; dann bestieg Prof. Woermann, den das Vertrauen seiner Collegen zum eigentlichen Festredner berufen hatte, die Tribüne und hielt die folgende Rede. *) Hochverehrte Festgenossen! „Furchtbar wird die Himmelskraft, Wenn sie der Fessel sieh entrafft, Einhertritt auf der eignen Spur, Die freie Tochter der Natur." Wh- haben es erlebt. Es war eine furchtbare Nacht, jene Prühlingsnacht des Jahres 1872, als der Angstruf ,,die Akademie brennt!" durch die friedlichen Strassen unserer Stadt schallte, als die hellen Flammen, über dem Dache der ehrwürdigen Stätte ernster Kunstpflege zusammenschlagend, sich unheimlich in den dunklen Fluten unseres Rheinstroms wiederspiegelten. Wer helfen konnte, half. Aber menschliche Hülfe kam zu spät. In Schutt und Trümmer sank der alte Bau, der freilich erst durch die Arbeit verschiedener Jahrhunderte für seinen hehren Zweck zurechtgestuzt, aber durch hundert Erinnerungen und Sagen geheiligt war und sich als Werkstatt köstlicher Kunstschöpfungen bewährt hatte. In Staub und Asche zerfielen mit ihm eine Reihe herrlicher Werke, vollendeter und unvollendeter, die Früchte jahrelangen Fleisses. Mit dem Rauche in die Nachtluft verwehte manche süsse und stolze Hoffnung manches edlen Meisters. Ein Tag voll halb verzweifelnder Schaffenslust folgte auf die von Flammen durchloderte Schreckensnacht. Aber in unserem gerade damals nach siegreichen Kämpfen neuverjüngten Staate konnten solche Stimmungen auch nur einen Tag anhalten. Rasch kehrte neuer Lebensmuth zurück. Ueberall wurde geplant und gearbeitet. Was sich ersetzen Hess, wurde freigebig und opferwillig ersetzt. Einem ausgezeichneten jungen Meister wurde der Neubau an diesem schönen Platze anvertraut. Rastlos wurde gebaut. Noch keine acht Jahre sind über unsere Häupter dahingegangen, und schon beziehn wir die neuen, zweckmässig und köstlich bereiteten Räume des Prachtbaus, welcher stolz hinausschaut über den grünen Strom und das grüne Land: ein leuchtendes Kennzeichen der Fürsorge, welche unsere Staatsregierung den Künsten des Friedens zuwendet, ein glänzendes Wahrzeichen der Bedeutung unserer schönen Rheinstadt als einer der ersten Kunststädte des Reiches; uns Allen aber, die wir lehrend oder lernend in ihm arbeiten wollen, ein gutes Vorzeichen neuen und fröhlichen Aufblühens der Künste, denen wir unser Leben geweiht haben. Ja! Das neue Haus ist vollendet. In seinen Sälen durchweht uns Alle, wie frische Morgenluft, das Gefühl erneuter Schaffenslust; aber uns durchdringt in ihm zugleich mit erneuter Wucht die Empfindung des Ernstes der Aufgaben, denen wir dienen, das Bewusstsein der Verantwortlichkeit für ein echtes Gedeihen echter Kunst an dieser Stätte. Dieses prächtige neue Haus ist doch nur die äussere Hülle der Düsseldorfer Kunstakademie. Die Träger ihres Wesens sind wir, ihre Verwalter, ihre Lehrer, ihre Schüler. In uns selbst einzukehren, nachdem wir eingekehrt sind in das neue Haus, ist uns Pflicht und Bedürfhiss. Sie haben mich beauftragt, meine verehrten Herren Collegen, bei dieser feierlichen Gelegenheit das Wort zu ergreifen. Ich weiss, es ist Ihr Wunsch, dass ich es in diesem Sinne thue. Ich hoffe, es möge mir gelingen, es in Ihrem Geiste zu thun. 43 „Akademisch", so etwa hat man uns gelehrt, „nennt man eine Kunstrichtung, welche leer und geistlos, ohne Wahrheit und eigenes Leben, schablonenhaften Traditionen folgt." Was würde Plato, der ureigene Geist, gesagt haben, wenn er hätte ahnen können, dass man mit dem seiner Schule — aus zufälligen Gründen — zuerst gegebenen Beiworte nach zweitausend Jahren einen solchen Missbrauch treiben würde! Was würden die edlen Männer Italiens, welche im fünfzehnten Jahrhundert ihre freien gelehrten Vereinigungen zuerst wieder Akademien tauften, weil sie, als kühne Neuerer, damit andeuten wollten, dass sie mit den scholastischen Ueberlieferungen des Mittelalters, dessen missverstandener Hort Aristoteles war, ein für alle Mal gebrochen hatten, was würden die Pontano, Ficino, Mirandola und Poliziano dazu sagen, wenn sie hören könnten, welche Nebenbedeutung der Ausdruck „akademisch" im neunzehnten Jahrhundert erhalten hatte! Aber das waren Akademien im Sinne philosophischer und rhetorischer Gesellschaften. Nur in Bezug auf Kunstakademien hat das Beiwort „akademisch" jenen tadelnden Sinn erhalten. Nur mit Kunstakademien aber, ja, auch mit diesen nur in ihrer Bedeutung als Kunstschulen haben wir es heute an dieser Stätte zu thun. Gerade die Akademien im Sinne unserer Akademie sollte jener Tadel treffen. Diese entstanden aber erst zweihundert Jahre später, als jene gelehrten Gesellschaften. Sie entstanden, als die alte handwerksmässige Erlernung der Kunst in der Werkstatt des Meisters, welcher Lehrlinge und Gesellen bildete, weil er ihrer bedurfte, wenigstens in der alten Form sich überlebt hatte. Sie enstanden, als auch die Zeit, in welcher die ganz grossen Geister, wie Ldonardo da Vinci, die Lehrthätigkeit für einen wichtigen Theil ihres künstlerischen Lebensberufes gehalten hatten, vorüber war und die Meister anfingen, nur ihrem eigenen Ruhme und ihrem eigenen Reichthume nachzujagen. Lionardo's eigene „Akademie" in Mailand war mehr noch eine wissenschaftliche Gesellschaft jener älteren Art. Die Gründer der ersten eigentlichen Kunstschule waren Ludovico, Agostino und Annibale Caracci, deren „accademia degli incamminati" gegen Ende des sechzehnten Jahrhunderts in Bologna eröffnet wurde. Jener tadelnden Nebenbedeutung des Ausdruckes „akademisch" gegenüber muss aber sofort mit Nachdruck hervorgehoben werden, dass diese erste Kunstakademie im bewusstesten Gegensatze zum damals herrschenden Modemanirismus die Regeneration der Kunst durch das Studium der Natur und der grossen alten Meister zu ihrer Losung gemacht hatte. Ihre Vertreter wurden von den Anhängern des hergebrachten Schlendrians als Umsturzpartei gebrandmarkt, obgleich in ihren allzu eklektischen Bestrebungen vielleicht schon die Keime neuen Schablonenthumes lagen. Dasselbe wiederholte sich, als seit der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts der dotirende und reglementirende Staat die Kunstakademien unter seine Fittige nahm, als den heutigen ähnliche Kunstakademien zuerst 1648 in Paris, ferner z. B. 1694 in Berlin, 1697 in Dresden, 1726 in Wien 5 ) und zuletzt 1767 in Düsseldorf gegründet wurden. Fast überall stiessen sie bei ihrer Gründung auf lebhaften Widerstand seitens der altmodischen und handwerksmässigen Künstlerkreise. Ihre Einführung wurde als kecker Eingriff in verjährte Rechte angesehen. In Wien, wie in Paris, fochten die Zünfte einen erbitterten Kampf gegen die akademische Freiheit; und was sie gegen die Akademien vorbrachten, war — wohlgemerkt! — so ziemlich das Gegen- theil von dem, was hundert und hundertundfünfzig Jahre später die Männer, welche die akademische Kunstbildung verspotteten, ihnen in's Gesicht sagten. Die Kunst- 44 akademien betraten als Vertreterinnen der Freiheit und Würde der Kunst das Feld, welches sie siegreich behaupteten. Und doch waren es gerade diese Kunstakademien, denen aus der Sturm- und Drang-Periode des vorigen Jahrhunderts ihre neuen Gegner in Gestalt jener Künstler erwuchsen, die wir als die Begründer der neuen deutschen Kunst verehren. Schon in den Kreisen von Carstens, Schick, Koch, Thorvaldsen wurden die Kunstakademien als die Verderberinnen jeder Kunst bezeichnet; und dass der deutsch-römische Kreis, an dessen Spitze Friedrich Oberbeck stand, nicht milder von den Kunstakademien dachte, ist selbstverständlich; denn die quasi Ausweisung Overbeclc's und seiner drei Freunde aus der Wiener Akademie im Jahre 1810 (weil die jungen Leute sich „in eigenen Compositionen versucht hatten") 6 ) bezeichnet ja recht eigentlich den Bruch der neudeutschen Kunst mit der altakademischen Richtung. Das Blatt hatte sich vollständig gewendet. Im Namen der Freiheit und Würde der Kunst erklärten die feurigen jungen Meister den Kunstakademien den Krieg. Jetzt wurden schlechte, abgestandene Kunstrichtungen akademisch genannt. Sogar in die Wörterbücher ging diese Ausdrucksweise über. Sie ist uns bis auf den heutigen Tag geläufig geblieben; und sie veranlasst noch heute manches strebsame junge Talent, im Namen einer vermeintlich grösseren Freiheit der Kunst seine Ausbildung lieber im Atelier eines „unabhängigen" Meisters zu suchen, als sich aller Hülfsmittel zur Erlangung einer allseitigen künstlerischen Erziehung zu bedienen, mit welchen der moderne Staat seine modernen Kunstakademien ausgestattet hat. Drei Fragen drängen sich diesen Thatsachen gegenüber unserer Betrachtung auf. Zunächst: Verdienten die Kunstakademien des vorigen Jahrhunderts den Bann, der sie getroffen? Sodann: Wie verhalten unsere jetzigen Kunstakademien sich zu jenen alten? Endlieh: Welche Stellung haben die Kunstakademien zu den Kunstströmungen der Gegenwart einzunehmen? Nun, die erste dieser Fragen scheint leicht zu beantworten. Das deutsche Volk hat jenen Männern längst Recht gegeben, welche den Akademien in ihrer alten Gestalt das Todesurteil sprachen. Wollen Sie dieses Urteil sofort zu dem Ihrigen machen, so schauen Sie nur empor zu einigen Bildern von Meistern und Schülern der ehemaligen Düsseldorfer Akademie, welche den oberen Theil der Wände dieses Saales einnehmen und vergleichen Sie dieselben mit Rubens' herrlicher Himmelfahrt der Maria, vor welcher ich stehe. An den Früchten muss man sie doch erkennen. Und dennoch! Forschen wir nach den Gründen, welche den Verfall der Kunst im vorigen Jahrhundert herbeiriefen, so wäre es vielleicht ungerecht, den alten Akademien und ihren Einrichtungen allein die Schuld zuschieben zu wollen. Die Geschichte unserer Kunstakademien zeigt, dass, wie sie im Namen der Freiheit der Kunst gegründet wurden, so auch noch im vorigen Jahrhundert edeldenkende und kunstliebende Staatsmänner für ihre zweckmässige Einrichtung eintraten, soweit es in ihrer Macht und im Geiste des Jahrhunderts lag. Die Akademien befürworteten den Abfall der Kunst von der Natur sicher nicht. Dass das Studium nach dem lebenden Modell nicht vernachlässigt wurde, ist selbstverständlich. Aber gerade der Wiener Akademie, an welcher sich jener Bruch Overbeck's und der Seinen mit der Zopfkunst vollzog, wurde aucli schon im Jahre 1735, noch ehe ein eigener Lehrstuhl für Anatomie an der Wiener Universität errichtet worden war, der Leichnam eines Gehängten zum anatomischen Studium überliefert; und der Professor der Landschaftsmalerei pflegte, durch einen ministeriellen Erlaubnisspass geschützt, mit allen seinen Schülern Studienausflüge in's 45 Freie zu machen. Die Misserfolge der alten Kunstakademien, welche freilich offen vorliegen in den Blättern der Geschichte, waren ebensowohl die Misserfolge des Gesammt- geistet des Zopf- und Perrücken-Jahrhunderts, als der akademischen Institutionen. Dem Geiste des Jahrhunderts entsprangen und entsprachen die falsche Lehrmethode, welche keine lebendige Wechselwirkung zwischen Meister und Schüler zuliess, der Regelzwang, welcher jede selbständige Eegung unterjochte, und das Vorurteil, als sei Alles durch Dressur zu erreichen. Neue Geister mussten erst wieder geboren werden, ehe die alten Hallen ein neuer Geist durchwehen konnte. Woher sollten denn aber die Akademien geist- und talentvolle Lehrer und Schüler nehmen, wenn überhaupt keine geist- und talentvollen Künstler geboren wurden? Diejenigen Zopfkünstler, welche wir heute wieder verehren, standen in der Regel auch mit den Akademien in Verbindung. Chodowiecki wurde Director der Berliner Akademie, obgleich er Autodidakt war. Sei dem, wie ihm sei. Dass die Künste gegen Ende des vorigen Jahrhunderts einer gründlichen Regeneration bedurften und dass diese nicht von den Akademien in ihrer damaligen Beschaffenheit, sondern nur von jungen selbstschöpferischen Geistern ausgehen konnte, wird Niemand in Abrede stellen. Zu unserem Glücke wurden gerade in Deutschland solche Geister geboren. Wie Lessing über die verknöcherte Wissenschaft eines Klotz und Goeze seine Geissei schwang, so zogen Künstler, wie Carstens und Thorvaldsen, Overbeck und Cornelius gegen die verknöcherte Kunst der damaligen Akademien zu Felde. Der Bruch war ein vollständiger. Mit dem akademischen Schlendrian warfen die genialen Neuerer zugleich als „akademisch" die ganze malerische Technik des vorigen Jahrhunderts über Bord, jene malerische Technik, in welcher doch noch genug Reste der grossen Errungenschaften des fünfzehnten, des sechzehnten und vor allen Dingen des siebzehnten Jahrhunderts erhalten waren, als dass ihr Verlust die Kunst nicht zunächst nach dieser Seite hin schwer hätte schädigen sollen. Goethe empfand damals richtig, wenn er ohne Uebelwollen sagte: ,,Der Fall tritt in der Kunstgeschichte zum ersten Male ein, dass bedeutende Talente Lust haben, sich rückwärts zu bilden, in den Schooss der Mutter zurückzukehren und so eine neue Kunstepoche zu begründen." Aber dieser vollständige Bruch war nothwendig. Heutzutage, nachdem unser Jahrhundert sich in jahrzehntelangem mühsamen Ringen jene malerische Technik zurückerobert hat, deren Inbegriff nichts weiter ist, als die Fähigkeit, die Welt der Erscheinungen in Formen und Farben, so wie sie aussieht, auf die Fläche zu bannen, deren Bedeutung aber die einer Vorbedingung der Erreichung mancher der höchsten Ziele der Malerei ist, heutzutage dürfen und müssen wir diese Notwendigkeit doppelt dankbar anerkennen. Der vollständige Bruch der jungaufstrebenden Generation mit den Akademien bedeutete ja auch nicht mehr, als ihr Bruch mit der Vergangenheit überhaupt. Bis dahin hatte es keine besondere akademische Kunst gegeben. Erst durch ihr Auftreten setzten jene Männer ihre eigene Kunst der akademischen gegenüber. Und nun unsere jetzigen Kunstakademien? Wie verhalten sie sich zu jenen alten? Hochverehrte Festgenossen! Aus den grossen Erfolgen der neuen, ihre eigene Formenspraehe redenden, von edlem, weihevollem Geiste durchdrungenen Werke der deutschen Neuerer in Rom, als deren grossester rasch Düsseldorfs grossester Sohn, unser grosser Cornelius anerkannt wurde, folgerten doch nur die wenigsten, und am wenigsten kamen die kunstpfiegenden Regierungsbehörden durch sie auf den Einfall, dass die Kunstakademien, weil jene Männer ihre Lehrmethode tadelten, nunmehr in ihrer Eigenschaft als öffentliche Kunstschulen abzuschaffen seien. Im Gegentheil: Mehr 46 noch, als die frühere, wies die Zeit nach den Befreiungskriegen den Staat darauf hin, für die Erziehung der Jugend auf idealem Gebiete einzutreten; und dass die Kunst, wie die Wissenschaft, nach wie vor am besten durch das Zusammenwirken verschiedener Lehrkräfte, durch das Ineinandergreifen verschiedener Lehrgegenstände und durch die gemeinsame Benutzung verschiedener Lehrmittel gelehrt werden könne, war eine zu offenkundige Wahrheit, als dass das neunzehnte Jahrhundert sie hätte bezweifeln können. Nur dass die alten Anstalten mit neuem Leben erfüllt werden mussten, war ebenso klar. Niebuhr, der grosse, schrieb im Juni 1819 von Rom aus jenen epochemachenden Brief an das preussische Staatsministerium, in welchem er die Berufung von Cornelius zur Neubegründimg der Düsseldorfer Akademie empfahl. Er stellte in diesem Briefe gerade in Bezug auf dis Kunstakademien die Forderung an den Staat, dass er — ich führe Niebuhr's eigene Worte an — „den Geist eigener Thätigkeit innerhalb der bestehenden Formen aufrufen, nicht aber diese Formen zerschlagen'' möge. Mit Recht aber folgerten Alle aus jenen künstlerischen Erfolgen der jungen Meister, welche die akademische Lehrmethode gebrandmarkt hatten, dass die Neugestaltung der Kunstakademien aus ihrem Kreise hervorgehen müsse. Die Kunstakademie, deren Umgestaltung dem preussischen Staate am meisten am Herzen lag, weil ihr Verfall am tiefsten war und ihre Wichtigkeit für die Hebung nationalen Sinnes in den Rheinlanden einleuchtete, war die Düsseldorfer. Ein geborener Düsseldorfer war auch der geniale Künstler, auf den Aller Augen gerichtet waren. Was lag näher, als gerade ihn zu bitten, die neue Akademie in seiner Vaterstadt nach den neuen Grundsätzen einzurichten? Cornelius übernahm die Aufgabe; und so kam es, dass gerade die Neubegründung unserer Düsseldorfer Kunstschule den entscheidendsten Wendepunkt in der Geschichte der Kunstakademien bezeichnet. Im Vereine mit seinem Freunde Carl Joseph Ignaz Mosler stellte Cornelius den neuen Organisationsplan auf. Das persönliche Verhältniss zwischen Meistern und Schülern, wie es in den mittelalterlichen Lucas-Gilden, den ältesten Feindinnen der Kunstakademien, bestanden hatte, sollte in gewissen Grenzen wieder erweckt und in den Rahmen der neuen Anstalten eingefügt werden. Der reifere Schüler sollte sich innerhalb der Akademie frei seinen Meister wählen, ihm an seinen Arbeiten helfen und sich, so unvermerkt selbst zum Meister emporarbeiten. Eine Gleichheit der künstlerischen Richtimg aller Lehrer und aller Schüler, wurde nicht für nothwendig erachtet. Altmodischer Regelzwang wurde ausdrücklich verworfen. Auf die freie, individuelle Ausbildung wurde ein Hauptgewicht gelegt. Solche Grundsätze konnten in der That die alten Formen mit neuem Geiste beseelen; und der Entwurf spricht diesen neuen Geist mit klaren Worten aus. Hören Sie, bitte, nur die folgenden Sätze aus diesem Schriftstücke: „Natürliche, ungezwungene, frei entwickelte Eigentümlich - keit und Selbständigkeit ist dem Künstler so nöthig, dass, wo diese gefährdet wird, lieber alle Erziehung zur Kunst unterbleiben sollte: so also auch die von solchen Meistern und Anstalten, die nur den Schatten ihres eigenen Wesens auf ihre Zöglinge (eifersüchtig auf jede andere Regung) übertragen wollen, anstatt zu trachten, an jeglichem Talente das Eigenthümliche zu entwickeln und stolz zu sein auf eine Manch- falt wahrer Bestrebungen, die in ihrem Schoosse ihre Quelle gefunden haben." Ferner: „Wir wollen die Anstalt bewahren vor jenem schulmässigen Erdrücken und Verschüchtern des Geistes, dem Verschränken und Verbilden des Gefühls durch falschen Regelzwang und durch Zurückdrängen des Eigenthümlichen in eine aufgestellte Norm." Endlich: „Der Zögling mag, sobald er seinen eigenen Weg gehn will, den 47 Meister nur nach Belieben berathen, ohne dass ihm dieses soll verdacht werden. Es soll eine Ehre für die Anstalt sein, wenn recht mannichfaltige Selbständigkeit sich in ihr entwickelt und kein Schulzwang aus den Werken der Zöglinge hervorschimmert. Glücklich aber der Meister, dem es gelingt, sich echte, freie Schüler zuzubilden!" So lauteten die Grudsätze, deren Verwirklichung in der neuen Düsseldorfer Akademie erstrebt wurde; und diesen Grundsätzen des klaren, vorurteilsfreien Geistes unseres Cornelius entsprach es auch, dass, nachdem der Meister selbst in München einen grösseren Wirkungskreis gefunden hatte, mit Wilh. Schadow andere „wahre Bestrebungen" in den Vordergrund traten, als Diejenigen, auf welche Cornelius selbst das Hauptgewicht gelegt hatte. Diesen Grundsätzen entspricht es auch, dass heute, neben den würdigen Vertretern einer Overbech und Cornelius noch näher stehenden Bichtung, andere würdige Meister an unserer Anstalt thätig sind, welche jenen seit fünfzig Jahren allmählich zurückerrungenen Stil malerischer Auffassung und Technik im Sinne der grossen Meister früherer Jahrhunderte wiederverbreiten. Diesen Grundsätzen entspricht es selbstverständlich auch, dass die Bildhauerei an unserer Akademie nicht minder würdig vertreten ist, als die Malerei. Gerade an dieser „Manchfalt wahrer Bestrebungen", welche wir heute freundschaftlich an unserer Anstalt sich gegenseitig ergänzen sehen, erkennen wir unsere Uebereinstimmung mit dem, was Cornelius gewollt hat. Gerade durch sie darf auch unsere Kunstschule es wagen, sich als universitas artium der grossen universitas literarum in der Schwesterstadt am Rheine an die Seite zu stellen. Wollen wir uns also vor abermaliger Verknöcherung und Einkapselung im Hergebrachten bewahren, so muss uns für alle Zukunft klar vor Augen stehn, dass unsere wiedergeborenen Akademien mit vollster Absicht auf Grundsätzen aufgebaut sind, welche den diametralen Gegensatz zu den früher „akademisch" gescholtenen Grundsätzen bilden. Und nicht nur in diesem verbrauchten Sinne will und soll unsere Kunst keine „akademische" mehr sein. Wir werden überhaupt in Abrede stellen, dass die Kunstakademien eine Kunst für sich haben können oder sollen. Auch für uns giebt es wieder keine besondere akademische Kunst mehr. Unser Streben aber muss sein, dass wenn jemals eine solche Scheidung wieder der Sachlage entsprechen sollte, alle Einsichtigen sich auf die Seite der akademischen Kunst stellen und in ihr das Gegentheil von Manirismus und Mode, von Unwahrheit und Geist- losigkeit finden müssten. Und das führt mich zur Beantwortung der dritten Frage: Welche Stellung haben die Kunstakademien zu den Kunstströmungen der Gegenwart einzunehmen? Denn es versteht sich von selbst, dass gerade weil die Kunstakademien sich nicht einbilden, im Besitze einer eigenen Geheimkunst zu sein, um so ernster die Pflicht an sie herantritt, die „wahren Bestrebungen" von falschen Bestrebungen zu sondern; ja, es ist keineswegs ausgeschlossen, dass den Kunstakademien aus ihrer Eigenschaft als Staatsanstalten, welche ihnen eine verantwortliche Stellung im Staatsorganismus zuweisen, nicht besondere Pflichten erwachsen, nicht besondere Aufgaben an's Herz gelegt werden, welche zwar an sich auch die Aufgaben jeder ausserhalb der Akademiemauern gepflegten Kunst sind, deren Pflege aber den Kunstschulen des Staates besonders dann nahe liegt, wenn die ausserakademische Kunst sich ihnen zu entziehen scheint. Nicht leichten Herzens sehe ich mich diesem wichtigsten, aber auch schwersten Theile meiner Aufgabe gegenüber. Allgemeingültiges über die Ziele der Kunstakademien, 48 welche identisch sind mit den Zielen der Kunst, zu sagen, erscheint fast allzugewagt; und doch muss es versucht werden. Die Erfahrung lehrt, dass es, ganz abgesehen von der Phraseologie einer doctrinären Aesthetik, gewisse Grundwahrheiten giebt, welche von Allen, die sich in ernster und berufener Weise mit der Kunst beschäftigen, gleichmässig empfunden oder doch, wenn sie ausgesprochen werden, gleichmässig anerkannt werden. So glaube ich denn auch gestrost in Ihrer Aller Namen den Satz voranstellen zu dürfen, dem unser verehrter Vorsitzender schon einen ähnlichen Ausdruck verliehen hat, den Satz, dass die Kunstakademien manchen unwahren Bestrebungen der Gegenwart gegenüber das Doppelbanner der Wahrheit und der Schönheit aufpflanzen wollen auf ihre Zinnen. Der Wahrheit und der Schönheit! Ich könnte auch sagen: Der Natur und des Ideals! Praktisch ausgedrückt, würde es heissen, dass die Akademien über das treuste, eindringendste, allseitigste Naturstudium der angehenden Künstler zu wachen haben, dass sie aber zugleich durch Lehre und Beispiel verkünden sollen, die Kunst sei eine ideale Geistesmacht, mitbefähigt und mitberufen die Menschheit zu erlösen und zu adeln. Die Kunst ist eine Tochter der Natur und des Geistes. Die Natur ist ihre Mutter, zu der jeder einzelne Künstler in jedem einzelnen Falle zurückkehren muss, wenn er in jener Wahrheit bleiben will, aus welcher allein die Schönheit hervorgeht. Die Kunstgeschichte zeigt, dass nur die Meister, welche in steter Berührung mit der Natur geblieben sind, sich jene Individualität bewahrt haben, welche sie unsterblich gemacht hat. Die Mehrzahl der Künstler, welche die Natur nicht mit eigenen, sondern nur mit den Augen eines anderen Meisters oder gar durch die Brille einer Schultradition gesehen, wird schon von der nächsten Generation vergessen. Nur wer die Natur mit eigenen Augen anschaun, auffassen und wiederzugeben gelernt hat, ringt sich zur Unsterblichkeit hindurch. Unsere Zeit stellt gerade auf diesem Gebiete weit höhere Anforderungen, als man es etwa vor fünfzig Jahren that; und die Kunstakademien haben dieser Zeitströmung, welche eine gesunde ist, voll nachzugeben. Die Malerei hat wieder gelernt, dass Luft, Licht und Farbe keine minder wahren, aber auch keine minder geistigen Elemente in der Erscheinung der Dinge sind, als die Formen. Sie hat eingesehen, dass nicht nur in der Behandlung der Localfarben, sondern auch in der Auffassung der Licht- und Schattenwirkungen, in der Abstufung der Lufttöne und in der Art, wie die Figuren, sei es im Freien, sei e3 im geschlossenen Räume, im Lufttone stehn, selbst mit Recht berühmte Meister hinter der vollen Wahrheit und daher, wenigstens in dieser Beziehung, auch hinter der vollen malerischen Schönheit zurückgeblieben sind. Unsere Zeit erwartet daher von dem angehenden Künstler, dass er die Welt der Erscheinungen, sobald er überhaupt zu malen anfängt, vor der Natur selbst ebensowohl in ihren wahren Farben- und Tonwerthe, als in ihren wahren Formen aufzufassen lerne. Dass der gereifte Künstler, der vollendete Meister, deshalb doch die Freiheit behält, das Gelernte aus monumentalen oder anderen Gründen stilistisch wieder zu vereinfachen, ja, gelegentlich decorativ zu verallgemeinen, versteht sich von selbst. Das Banner der Natur und der Wahrheit — ich kann sogar sagen, eines gesunden Realismus — müssen die Kunstakademien als Schlachtpanier entgegentragen allen Richtungen, welche lehren, der geniale Künstler trage den Massstab der Dinge in sich selbst und das Studium vor der Wirklichkeit könne den idealen Flug seines Geistes nur lähmen, aber auch allen Richtungen, welche, den oft genug wünschens- werthen Zug zum Decorativen einseitig in den Vordergrund stellend, einem Gemälde alle Unwahrheiten nachsehen, wenn es nur die (freilich unerlässliche) Bild Wirkung 49 besitzt, endlich sogar allen Kichtungen, welche, mit ihrem angeblichen Realismus sich brüstend, natürlich zu malen meinen, wenn sie einigen wirklieh grossen Meistern ein gewisses Recept in der Behandlung der Farben und eine gewisse, bei jenen meisterhafte, bei ihnen nur burschikose Breite der Pinselführung abgesehen haben. Diesen und noch manchen anderen unwahren Bestrebungen haben die Kunstakademien das Banner der Natur und der Wahrheit entgegenzuhalten. Denn alle diese Richtungen führen zum Manirismus; und der Manirismus hat die alten Kunstakademien vernichtet. Aber wie die Natur die Mutter, so ist der Geist der Vater der Kunst. Von ihrem Vater soll sie die Kraft erben, eine der' grossen, die Menschheit erhebenden Geistesmächte zu sein, wie die Wissenschaft, wie die Vaterlandsüebe, ja, wenn es erlaubt ist, Endliches mit Unendlichem zu vergleichen, wie die Religion selbst. Ich würde Vielen von Ihnen gewiss schlagender reden, wenn ich statt dessen kuzweg die Forderung des Idealismus jeder wahren Kunst aufstellte. Eine solche Ausdrucksweise würde, richtig verstanden, auch mir aus der Seele gesprochen sein. Allein — verzeihen Sie! — mit den Worten Idealismus und Realismus in der Kunst ist in den letzten Jahrzehnten, wie früher mit den Worten Classik und Romantik, ein so verschiedene] 1 Gebrauch getrieben worden, dass sie nicht selten zu den Worten gehören, welche sich einstellen, wo die Begriffe fehlen. Unsere Handbücher sprechen von idealistischen und realistischen Schulen, ja Jahrhunderten. Die gothische Kunst des vierzehnten Jahrhunderts gilt für idealistisch, so in der altkölnischen, wie in der altsienesischen und in der altflorentmischen Schule von Giotto bis Fiesole. Die frische Kunst des fünfzehnten Jahrhunderts gilt für realistisch, so die nordische Kunst von van Euch bis Memling, wie die italienische Kunst von Masaccio bis Domenico Qhirlandajo. Die grosse Kunst des sechzehnten Jahrhunderts, in welcher Bafael und Michel-Angelo herrschen, gilt wieder für idealistisch. Im siebzehnten Jahrhundert werden realistische und idealistische Schulen unterschieden. Die grossen Holländer werden allgemein als Realisten bezeichnet. Buisdael und Hobbema gelten für die Vertreter der realistischen Landschaft gegenüber der idealen Landschaft eines Poussin und Claude Lorrain; und selbst Rembrandt wird nicht selten schlechthin zu den Realisten gestellt, obgleich dieser einzige Meister in dem geistigen Elemente der Licht- und Farbenwirkung ein ebenso grosser und ebenso subjectiver Idealist ist, wie Michel-Angelo in den Sphären der Formenwelt. Anderen grossen Meistern gegenüber, wie Dürer und Holbein, Lionardo und Tizian, Rubens und Murillo, hält diese Unterscheidung vollends nicht stand. Sie Alle werden daher mit mir übereinstimmen, ja, die Zusammensetzung unseres Lehrkörpers giebt mir im Voraus recht, wenn ich sage, dass es durchaus nicht die Aufgabe der modernen Kunstakademien sein kann, sich ein für alle Mal und einseitig auf die Seite eines so definirten Idealismus gegen einen so definirten Realismus zu stellen und, beispielsweise, jungen Leuten, welche Memling oder Dürer, Frans Hals oder Bieter de Hoogh, Jan van der Meer van Delft oder Hobbema zum Vorbilde nehmen wollten, dieses zu untersagen und sie statt dessen immer wieder nur auf Michel-Angelo und Rafael, auf Poussin und Claude Lorrain oder gar auf Stephan Lochner und Fiesole hinzuweisen. Nein! das kann der Sinn unserer Forderung der Idealität der Kunst nicht sein. Jede wahre Kunst enthält ein gutes Stück Realismus und ein gutes Stück Idealismus; aber eben weil diese Ausdrücke vielfach falsch gedeutet werden, sage ich lieber: in jeder wahren Kunst nimmt das vor der Natur gemachte Studium den Weg durch den Geist und die Phantasie des Künstlers, ehe es zum Kunstwerke wird. Auch die Werke der realistischsten der Realisten genannten grossen Meister 50 beweisen dieses ausnahmslos. Beispiele würden Sie ermüden. In den verschiedenen Fächern wird ihrer Natur nach bald das natürliche, bald das* geistige Element vorwiegen. Die Grenzen sind hier fast unsichtbar. Es wäre gewagt, den Akademien vorschreiben zu wollen, welchen Grad des geistigen Prozesses sie auf eine vor der Natur gemachte Studienskizze angewandt sehen müssen, um ein Kunstwerk als ein ihr würdiges Kunstwerk anzuerkennen. Ohne geistigen Prozess aber, durch den solche Skizze zum Bilde, die zufällige Wirklichkeit zur künstlerischen Wahrheit wird, giebt es keine echte Kirnst. Daran müssen wir festhalten. Festhalten aber müssen wir selbstverständlich auch daran, dass der Spiess nicht umgedreht und den grossen in der Eegel idealistisch genannten Meistern nunmehr der Krieg erklärt werde. Es ist heute nicht ganz überflüssig zu betonen — wer in verschiedenen Künstlerkreisen verkehrt hat, weiss es — es ist nicht überflüssig, zu betonen, dass, wenn auch alle Welt Männer wie Michel- Angelo und Bafael nicht mehr verstehen wollte, es dann gerade den Kunstakademien Herzenssache wäre, den Formen- und Seelen-Adel dieser Meister zu retten. So werden wir denn auch das Panier des Idealismus zu entfalten haben im Kampfe gegen Strömungen, welche den grossen, strengen, ernsten Stil in der Kunst für einen überwundenen Standpunkt erklären, im Kampfe gegen die noch weiter gehenden Richtungen, welche der Kunst, wenn einmal die farbige Photographie erfunden würde, nichts weiter zu thun übrig lassen würden, im Kampfe gegen die wohlgemeinten Theorien, welche den Satz, es komme nur auf das wie ? nicht auf das was ? der künstlerischen Darstellung an, bis zur Absurdität verallgemeinern, endlich auch gegen alle Versuche, die Kunst zum Handwerke, welches nach Brot geht, zu erniedrigen. Wir werden Cornelius zu uns Allen sagen lassen, was er seinen Schülern sagte: „Unser Glück ist die Ausübung unseres Berufes und damit sind wir reicher, als die Reichsten". Kurz, wir verlangen von der Kunst einen Geist, der zum Geiste rede, eine Seele, die zur Seele spreche; wir verlangen von den Kunstakademien, dass sie das lautere Feuer heller Begeisterung auf ihrem Heerde ewig brennen lassen, einer Begeisterung, welche aus dem Geiste stammt und den Geist der Menschheit emporträgt in reine, über irdische Sorgen und irdische Wünsche erhabene Sphären. Nur durch eine Idealität in diesem Sinne des Wortes kann die Kunst die Stellung einnehmen, welche ihr im Leben der Völker zukommt, eine Stellung, welche die Akademien, gerade weil sie Staatsschulen sind, fördern müssen. Und das führt mich zu den letzten Andeutungen, welche ich zu geben habe. Voranstellen muss ich freilich auch hier einen Satz, welcher die Freiheit der Kunst wahrt. Die Kunst ist sich selbst Zweck. Als selbständige Geistesmacht steht sie neben den anderen Geistesmächten, welche die Völker zu erziehen berufen sind. Die Kunst ist die Dienerin keiner dieser Geistesmächte; aber sie kann einen Bund mit ihnen schliessen, einen Bund, welcher die nationalen Erziehungserfolge jeder dieser Mächte noch besser zu verbürgen im Stande ist. Dass diese Bürgschaft gegeben werde, liegt im Interesse der Menschheit, liegt gerade in unserem materiellen, zerfahrenden, Alles unterwühlenden Zeitalter im Interesse des Staates. Die Kunstakademien, welche sich ihrer Eigenschaft als nationale Erziehungs-Anstalten bewusst sind, werden daher, ohne in einem solchen Bunde das ausschliessliche Heil der Kunst zu erblicken, doch die Pflege inniger Beziehungen zu den anderen grossen Geistesmächten als ihre Pflicht ansehen. Die Religion hat den Bund mit der Kunst seit den ältesten Zeiten als eine Bürgschaft ihres eigenen Erfolges in Anspruch genommen; und die Kunst verdankt in erster Linie ihrem Bunde mit der Religion ihre eigene Erziehung zu einer Geistesmacht. 51 Die Architektur ist erst an den Aufgaben, welche die Gotteshäuser ihr gestellt haben, zur Kunst gereift. Die Bildhauerei hat in den religiösen Werken des Phidias ihre höchsten Triumphe geliefert. Die Malerei hat zu allen Zeiten und bei allen Völkern aus der religiösen Begeisterung eine lange Eeihe ihrer zündendsten Werke geschöpft. Je fremder der Volksgeist der religiösen Kunst wird, desto weniger dürfen die Kunstakademien den Einfluss unterschätzen, welchen die Kunst im Bunde mit der Religion auf die Erziehung des Volkes hat. Von den Wissenschaften hat die Kunst besonders die Geschichte zur Bundes- geuossin erkoren. Die Geschichte aber, als reinste Quelle echter Vaterlandsliebe, fällt in ihrer künstlerischen Gestaltung mit dieser letzteren zusammen. Die Kunst im Bunde mit der Geschichte ist zugleich die Kunst im Bunde mit der Vaterlandsliebe. Auch die historische Kunst im eigentlichen Sinne des Wortes hat daher gerade in Zeiten, in welchen das Interesse an ihr zu erlöschen droht und in Zeiten, in welchen die Vaterlandsliebe systematisch untergraben wird, den vollsten Anspruch, wenigstens von den Kunstakademien nicht bei Seite geschoben zu werden. Gerade hier fällt ihre Eigenschaft als Staatschulen am meisten in's Gewicht. Die Künste können aber auch durch einen Bund unter sich ihre eigene Wirksamkeit erhöhen. Die monumentale Kunst, welche recht eigentlich aus dem Bunde der drei Künste, welche an den Akademien gelehrt werden, aus dem Bunde der Architektur, der Malerei und der Bildhauerei, oder wenigstens aus dem Bunde zweier von ihnen, hervorgeht, wird schon, weil nur die Kunstakademien sie alle drei lehren, in ihnen gepflegt und gehegt werden müssen; und gerade die monumentale Kunst ist es, welche so durch den Ernst ihres Stiles, die Grossheit ihrer Aufgaben und die Erhabenheit ihrer Gedanken, wie durch ihre Oeffentliehkeit, den grossesten Einfluss auf die ästhetische Erziehung der Nation haben kann. Dem schliesst sich der Bund der bildenden Künste mit der Dichtkunst an. Aus ihren Wechselwirkungen sind von jeher eine Fülle der edelsten und ergreifendsten Schöpfungen hervorgegangen. Einerseits tritt die Kunst als Illustration ja oft genug geradezu in den Dienst der Poesie. Fern sei es von uns, die Illustrationen, welche geistreiche Meister zu unseren Dichtern geschaffen haben, mit Missgunst anzusehen. Aber die Kunstakademien haben gerade als Wächterinnen der Freiheit der Kunst ihren Bund mit der Poesie doch in freierer und höherer Art aufzufassen. Cornelius sah auch hier das Rechte. „Es taugt nicht", sagte er, „den Dichtern nachzudichten. Unsere Kunst ist frei und muss sich frei gestalten. Erwärmen sollen wir uns an der Begeisterung der Dichter. Das ganze Leben soll von ihnen durchdrungen sein; aber, wo wir dichten, sollen wir dichten, nicht für uns dichten lassen." Dass das Stoffgebiet, welches die Dichter überliefert haben, eine unerschöpfliche Fundgrube für den Maler und den Bildhauer sei, wollte Cornelius damit gewiss nicht läugnen; aber er sah die Wahrheit, dass dieser Stoff aus der poetischen in die malerische Phantasie hinübergeleitet und aus ihr neu geboren werden müsse, um zum Gemälde zu werden, und dass die Begeisterung, welche die eine Kunst entzündet, auch von jeder Gleichheit des Stoffes abgesehen, in der anderen die schönsten Früchte tragen kann. Deshalb werden auch Vorträge über die Werke der Dichtkunst an unseren Akademien gehalten; aber wir werden dieselben so einzurichten haben, dass die Dichtwerke die Phantasie der jungen Künstler befruchten, ohne dass wir uns anmaassen, ihnen vorzuschreiben, wie die Kunstgelehrten zu Zeiten der Zopfakademien es thaten: Male diese oder jene Scene dieses oder jenes Dichters! 52 Die Selbständigkeit der Kunst ist in diesen, wie in allen Fällen, auch an den Akademien ihre erste Lebensbedingung. Die Kunst ist selbst eine Geistesmacht. Wenn ihr Bund mit j enen anderen grossen Geistesmächten einmal nur auf Kosten der Zwecke, welche sie schon aus sich selbst erfüllt, zu erreichen wäre, so müssten diese letzteren eigensten Zwecke auch an den Akademien unbedingt vorangestellt werden. Ich glaube gerade im Sinne der allverehrten religiösen, historischen und monumentalen Meister unserer Akademie zu sprechen, wenn ich dieses eoncret so ausdrücke: Auch den Kunstakademien steht der wirkliche, echte Künstler, dessen Kunst zufällig nicht im Bunde mit einer jener anderen Geistesmächte steht, unter allen Umständen höher, als der schwache Künstler, welcher seiner Blosse den Mantel der Beligion oder der Vaterlandsliebe oder monumentalen Strebens umhängt. In schwachen Händen dienen weder die religiöse noch die historische Kunst weder der Kunst noch der Beligion oder der Vaterlandsliebe. Wie der grosse Lyriker unzweifelhaft ein grösserer Dichter ist, als der schwache Dramatiker, so ist der grosse Genre-, Porträt- oder Landschaftsmaler unzweifelhaft ein grösserer Künstler, als der mittelmässige Historienmaler. Das werden auch die Kunstakademien anerkennen. Denn auch die Kunstakademien sind weder Treib-, noch Krankenhäuser. Auf die Persönlichkeiten ihrer Lehrer kommt zunächst Alles an. Nur die unbedingte gegenseitige Werthschätzung in ihren künstlerischen Eigenschaften ermöglicht das friedliche und erspriessliche Zusammengehn der verschiedensten Kichtungen, ermöglicht jene „Manchfalt wahrer Bestrebungen", welche die Neubegründer der Düsseldorfer Akademie ihr an's Herz legten und welche heute ihr Stolz sind. Wünschen aber wollen wir und darauf hinarbeiten wollen wir, dass auch unserer Anstalt beschieden sein möge, nach wie vor ganze Künstler zu bilden, Künstler, welche den Aufgaben, die die Kunst dem Staate stellt, oder sagen wir, umgekehrt, die der Staat der Kunst stellt und hoffentlich immer stellen wird — schon die leeren Wände und Decken dieses Hauses mahnen an solche Aufgaben — mit ernstem, grossem Sinne und mit weihevollem Geiste genügen können. Ich bin zu Ende. In der guten alten Zeit wurde die Aufgabe, welche mir iieute zu Theil,geworden ist, als die Aufgabe bezeichnet, die „Lobrede" zu halten. Ich habe nicht pro domo sprechen, habe unserer Akademie nicht die Lobrede halten wollen. Dass aber die Düsseldorfer Akademie keine Ursache hat, mit Scham und Beue aus dieser Einkehr in sich selbst bei ihrer Einkehr in's neue Haus hervorzugehn, beweisen Ihnen die mehr als fünfzigjährigen Erfolge dieser ersten der nach den neuen Grundsätzen wiedergeborenen Anstalten, beweisen Ihnen die edlen Werke hier gebildeter Meister, von denen Europa, von denen die Welt voll ist, beweist Ihnen die Berufung Düsseldorfer Lehrkräfte an alle Schwesteranstalten unseres Vaterlandes. Unsere Erfolge müssen freilich noch immer besser werden. Die Kunst ist kein Spiel, sie ist ein rastloses Ringen und Streben nach dem Höchsten. Bastlos und redlich wollen auch wir arbeiten, um das Ziel zu erreichen, welches uns winkt. Lassen Sie uns im Geiste auch über der Eingangspforte dieses neuen Hauses, welches wir somit beziehn, beim Ein- und Ausgange in Elammenschrift die Worte „Natur und Genius" lesen. Dann mag auch unser Wirken dem Vaterlande zu Gute kommen. Dann mag auch unsere Kunst unser Volk erlösen helfen von den Krankheiten, die es heimsuchen. Dann wird auch dieses stattliche neue Gebäude weithin sichtbar leuchten, ein heiliger Tempel der Wahrheit und der Schönheit. ____54____ lande, wenn Sie dann wieder aufschauen auf die ruhige Erhabenheit, mit welcher König Wilhelm durch die Wogen hindurch seine gewaltigen Bahnen zieht, dann werden Sie nicht nöthig haben, nach anderen Thronen und Ländern auszuschauen, um sich zu sagen, dass zum Glück für das deutsche Volk und für Preussen ein günstiges Geschick . diesen König auf den Thron der Hohenzollern gestellt hat, dass der Segen seines Wirkens weit hinausgeht über die zeitlichen Interessen. Wir, die Zeitgenossen, sind glücklich genug, alles das zu sehen, was er gethan und was er errungen hat, und was niemand uns entreissen soll. Möge die schnell rollende Zeit über diesem Haupte stille stehn, möge es uns vergönnt sein, noch lange Jahre in Liebe, Treue, Ehrfurcht und Gehorsam und Hingebung zu diesem Herrscher zu stehen und für ihn einzutreten mit Gut und Blut, dessen Lebensströme vergossen worden sind, als es darauf ankam, das Vaterland zu retten vor Feindeshand. Möge reicher Segen über ihm und seinem Hause walten. Unser Kaiser und König lebe hoch!" Die zweite Rede galt natürlich dem Chef aller preussischen Kunstanstalten, dem Cultusminister von Puttkamer. Prof. Carl Müller hielt sie. Er sagte, nachdem er in kurzen, einleitenden Worten des Brandes gedacht: „Wenden wir in dieser feierlich frohen Stunde unsere Blicke ab von dem traurigen Bilde, durchfliegen wir in Eile den Zeitraum, während dessen die Anstalt in den von dem furchtbaren Elemente verschont gebliebenen Ueberresten eingezwängt, ja, bei immer wachsendem Bedürfniss sogar, zu einem grossen Theil gezwungen gewesen, iu weit entlegenen fernen Bäumen ein nothdürftiges Unterkommen zu suchen. Heute, wo wir Dank der hohen Fürsorge der Staatsregierung Alle wieder vereinigt, in dem, inzwischen neuerbauten, herrlichen Hause, mit seinen lichtvollen Räumen eingezogen sind; wo wir so eben, in Gegenwart hoher Gönner und Freunde diesem Hause die feierliche Weihe gegeben, wollen wir uns freudigen Muthes der Hoffnung überlassen, es möge das die höchsten Ziele der Kunst erstrebende Schaffen, sowohl der Lehrer als der Schüler, unter dem -Segen des Himmels zu glücklichen, die Entwicklung der vaterländischen Kunst wahrhaft fördernden Ergebnissen führen. Im Namen und im Auftrage des Lehrer - Collegiums der Königlichen Kunstakademie lade ich Sie ein, mit uns den Mann zu feiern, welchen seit Kurzem das Allerhöchste Vertrauen in den Rath der Krone Preussens berufen hat, um des erhabenen Amtes zu walten, dessen schönstes Vorrecht es ist, die geistigen Elemente des Staatslebens zu hüten und zu pflegen. Sind ja doch die Künste wie die Wissenschaften zu der beglückenden Aufgabe berufen, an der sittlichen Veredelung der Menschheit mitzuarbeiten, die Gemüther zur Begeisterung zu entflammen und zum Aufschwung zu den lichten Höhen ewiger Ideale zu beflügeln. Indem Se. Excellenz der Herr Cultusminister von Puttkamer uns die Gnade erwiesen, persönlich zu unserer heutigen Feier zu erscheinen, wollte Hochderselbe der bedeutsamen Stellung der Kunst zum Culturleben der Völker seine hohe Würdigung angedeihen lassen und sehen wir darum, mit um so grösserem Vertrauen, den Schutz und die Förderung aller Interessen der Kunst für die ganze Monarchie in seine Hände gelegt. So fordere ich Sie denn auf, meine Herren, dem Manne, auf welchen gegenwärtig so vieler Menschen Blicke hoffnungsreich gerichtet sind, dem Manne unseres Vertrauens, ein Zeichen der Liebe und Verehrung entgegen zu bringen. Seine Excellenz der Herr Minister von Puttkamer lebe hoch!!!" 55 Auf diese Begrüssung antwortete Herr von Puttkamer: u ) „Meine Herren! Die warmen Worte, welche der Herr Vorredner an mich gerichtet hat, kamen von Herzen und gingen zu Herzen; aber ich muss doch gleich hier zu dem, was zu meinem Lobe gesagt worden ist, einigen Vorbehalt machen. Wenn mein Name mit diesem Feste in irgend eine Verbindung gebracht worden ist, so muss ich dies ablehnen. Mir ist nicht die Gunst zu Theil geworden, irgend etwas zu thun, was diesen Festtag herbeigeführt hat. Alles was in dieser Richtung geschehen ist, alle Kränze, lege ich bereitwilligst zu den Füssen meines Amtsvorgängers nieder. Aber ich soll ja nun nach der festgesetzten Reihenfolge über das Festkind des Abends einige Worte zu Ihnen reden. Dass ich das von Herzen gern thue, können Sie mir glauben, obgleich ich gestehen muss, dass meine Fähigkeit dazu eine sehr geringe ist. Es ist heute über die Zwecke und Aufgaben der Kunst, über Akademien im Allgemeinen und über dasjenige, was insbesondere die rheinische Kunstakademie für die Künstler und die Hebung des Kunstsinnes geleistet hat, so viel Treffendes gesagt worden, dass ich darauf nicht mehr einzugehen brauche. Wenn ich hier ex professo solche Dinge berühren sollte, so müsste ich bekennen, dass ich wirklich ausser Stande bin, die Manen von Cornelius und Schadow anzurufen; ich bin nicht genug Meister des Stoffes, um darüber vor einer Versammlung zu sprechen, deren Mehrzahl zwar nicht an Liebe zur Kunst, aber an Kunstverständniss mir weit überlegen ist. Ich möchte vielmehr einem unmittelbaren Eindruck Worte leihen, welchen ich als Patriot und Bürger des Landes bei diesem festlichen Anlasse empfinde. Es war ohne Zweifel ein politischer Act, dass König Friedrieh Wilhelm 111. 1819 das Dios- kurenpaar der Wissenschaft und der Kunst schuf, welches über dem Culturleben dieser schönen Provinz waltet. Es ist nun an diese Schöpfungen das Wort angeknüpft worden, sie seien aus dem Gedanken hervorgegangen, die rheinische Provinz preussisch zu machen; es ist dies wohl ein etwas schroffer Ausdruck und auch nur zum Theil richtig. Zum Zusammenwachsen verschiedener Landestheile gehört etwas ganz anderes, nämlich eine sehr lange Zeit und gemeinsam getragenes Schicksal, und diese sind uns nicht erspart geblieben. Die grossen Ereignisse, die Preussen und Deutschland in den letzten Jahrzehnten erlebt haben, sind der Kitt, der die Rheinlande an den Körper des Vaterlandes gefügt und gefestigt hat. Fern aber sei es mir, das Dioskurenpaar Bonn und Düsseldorf in seiner nationalen Bedeutung zu verkleinern. Wenn ich an Bonn denke, an jene hellleuchtende Stätte der Wissenschaft, so kann ich zwar nicht sagen, dass bei ihrer Gründung der Gedanke das Motiv gewesen ist, preussische Anschauungen im Rheinlande zu verbreiten. Ich möchte vielmehr darauf hinweisen, wie die Jugend der alten Provinzen zu der Pflegestätte der Wissenschaft am Rhein geeilt ist. Dass sie hier die Liebe zu den Rheinlanden geschöpft hat, das ist das Band, welches die Rheinländer mit dem Osten des Vaterlandes so enge verbunden hat. Was hat aber die Akademie von Düsseldorf für die Pflege des nationalen Wesens gethan? Ich schweige von dem Ruhm des deutschen Namens, den sie über den Continent verbreitet und über die Meere hinausgetragen hat. Was ich als Patriot und Bürger hervorheben muss, ist der Umstand, dass wesentlich ihr Einfluss es gewesen ist, der dem Osten und Norden, welche ja nach dieser Richtung etwas schwerfällig sind, die Liebe für Kunst eingepflanzt hat. Die vielen von hier ausgegangenen Meisterwerke, die in den weniger heiteren und minder sonnigen Gegenden unseres engeren und weiteren Vaterlandes sich einge- 56 bürgert haben, sind es gewesen, welche dem ganzen preussischen Volke mit der Liebe zur Kunst die Liebe zu den Rheinlanden eingeimpft haben. Das kann ich aus eigener Anschauung bekunden, und diese nationale Mission von Bonn und Düsseldorf möchte ich heute in den Vordergrund schieben. Die so geknüpfte Verbindung zwischen Ost und West zu einem unzerreissbaren Bande gegenseitiger Sympathie dauernd zu gestalten und diese stete Wechselwirkung in lebendigem, unser gesammtes Geistes- und Cultur- leben befruchtenden Pluss zu erhalten, das betrachte ich als die erste Aufgabe des grossen Rheinischen Kunstinstituts. Ich wünsche und hoffe, dass dieses Band im Laufe der Zeiten noch immer stärker werden möge, dass es der Düsseldorfer Kunstschule immer und ewig beschieden sein möge, ein lebendiges und förderndes Glied dieser Vereinigung zu sein und zu bleiben. Ich stosse an auf das Vivat! floreat! crescat! der Düsseldorfer Akademie. Sie lebe hoch!" Der nächste Trinkspruch galt Herrn Finanzminister Bitter. Professor Peter Janssen, welcher ihn übernommen hatte, sagte: „Hochgeehrte Pestgenossen! Sie alle werden mir den Stolz nachempfinden den ich fühle, der erste sein zu dürfen, welcher den Herrn Finanzminister Bitter in seiner neuen Stellung hier öffentlich begrüsst und Sr. Excellenz die Versicherung ausspricht, dass wir Düsseldorfer ihm mit Liebe und Verehrung anhängen und dass die Erinnerung an sein segensreiches Wirken in unserer Stadt uns nie verlassen wird. Vor allen Dingen habe ich die Ehre, Excellenz, Ihnen im Namen der Kunstakademie den innigsten Dank zu sagen, dass Sie zu unserer heutigen Feier hierhergekommen sind. Die Akademie sieht darin den sprechendsten Beweis dafür, dass Sie ihr, trotz der Mühen und Sorgen, welche sie Ihnen bereitet hat, ein warmes, wahres Interesse erhalten haben. Auch Ihre Fürsorge für unsere Anstalt wird keine vergebliche gewesen sein; der ausgestreuten Saat muss eine gute Ernte entsp'riessen. Aber, meine hochverehrten Festgenossen, wie hätten wir auch an Sr. Excellenz Interesse für eine künstlerische Anstalt, wie die unsre, zweifeln können! Wussten wir doch, dass Se. Excellenz als Kunstkenner und Kunstschriftsteller sich bewährt hatte! Wer "einer der Künste so tief in's Auge geschaut, wie Se. Excellenz der Musik, deren Geheimnisse er erkannte und aussprach, der musste auch den Schwesterkünsten sein Interesse zuwenden. Excellenz, Sie nahen aber zugleich mit solchen erhabenen Geheimnissen sicherlich auch ein anderes, freilich öffentliches Geheimniss entdeckt, nämlich dieses, dass die Kunst sehr selten mit den Finanzen in harmonischem Einklänge steht. Sie aber vereinigen in Ihrer Person jenen idealsten und diesen praktichsten Theil des Lebens ; und wo wir diese Vereinigung an so hervorragender Stelle vollzogen sehen und wo wir sehen, wie warmer Frühlingssonnenschein seit geraumer Zeit dem deutschen Kunstleben strahlt, da kann es uns nicht fehlen, da dürfen wir hoffen, dass wir einer Kunstentwicklung entgegengehen, wie sie die Geschichte nur selten verzeichnet. Ich glaube an eine solche Entwicklung. Ich glaube, dass wir einer Epoche künstlerischen Ruhmes unseres Vaterlandes entgegengehen. Der Genius des deutschen Volkes, der ihm in grossen Weltbegebenheiten treu geblieben ist, wird sich auf dem Gebiete der Kunst nicht von ihm abwenden. In dieser Zuversicht und mit dem ehrerbietigen Wunsche, dass Se. Excellenz uns Düsseldorfern und der Akademie wohlgeneigte Gesinnungen erhalten möge, und mit dem anderen Wunsche, dass uns noch oft gestattet sein möge, Sie, Excellenz, in 57 unseren Mauern willkommen zu heissen, um Ihnen die Resultate auch Ihrer Wirksamkeit zu zeigen, fordere ich meine hochverehrten Festgenossen auf, mit mir einzustimmen in das Hoch auf Se. Excellenz den Herrn Staatsminister Bitter!" Herr Bitter antwortete darauf 12 ): „Meine Herren! Ich spreche Ihnen meinen wärmsten Dank aus für das Wohlwollen, das Sie mir bewahrt haben. Wer mich hier in meinem Wirken hat beobachten können, wird gefunden haben, dass ich mit ganzem Herzen hier gewesen bin, und ich habe das Gefühl gehabt, als ein Freund der Bevölkerung gern hier gesehen worden zu sein. Als ich von hier scheiden musste, da ist es mir recht schwer um's Herz gewesen, und alle, welche mich näher zu beobachten Gelegenheit hatten, werden dies bemerkt haben. Vor allem war es die nahe Verbindung mit der Kunst, in der ich Alles gefunden habe, was ich ausserhalb meines amtlichen Wirkungskreises suchte. Diese Verbindung aufzugeben, musste mir darum recht schwer werden, und ich habe dieselbe bis jetzt nicht wiedergefunden, weil eben aus den Allen bekannten Gründen ähnliche Verhältnisse in der Hauptstadt nicht aufzufinden sind. Es ist gesagt worden, dass an meine Stellung im Ministerium Hoffnungen von Seiten der Kunst geknüpft wurden. Ich will dem Herrn Vorredner darin Recht geben; und so weit ich irgend kann, werde ich meine Gesinnungen in dieser Beziehung bethätigen, und mein Herr College als Chef aller Kunstanstalten soll mich seiner Zeit an dieses Versprechen erinnern, und ich selbst werde es nicht vergessen; die ideale Seite des Lebens, der höhere Standpunkt, ist ja unumgänglich nothwendig, wenn das Staatsleben wirklich gedeihen soll; und daher wird diese Seite des Staatslebens bei mir stets warme Förderung finden. Wenn ich aus meiner Jugend etwas sagen soll, so muss ich das Geständniss ablegen, dass ich in die büreaukratische Carriere gedrängt worden bin, weil man glaubte, ich würde Künstler werden. Ich bin das nicht geworden und ich habe es immer schmerzlich gefühlt, dass ich es nicht erreicht habe, meinen ganzen Lebens-Inhalt nach den Idealen meines Herzens gestalten zu können. Das aber werde ich immerfort festhalten, dass ich dem Triebe, der verborgen in mir lebt, so viel ich vermag, volle Freiheit geben werde. Allerdings bin ich in diesem Augenblicke nicht auf Rosen gebettet; es wachsen viele Dornen auf meinem Wege. Erscheint mir doch alles dasjenige, was ich der Kunst versagen muss, als ein persönliches Unheil; und nur mit grösster Mühe kann ich mich je entschliessen, den Wünschen meines Herzens gegenüber nein zu sagen, obschon es nun einmal nicht anders möglich ist. Meine Herren! Die Zeit, die ich unter und mit Einen verlebt habe, ist eine Zeit, auf welche ich zurückblicke als auf eine durchaus glückliche Vergangenheit unter einer durchaus loyalen, patriotischen und arbeitsamen Bevölkerung. Ich will keinen Toast ausbringen auf die Akademie oder die Künstlerschaft, die mich als einen der Bingen aufgenommen hat; ich will nur meinen innersten Gefühlen Ausdruck verleihen, indem ich der Bevölkerung dieser Stadt meinen Dank ausspreche, der Bevölkerung - dieser Stadt, die mir nach allen Richtungen in jeder Beziehung mit Freundlichkeit und Wohlwollen entgegengetreten ist, so dass ich mir sagen musste: Wer mit Freunden arbeitet, arbeitet mit Freuden. Die Bevölkerung der Stadt Düsseldorf lebe hoch!" Nach dieser Rede des Verfassers der Biographie J. S. Bach's brachte Professor A. Baur dem Herrn Oberpräsidenten von Bardeleben, dem einsichtsvollen Förderer, wie aller, so auch der künstlerischen Interessen der Rheinprovinz, ein Hoch dar, welches Herr von Bardeleben mit der warmen Versicherung des Werthes, welchen die ganze 8 58 Provinz dem Kunstleben Düsseldorfs beimesse, beantwortete. Dann folgte Professor Wislicenus mit dem Toaste auf das Curatorium der Akademie in seinem früheren und gegenwärtigen Bestände. Im Namen der ehemaligen und jetzigen Curatoren erwiederte Herr Oberpräsident von Kuhlwetter mit folgenden Worten: „Mir ist der Auftrag geworden, im Namen der Curatoren den Dank auszusprechen, den wir der freudigen Erinnerung gegenüber, die uns zu Theil geworden, vollauf empfinden. Es ist ein bemerkenswerther Zufall, dass vier Vorsitzende des Curatoriums der Akademie hier gegenwärtig sind. Allen war und ist ihre Mitwirkung in akademischen Angelegenheiten eine liebe Zugabe zu ihrer amtlichen Thätigkeit. Meine Sympathien für die Düsseldorfer Kunst und ihre Jünger wurzeln in einer altern Vergangenheit, denn mir war es noch vergönnt, mit dem Altmeister Peter von Cornelius und seinem Nachfolger Wilhelm von Schadoiv in persönlichem Verkehr zu stehen. Schnaase, Immermann, von Uechtritz — Namen, die mit der Geschichte der Akademie unzertrennlich verbunden sind — waren meine Berufsgenossen, in deren Gemeinschaft sich mir das Verständniss der Kunst und ihrer Bestrebungen eröffnete. Ich war der Akademie kein Fremdling mehr, als ich an die Spitze des Curatoriums trat und an der Spitze desselben den trefflichen Eduard Bendemann fand, der die Geschicke der Akademie in demselben Geiste leitete, wie sein Vorgänger. Sie war eiue Normalschule geworden für Inland und Ausland. Die alte Streitfrage, ob Kunstakademien der Ent- wickelung der Künste förderlich seien, oder ob man zur Ausbildung in die Privatateliers bewährter Künstler zurückzukehren habe, hatte sich in Düsseldorf praktisch gelöst; die Düsseldorfer Akademie war niemals eine Lehranstalt, in welcher angehende Künstler dressirt wurden und die Kunst zu malen auf Regeln gesetzt ward. Schadoiv''s Meister- classe war eine wirkliche Vereinigung selbständiger Meister, jeder in seiner Eigenart, alle in ihrer Gemeinschaft mehr bietend, als der Einzelne zu bieten vermag. Doch ich kehre zu den Curatoren zurück, die sich bewusst sind, dass sie zum Aufblühn der Düsseldorfer Schule nur Weniges haben beitragen können. Ihre Aufgabe konnte nur sein, nach Aussen hin zu fördern und Hindernisse zu beseitigen, welche der gedeihlichen Entwicklung sich entgegenstellten. Das Verdienst gebührt den Künstlern und dem Geist, der sie beseelte. Und so liegt es mir denn nahe, die Düsseldorfer Künstler insgesammt zu ehren und ihnen den Ruhm des Tages zuzuwenden, das ist aber Seitens eines der Herren Redner bereits geschehen. Aus dem Kreise der Künstler sondere ich daher noch diejenigen ab, die den Curatoren am nächsten gestanden und ihnen die Lösung ihrer Aufgabe ermöglicht haben, ich meine die Directoren der Akademie. Darum dem deutschen Meister Cornelius und dem grossen Organisator von Schadoiv ein stilles Glas; den noch lebenden Directoren aber ein Hoch der Verehrung und der Anerkennung. Sie leben hoch!" Der nächste Toast galt der Bauleitung des Neubaus und umschloss die Bauräthe des Ministeriums und der Regierung sowohl wie den Architekten Riffart und die Bauführer. Professor J. Roeting kleidete diesen Toast in die folgenden Worte: „Ich schätze mich glücklich, im Auftrage des Lehrer-Collegiums der Männer gedenken zu dürfen, welche in harmonischem Zusammenwirken den Bau geschaffen, den wir heute eingeweiht haben. Ich gedenke vor Allem des Herrn Baumeisters Riffart, welcher mit Unterstützimg der Herren von der Bauleitung es verstanden hat, ein architektonisches Kunstwerk zu schaffen, welches in praktischer, wie in ästhetischer Beziehung seiner Bestimmung im höchsten Grade entspricht. 59 Ich gedenke ferner der fürsorglichen Aufsicht des Kreisbauamtes, sowie der hohen Königlichen Regierung bis hinauf zum Ministerium für öffentliche Arbeiten, deren höchste Vertreter wir unter uns zu sehen die Ehre und die grosse Freude hahen. Meine Herren! Wenn wir zurückblicken auf die alte Akademie mit ihren dunklen, unansehnlichen Räumen und nun eintreten in den lichten neuen Prachtbau, ausgestattet mit königlicher Freigebigkeit, so müssen wir freudig bekennen, dass unsere sehnlichsten Wünsche und kühnsten Erwartungen übertroffen worden sind. Wir, die wir berufen und so glücklich sind, in diesen herrlichen Räumen schaffen und wirken zu können, sagen daher allen jenen hochverehrten Männern, welche in der einen oder anderen Weise bei der Ausführung des Baues betheiligt gewesen sind, unseren aufrichtigsten Dank. Ich bitte Sie, die Gläser zu erheben, und auf ihr Wohl zu trinken." Hierauf hielt Professor Woermann die Tischrede auf's Gedeihen der wissenschaftlichen Schwesteranstalten der Provinz und der Stadt, deren Vertreter am Festmahl theil- nahmen, vor allen Dingen also der Universität Bonn, des Polytechnikums Aachen, sowie des Gymnasiums, der Eealschule und der Luisenschule von Düsseldorf. Ihr Wortlaut war dieser: „Hochverehrte Festgenossen! Das Doppelbanner der Wahrheit und der Schönheit — so scholl es heute Morgen von verschiedenen Lippen — wollten wir aufpflanzen auf die Zinnen unserer Akademie. Aber unsere Akademie — so musste ich schon heute Morgen hinzufügen — vertritt nur eine der grossen Geistesmächte, welche berufen sind, die Menschheit zu erziehen und zu erheben. Ohne Neid erkennen wir an, dass die andere grosse Geistesmacht, welche neben der Kunst steht, dass die Wissenschaft, wie sie auf den Universitäten und polytechnischen Schulen der erwachsenen, auf Gymnasien und Realschulen der noch zarteren Jugend mitgetheilt wird, unmittelbarer noch, als unsere Kunst, Hand anlegt an die Erziehung des Volkes. Müssten wir unser Doppelbanner theilen, wir müssten jenen Schwesteranstalten das Banner der Wahrheit überlassen und uns mit dem Banner der Schönheit begnügen. Aber dankerfüllten Herzens sehen wir, dass die Vertreter jener grossen wissenschaftlichen Schwesteranstalten zu Bonn und Aachen, dass die Vertreter unseres Gymnasiums und unserer anderen höhern Lehranstalten in unserer Mitte sitzen und Theil nehmen an unserer Festfreude. Diese Theilnahme begrüssen wir als die Bürgschaft ihrer Theilnahme an den Aufgaben, die uns zufallen. Nicht nur ergänzen wollen wir uns gegenseitig. Ihnen bleibt ein gutes Stück der Schönheit, wie uns ein gutes Stück der Wahrheit. Gemeinsam wollen wir hochhalten das köstliche Banner. Wie bei den alten Griechen das Gute und Schöne zu einem Begriffe verschmolz, so wollen wir das Wahre und das Schöne vom Guten nicht trennen. Im Namen des feierlichen Dreiklangs „wahr, gut, schön" fordere ich Sie auf, mit mir auf das Wohl des Herrn Rectors der Universität Bonn, des Herrn Directors des Polytechnikums Aachen und der Herren Vertreter unserer Düsseldorfer Schulen zu trinken. Sie leben hoch!" Hierauf erwiederte zunächst der Rector der Universität Bonn, Professor Dr. von Hanstein. Er verwahrte sich dagegen, dass die Worte, welche er am Morgen in der Aula gesprochen hatte, dahin missgedeutet würden, als ob er die Bedeutung des Wehrstandes neben dem Lehrstande und dem Nährstande gering achtete. „Das sei ferne von mir", sagte der Redner, „wie könnte ich die gering achten, deren starke Arme die Nation nach Aussen schützen, die das Reich gemehrt und gegründet haben? Wie 8* 60 könnten wir Arbeiter auf dem Gebiete der Kunst und Wissenschaft irgend etwas leisten, wenn der Wehrstand um unsere friedsamen Arbeitsplätze nicht eine feste Mauer baute? Gestatten Sie mir, auf das botanische Gleichniss von diesem Morgen zurückzukommen und es zu vervollständigen. Wenn sich der Nährstand mit den Wurzeln und Blättern des nationalen Entwicklungsbaumes vergleichen lässt und Kunst und Wissenschaft dessen höchste Sprossen und Blüthen darstellen, so ist der Wehrstand dessen kräftiger Stamm, der die beiden andern stützt und trägt und vei'bindet und ihr Zusammenwirken allein möglich macht." Nachdem er an dieses Zusammenwirken wiederangeknüpft hatte, fuhr der Redner fort: „Meine Herren! Wie wir hier alle so gemüthlich zwischen einander sitzen, die Arbeiter im Felde der Kunst und Wissenschaft und mit ihnen als dritte die, durch deren weise Leitung die speciellen Thätigkeiten jener beiden eben zu gemeinsamer Wirksamkeit, mit und neben einander geregelt werden, die Herren von der Verwaltung, die so zahlreich unter uns sind, und an Allem hier so liebenswürdig Antheil nehmen — meine Herren — fühlen wir da nicht Alle ein eigenthümliches Behagen der Zusammengehörigkeit und prägt sich in diesem Behagen nicht unmittelbar und instinctiv die Ueberzeugung aus, wie überaiis erspriesslich grade dies Zusammenwirken der geistigen Interessen ist. Wenn der Herr Vorredner treffend bemerkt hat, dass Kunst und Wissenschaft nicht ausschliesslich, jene das Schöne zu pflegen, diese das Wahre zu suchen habe, dass vielmehr jede auch des andern Bestreben ihr Interesse widmen müsse, so wird immerhin vorzugsweise die Kunst dem Schönen, die Wissenschaft dem Streben nach dem Wahren huldigen. Nun wolü, meine Herren, hoffen und wünschen wir denn, dass die dritten im Bunde, die heute so gemüthlich unter uns sitzen, die Herren von der Verwaltung, für uns Beide immerdar das Gute dazu thun mögen. Lassen Sie uns vereint dahin streben, dass fortan alles geistige Wirken, welcher Richtung es angehöre, zusammen gehe und den ganzen Idealismus, die ganze nationale geistige Kraft, in welcher wir Deutschen heute noch von keinem anderen Volke übertroffen sind, zu immer grösserer Entfaltung bringe. Lassen Sie uns trinken auf das stete innige und kräftige Zusammenwirken aller geistigen Kräfte unserer Nation zum Gedeihen derselben und, was mir natürlich heute am Nächsten liegt, auf das fernere treue schwesterliche Zusammengehn der beiden rheinischen Hochschulen zu Düsseldorf und Bonn." Hieran schloss sich die Erwiederung des Directors des Aachener Polytechnikums an. Herr Geh.-Rath von Kaven sprach: „Meine Herren! Ich bitte um die Erlaubniss, nachdem ich zu meinem grossen Bedauern heute Morgen etwas verspätet eintraf, jetzt noch nachträglich der Akademie die Glückwünsche des Collegiums der rheinisch-westphälischen technischen Hochschule überbringen zu dürfen. Ich werde für die Gewährung um so dankbarer sein, als die Künstler bekanntlich am meisten auf Pünktlichkeit halten und weil bei der vorgerückten Zeit ich um so mehr Ihre Geduld in Anspruch nehme. Meine Herren, es war bekanntlich die Absicht des hochseligen Königs Friedrich Wilhelm III., nachdem der Rheinprovinz eine Hochschule in Bonn gegeben war, dass in Düsseldorf eine Kunstschule und ein polytechnisches Institut errichtet werden sollten. Die Ausführung scheiterte aber an Cornelius Einsprache, „dass man eine Kunstschule mit einer Lehranstalt der höheren Mathematik nicht vereinigen könne, weil man Leonardo zu ihrer Leitung nicht von den Todten auferwecken könne." 61 So ist denn die polytechnische Schule in Aachen nicht mit der Akademie vereinigt worden und erst 1870 in Wirksamkeit getreten. Sie sollte, wie sich der warme Gönner Ihrer Anstalt und der unsrigen, Herr Ober-Präsident von Kuhlwetter, bei der Grunsteinlegung des Polytechnikums ausdrückte „das für die Industrie und Technik der Provinzen werden, was Düsseldorf für die Kunst und Bonn für die Wissenschaft ist." Wenn nun auch eine Vereinigung, durch welche die technische Hochschule nach vielen Richtungen hin fördernde Anregung erfahren haben würde und die sie deshalb zu wünschen Ursache hatte, nicht hat stattfinden können, so ist doch nur eine räumliche Trennung vorhanden. Ich darf versichern, dass unsere Wünsche für die Akademie, unsere Theilnahme an ihren Erfolgen warm und umfassend sind und dass die technische Hochschule sich sehr glücklich sehätzen würde, gute Beziehungen zu der Akademie stets zu pflegen, zu einer Anstalt, deren Bestrebungen und Leistungen die Anerkennung der civilisirten Welt gefunden haben und finden werden, so lange es eine deutsche Kunst geben wird, das heisst: „zu allen Zeiten." Meine Herren! Nachdem bei diesem Festmahle in zahkeichen vortrefflichen Toasten die Bedeutung Alles dessen, was mit der Akademie in nächstem Zusammenhange steht, hervorgehoben worden ist, bitte ich noch auf ein Unternehmen aufmerksam machen zu dürfen, welches durch die Unterstützung und Theilnahme der Akademie und der hiesigen Künstler so erhebliche Förderung erfahren wird. Es ist dies die für das nächste Jahr von patriotischen Männern dieser Stadt und der Provinzen geplante Gewerbe-Ausstellung für Rheinland-Westphalen, welche mit einer Kunstausstellung verbunden sein wird. Die Männer, welche den Muth hatten, sich an die Spitze zu stellen, haben die Absicht, eine grosse That zu thun. Das Gelingen ist sicher, denn die bisherige Leitung dieses Unternehmens genügt für die Thatkraft, Intelligenz und die Ausdauer Derer, welche dies Unternehmen geplant haben. Diese Männer haben es unternommen, nachdem die Industrie aufzuathmen beginnt, sie zum Selbstvertrauen anzuregen und zu beweisen, dass die eigene Kraft in der Besiegung von Schwierigkeiten erstarkt ist und dass man sich selbst zu helfen weiss. Wh - dürfen hoffen, dass die Erwartungen dieser wahren Patrioten sich verwirklichen werden, wenn sie ihr Unternehmen darauf stützen, „dass Deutschland, welches durch die Thatkraft der Nation unter Führung des Kaisers seine Machtstellung sich sicherte, nicht gewillt ist, in dem friedlichen Wettstreite der Künste und Gewerbe hinter anderen Nationen zurückzustehen." Durch das Gelingen dieses Unternehmens wird ein ruhmreiches Blatt in die Geschichte dieser Stadt und der Provinzen eingefügt werden. Ich bitte Sie, auf den Erfolg der Ausstellung und auf das Wohl ihrer hochverdienten Leiter ein volles Glas leeren zu wollen." Jetzt erhob sich Professor Dücker, um den ausserakademischen Künstlern Düsseldorfs den freudigen Willkommgruss der Akademie zuzutrinken. Er sagte: „Es ist mir der ehrende Auftrag geworden, die Künstlerschaft Düsseldorfs auf unserm Feste zu begrüssen. Zunächst wende ich mich an Sie, meine Herren, welche als Lehrer oder Schüler unserer Anstalt angehört haben; ich darf wohl die feste Ueber- zeugung aussprechen, dass Sie auch heilte noch für diese dasselbe Interesse und dieselbe Theilnahme bewahrt haben werden, dass Sie das Band, welches Sie früher mit uns verknüpft hat, nicht als aufgelösst betrachten. ____ 62 ____ Aber auch Sie, meine Herren, die Sie nicht in directer Beziehung gestanden haben, werden fühlen, dass mit dem Gedeihen der Akademie der freien Kunst neue frische Kräfte zugeführt werden, und dass nur durch unser festes Zusammenhalten und gegenseitiges Ergänzen unsere Lehranstalt ihren Zweck ganz erfüllen kann. Dass die Künstlerschaft jederzeit von diesem Gedanken beseelt gewesen ist, dass Sie in guten und bösen Tagen uns mit Rath und That zur Seite gestanden hat, erlauben Sie mir hier dankbar anzuerkennen; Sie haben uns treu geholfen, unsere Feste verherrlichen, und wenn unsere Kraft nicht ausreichte, ein Hinderniss zu beseitigen, dann standen Sie uns zur Seite und mit Ihrer Hülfe erreichten wir, was ohne Sie unmöglich schien. Damals als wir alle Hoffnung aufgegeben hatten, das Project des Wiederaufbaues der alten Schlossruine abzuwenden, traten Sie für uns mit einer Petition ein, und das Resultat war glänzend; der herrliche Neubau, den wir heute weihen, legt beredtes Zeugniss dafür ab. Im Namen des Collegiums, hochverehrte Herren, sage ich Ihnen nochmals den wärmsten Dank mit dem Wunsch, dass unser festes Zusammenhalten ein immer innigeres werde und dass die Düsseldorfer Künstlersehaft noch lange blühe und gedeihe. In diesem Sinne fordere ich die geehrte Versammlung auf, das Glas mit mir zu erheben, die Düsseldorfer Künstlerschaft, sie lebe hoch!" Im Namen der Düsseldorfer Künstlerschaft antwortete Professor W. Camphausen: „Gestatten Sie mir als Antwort auf die freundliche Begrüssung des Herrn Vorredners Ihnen zunächst den Trinkspruch eines der Nestoren Alt-Düsseldorfs und einstigen hochverehrten Mitbegründers seines Ruhmes, des Altmeisters Professors Julius Hubner aus Dresden mitzutheilen, den er, leider selbst verhindert, mir darzubringen aufgetragen hat. Derselbe lautet: „Ich seh' im Geist die altersgrauen Hallen, Die unser jugendfrischer Muth beleht, Wo wir zu höchsten Zielen kühn gestrebt, Das alte Schloss am Rhein vorüberwallen. Und wie es dann der Flammen Wuth verfallen, • Bin Phönix, neu verjüngt, der Glut entschwebt, Als stolzer Kunstpalast sich jetzt erhebt, Soll es mein Spruch begrüssen auch vor Allen! „Dass es ein Tempel sei, wo, wie im alten, „Getreue Priester am Altare walten, „Der Jugend Kraft zum Ideal erzieh'n!" Als Altgesell' bring ich dem neuen Haus Mit vollem Glas den Handwerkssegen aus: „Jungdüsseldorf soll wachsen, grünen, blüh'n!" Hieran knüpfend, nehmen Sie, meine Herren von der Akademie, den Ausdruck unseres herzlichsten Dankes für die ehrende Anerkennung, die Sie uns, der ausserakademischen Künstlerschaft, so eben ausgesprochen haben. Ja, meine Herren, die immer reichere Entfaltung unserer altehrwürdigen rahmbedeckten alma mater academica, welche heute in ihrem in Wahrheit phönixgleich aus der Asche erstandenen- neuen Tempel auch eine neue schöne Gewähr ihrer Zukunft erhalten hat — sie ist auch für uns von der grössten Bedeutung. / 63 Mit pietätvoller Dankbarkeit haben wir es begrüsst, dass sie, unsere erhabene Mutter, unter deren sorgfältiger Erziehung so viele von uns zu selbständigem Schaffen herrangereift sind, uns, ihre Söhne und Enkel in so reicher Zahl heute an ihrem Ehrentage zu Gast geladen hat. Wir wissen ihr dafür kein besseres Gastgeschenk zu bieten, als die Versicherung, dass wir Alle mit Stolz der schönen rosigen Jugendjahre gedenken, da wir als begeisterte Novizen in ihrem Schoosse gesessen und ihrer Zucht anvertraut waren, dass wir nun auch ihr ferneres Lehramt mit den aufrichtigsten Glückwünschen begleiten werden. Ist sie doch die nächste Pflanzstätte des jungen Nachwuchses, der da einst bestimmt ist, unsre Eeihen zu ergänzen und zu vermehren, der zukunftverheissende Bezirk, aus dem die Genossenschaften, die zu vertreten ich die Ehre habe, in erster Linie sich recrutiren müssen für ihre streitbare Schaar in der Armee des edlen Wettkampfes um die Palmen segensreicher Friedenszeiten! Und wie sie unsern Körperschaften neues frisch pulsirendes Lebensblut, neue tapfere Genossen zuführt, so finden diese bei uns ja auch wieder die Vorzüge, um die unsre Düsseldorfer Zunft bei allen andern Künstlerschaften im Reich beneidet wird. Hier eine festgegliederte Organisation in geschäftlichen Fragen, brüderlich solidarisches Zusammenstehn wider Noth und Unbill auf Künstlers Erden wallen — wie sie ja keinem Sterblichen erspart werden, — dort anregende Geselligkeit und Erholung zur Feierabendstunde, die ja auch ihre belebenden Reflexe wirft auf des nächsten Morgens ernstes Schaffen in der Stille der Werkstatt. Und so möge denn solche glückliche Wechselwirkung in unserm Künstlerleben stets erfolgreicher für das Erringen der idealen Ziele unserer Mühe werden und sich unser genossenschaftlicher Verkehr in dem Bewusstsein der Zusammengehörigkeit immer freundschaftlicher, immer fester gestalten! Dazu bieten wir Ihnen heute aufrichtig und herzlich Gruss und Handschlag und auf diesen ungetrübten harmonischen Einklang zwischen Ihrer würdigen Akademie und dem treubewährten Unterstützungsverein, wie unserm lustigen alten Malkasten lassen Sie uns ein ehrlich gemeintes und kräftiges Hoch ausbringen!" Nach dieser Rede erhob sich aus dem Kreise der noch activen Schüler der Akademie Hans Dahl, der wackere junge Norweger, und lieh beredt und warm den Gre- fühlen Ausdruck, welche die Schüler an diesem feierlichen Tage auf dem Herzen hatten. Er sprach von ihrer Anhänglichkeit an die Akademie, von ihrer Dankbarkeit gegen die Lehrer und von ihrem redlichen Streben, das beste zu leisten. Die Zeit war schon zu weit vorgerückt, als dass weitere Reden sich noch hätten Gehör verschaffen können. Auch der Professoren Antwort an die Schüler verhallte im immer lauter werdenden Festjubel. Nach acht Uhr Abends trennten die Festgenossen sich. Die eine Hälfte, in welcher sich die Minister befanden, begab sich in den „Malkasten", der, ohne dieses Mal eine besondere Aufführung veranstaltet zu haben, seine Pforten gastfrei, wie immer, öffnete; die andere Hälfte, in welcher sich die Mehrzahl der Akademieprofessoren befand, zog auf die feierliche „Kneipe", welche die Schüler nach guter altakademischer Sitte in einem besonderen, festlich geschmückten Räume (Klosterstrasse Nr. 36.) veranstaltet hatten. Sogar der Herr Cultusmimster von Puttkamer beehrte die „Schülerkneipe" noch Abends um zehn Uhr mit seinem Besuche. Das war der Schluss des Festes. Es versteht sich, das auch auf der Schülerkneipe noch viele Reden gehalten worden sind: von Andreas Müller und Peter Janssen, von Hans Dahl, H. Vogel und 0. Kirberg und vielen anderen. Kein 64 Stenograph hat sie der Nachwelt aufbehalten. Der Verfasser dieser Denkschrift musste jedoch, auf Wunsch seiner Collegen, den Toast auf die Schüler, der in der Tonhalle nicht mehr zur Geltung gekommen war, jetzt aber ein freundliches Gehör fand, noch einmal halten. Es sei ihm gestattet, mit diesem Trinkspruch seinen Festbericht zu schliessen. Er lautete: ,,Meine Herren! Aus den Toasten, die heute gehalten worden, müsste es auch demjenigen, der es nicht wüsste, klar geworden sein, dass unsere Kunstakademie ein stattlicher Baum ist, der seine Aeste hoch hineinstreckt in den blauen Himmel und von oben mit warmem Sonnenscheine-bedacht wird. Dankbar erkennen wir das an. Aber was wäre der stattliche Baum ohne die jungen, alljährlich sich erneuernden Knospen und Blätter, Blüthen und Früchte? Was wäre die Akademie ohne ihre Schüler? Meine Herren! Unsere Zukunft liegt in unserer akademischen Jugend, unsere Hoffnung beruht auf den Schülern unserer Akademie. Wir fürchten nicht, nein, wir hoffen, dass die Kunstgeschichte späterer Jahrhunderte in unserer Generation nur die Vorbereitung, in ihrer die Erfüllung des höchsten anerkennen wird," 65 Anmerkungen zur zweiten AMheilung. !) Vgl. unten Anm. 7 ). 2 ) Referat des „Düsseldorfer Volksblatt" vom 21. Oct. 1879. Die Ansprachen konnten, mit Ausnahme derjenigen der beiden Herren Minister und des Herrn Oberpräsidenten der Rheinprovinz, nach den eigenhändigen Aufzeichnungen der Redner wiedergegeben werden. Die Herren Minister haben die Wiedergabe nach den Zeitungsberichten gütigst gestattet. 3 ) Referat des „Düsseldorfer Anzeiger" vom 21. Oct. 1879. 4 ) Diese Rede ist unter dem Titel „Die alten und die neuen Kunstakademien" bereits als besondere Schrift im Verlage dieser Denkschrift erschienen. 5 ) D.h. 1726 erhielt Wien zuerst eine Akademie im Sinne der modernen Staats-Anstalten. Schon am Ende des siebzehnten Jahrhunderts besass Wien in der Akademie Peter Stnidel's eine Akademie mehr im Sinne derjenigen der Caracci. In seiner vortrefflichen „Geschichte der Wiener Akademie", die der Verfasser für seine Rede wiederholt benutzt hat, sagt Carl von Lützoio (S. 1—2), die Stritdel'sche Akademie habe vorwiegend den Charakter einer unter kaiserlicher Protection stehenden Privatanstalt ohne bestimmte Fonds und eigentliche Statuten gehabt. 6 ) Der Verfasser hat den Ausdruck „quasi" erst jetzt hineingebracht; es ist doch gewagt, mit der Mehrzahl der Geschichtsschreiber über neuere Kunst, ohne dieses „quasi" von einer „Ausweisung" Overbeck's zu reden; denn C. v. Lützoio hat in seiner Geschichte der Wiener Akademie (S. 87, Anm. 2) constatirt, dass sich in den Acten und Protocollen der Anstalt keinerlei Spuren dieses Vorganges erhalten haben; und einer der Betroffenen, L. Vogel, spricht im Jahre 1872 in einem Briefe an Ernst Förster (dessen P. v. Cornelius I, S. 121) auch nur davon, dass sie „quasi" ausgestossen worden seien. 7 ) Abgesehen von den jetzigen Lehrern und Schülern der Akademie, lässt sich die Liste der erschienenen Festgäste folgendermassen nach Gruppen ordnen. I. Gäste aus Berlin: 1) Se. Excellenz Herr Cultusminister v. Puttkamer. 2) Se. Exe. Herr Finanzminister Bitter. 3) Herr Ministerialdirector Greift. 4) Herr Ministerialdirector Weishaupt. 5) Herr Geh. Oberbaurath Giersberg. 6) Herr Geh. Ober-Regierungsrath Dr. Sehoene. n. Auswärtige Gäste aus den Provinzen: 7) Se. Exe. Herr Oberpräsident von Bardeleben aus Coblenz. 8) Se. Exe. Herr Oberpräsident von Kühlwetter aus Münster. 9) Herr Oberpräsident Frhr. v. Ende aus Cassel. 10) Herr Regierungspräsident Hoffmann aus Aachen. 11) Herr Regierungspräsident von Bernuth aus Cöln. 12) Herr Regierungspräsident von Neefe aus Coblenz. 13) Herr Geh. Rath Beseler, Curator der Universität Bonn. 14) Herr Prof. Dr. v. Hanstein, Rector der Universität Bonn. 15) Herr Geh. Rathv. Kaven, Director des Polytechnikums zu Aachen. III. Düsseldorfer Gäste. A. Vertreter der Civil- und Militärbehörden, der Kirche, der Schule u. s. w.: 16) Herr Regierungspräsident von Hagemeister. 17) Herr Landesdirector Frhr. von Landsberg. 18) Herr Ober- Forstmeister v. d. Reck. 19) Herr Ober-Regierungsrath von Schütz. 20) Herr Ober-Regierungsrath von Roon. 21) Herr Schlosshauptmann Frhr. von Maerken. 22) Herr Kammerherr Graf Roedern. 23) Herr Generalmajor von Dallmer. 24) Herr Generalmajor von Rauch. 25) Herr Oberst von Lützow. 26) Herr Oberbürgermeister Becker. 27) Herr Erster Staatsanwalt von Guerard. 28) Herr Landgerichts - Präsident Becker. 29) Herr Generalconsul Crowe. 30) Herr Consul Vicomte de Fontenay. 31) Herr Consul Heiander. 32) Herr Beigeordneter Dr. Hausmann (wie die beiden folgenden als Vertreter des Kunst Vereins). 33) Herr Assessor Dr. Ruhnke. 34) Herr Assessor a. D. Courth. 35) Herr Gymnasialdirector Dr. Kiesel. 36) Herr Realschul-Director Dr. Boettcher. 37) Herr Director Uellner. 38) Herr Rector Viehoff. 39) Herr Pfarrer Nottebaum. 66 40) Herr Pfarrer Petersen. 41) Herr Stempelfiscal Geh. Kath Graeff. 42) Herr Regierungs-Bau- rath Lieber. 43) Herr Baurath Sehroers. 44) Herr Archivrath Dr. Harless. 45) Herr Ober-Post- Director Lehmann. 46) Herr Beg.-Eath Steinmetz. 47) Herr Musik - Direetor Tausch. 48) Herr Eeg.-Baurath Denuiughoff. 49) Herr Beigeordneter Feistel. 50) Herr Stadtverordneter Pfeiffer. 51) Herr Stadtverordneter Windscheid. 52) Herr Stadtverordneter Euler. 53) Herr F. Windscheid. 54) Herr Eabbiner Dr. Wedell. 55) Herr Beg.-Schulrath Griebe. 56) Herr Reg.-Schul- rath Dr. Dyckerhoff. 57) Herr Prof. Dr. Eovenhagen. B. Künstler, a) Architekten: 58) Herr Baumeister Riffart. 59) Herr Bauführer Philipp. 60) Herr Bautechniker Adami. b) Maler, welche früher mit der Akademie in Verbindung gestanden (E. Bendemann, Osw. Achenbach und K. Irmer hatten leider, wie die auswärtigen, abgesagt): 61) Herr A. Flamm. 62) Herr P. Schick. c) Maler vom Vorstand des Malkastens, welche erschienen waren: 63) Herr Prof. W. Camphausen. 64) Herr Prof. E. Hunten. 65) Herr 0. Erdmann. 66) Herr Theodor von Eckenbrecher. 67) Herr H. Krüger. 68) Herr V. St. Lerche. 69) Herr Fr. Roeber. 70) Herr W. Simmler. d) Künstler, welche als Vorstandsmitglieder des Künstler-Unterstützungs-Vereins erschienen: 71) Herr Aug. Becker. 72) Herr Reg.-Baurath Borggreve. 73) Herr von Bernuth. 74) Herr E. Bosch. 75) Herr F. Ebel. 76) Herr E. Hartmann. 77) Herr F. W. Lindlar. 78) Herr H. Oehmichen. 79) Herr Hans Dahl. 80) Herr 0. Rethel. 81) Herr G. E. Schuback. 82) Herr F. Schultze. 83) Herr Prof. R. Stang. e) Maler, welche der directen Einladung der Akademie Folge geleistet: 84) Herr Prof. A. Achenbach. 85) Herr Prof. A. Baur. 86) Herr Louis Blanc. 87) Herr Prof. Chr. Boetteher. 88) Herr Prof. R. Jordan. 89) Herr Prof. A. Leu. 90) Herr A. Seel. 91) Herr Prof. R. Siegert. 92) Herr Prof. B. Vautier. 93) Herr C. Classen. 94) Herr Fr. Böser. 95) Herr J. Kehren. 96) Herr F. H. Commans. 97) Herr Kupferstecher E. Forberg. 98) Herr F. Hiddemann. 99) Herr Prof. C. Lasch. 100) Herr L. Munthe. 101) Herr G. von Bochmaun. 102) Herr L. Bockelmaun. 103) Herr F. J. Fagerlin. 104) Herr R. Burnier. 105) Herr Carl Sohn. Dazu kamen 14 Mitglieder des Lehrer-Collegiums, einschliesslich des Inspectors Holthausen und Dr. med. G. Windscheid, sowie 20 Schüler der Akademie. Zusammen nahmen also 129 Personen an der Festtafel Theil, wenn nicht der eine oder der andere noch im letzten Augenblicke ausgeblieben ist. 8 ) Festessen: Soupe ä la reine. Westphälischer Schinken mit Burgundersauce. Maccaroni-Croquettes. Krammetsvögel mit Mainzer Sauerkraut und Erbsenmus. Rheinsalm. Sauce Mayonnaise. Rehfilet. Sauce poivrade aux truffes. Poulardes du Mans. Salat. Compot. Prinz-Pückler. Dessert. Früchte. 67 Dem Tonhallen-Keller wurden folgende Weine zu diesem Essen entnommen: Niersteiner, Brauneberger und Medoc als Tischweine; Bodenheimer Auslese und Zeltinger Schlossberg als feinere Weine; Heidsieck Monopole als Champagner. 9 ) Programm der Tafelmusik: 1. Festmarsch aus „Judas Maccabaeus"..... v. Ha ende 1. 2. Ouvertüre zum „Freischütz"........ v. C. M. v. Weber. 3. Präludium, Chor un.d Cavatine aus dem „Schwur" v. Mercadante. 4. ungarische Tänze............ v. J. Brahms. 5. Ouvertüre zum „Titus".......... v. Mozart. 6. Fantasie aus Gounod's „Faust"....... v. Diethe. 7. Künstlerleben. Walzer .......... v. Strauss. 8. Finale aus dem „Lohengrin"........ v. R. Wagner. 9. La Paloma. Mexicanisches Lied....... v. Yradier. 10) Referat des „Düsseldorfer Volksblatt" vom 21. Oct. 1879. H) Wie Anm. 10). i*) Wie Anm. «>).