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Ein Blick hinüber übers Grab
Entstehung
Seite
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21zeit noch eine gottsuchende und gottliebende werden könnte.Nein, hierüber ist das Erdenleben entscheidend; das istund bleibt seine gottverliehene ernste Bedeutung. Drübenkann man Gott bloß entweder haben oder nicht haben,aber nicht mehr suchen und finden, nachdem man ihn seinLeben lang geflohen hat; man kann Entwicklungen, die aufErden angefangen sind, fortsetzen und weiter führen, abernicht neue, der bisherigen Lebensrichtung stracks entgegen-gesetzte beginnen. Hiezu fehlen drüben die Anregungenvon außen her, welche uns im Erdenleben durch unsreSinne, namentlich durch Hören und Sehen zugeführt werden;hiezu ist das Leben der abgeschiedenen Seele zu sehr einzusammengefaltetes, in sich selbst sich bewegendes Innen-leben. Hier ist die Kluft befestigt, von welcher Abrahamdem reichen Mann sagt; hier gilt das Wort des Hebräer-briefs: Es ist dem Menschen gesetzt einmal zu sterben,darnach aber Gericht allerdings nichtdas Ge-richt, wie Luther übersetzt, denndas Gericht, das ab-schließende, ist erst das Weltgericht, aberein Ge-richt, das heißt: kraft göttlicher Ordnung ein Zustand,welcher der bisherigen inneren Stellung zu Gott entspricht,wie die Ernte der Saat. Wollten wir in der Zeit zwischenTod und künftiger Vollendung noch einen Übergang vonder Linken zur Rechten, von der Pein der Unseligkeit zumseligen Sein beim Herrn für möglich halten, so müßtenwir ja folgerichtig auch das Umgekehrte als möglich denken,daß ein im Herrn Entschlafener drüben wieder abfiele.Und dagegen werden wir uns doch mit aller Kraft verwahren.Nein, so flüssig, so gestaltlos kommen die Menschen nicht hinüber,daß aus jedem noch alles werden könnte; die Grundgestalt istfertig, die Grundrichtung ein für allemal eingeschlagen, Um-kehr nach der einen oder andern Seite hin giebt's nicht mehr.Aber innerhalb der Grundrichtungen findet allerdingseine weitere Entwicklung statt, dem Endgericht entgegen.Die Gottesflucht, der Widerwille gegen Gott und