Druckschrift 
Ein Blick hinüber übers Grab
Entstehung
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Wie viel verändert sich doch, wenn man an einemSterbebett steht, mit dem letzten Atemzug, dem letztenSeufzer des Sterbenden! Es ist als fiele ein Vorhangder zwischen uns und dem Sterbenden mit einemmal ab-schließt. Eben noch hat er uns angesehen, eben noch hater ein Abschiedswort gesprochen; und wenn auch das Auge,mit dem er uns anblickte, ein brechendes war, wenn auchdie Zunge, die das Abschiedswort redete, nur noch zustammeln vermochte es war doch noch ein Verkehr dazwiſchen ihm und ſeiner Umgebung. Jetzt iſt's mit einem-mal aus. Es ist nicht mehr ein Mensch, nicht mehr einebewußte Persönlichkeit, die vor uns liegt, sondern eine toteAnhäufung von Stoffen, darin kein Sehen, kein Hören,kein Reden, Fühlen, Teilnehmen mehr ist. Der Menschselbst, die lebendige, selbstbewußte Persönlichkeit ist fort.Wohin? Was ist aus ihr geworden?Ja, das ist die Frage. Hier hängt der Vorhang undschließt unerbittlich ab. Was wollen wir sagen und thun?Wollen wir uns in dumpfer Resignation vor diesen Vor-hang setzen und sagen:Hinter dem Vorhang ist der Ab-grund des Nichts, des völligen Vergehens, mit dem Todist alles aus? Das können wir als Christen, ja als ver-nünftig denkende Menschen nicht. Oder wollen wir demVorhang leichtsinnig den Rücken zukehren und sagen:Wasgeht mich das an, was nachher sein wird? Jetzt lebt man,und nur einmal lebt man, also fort mit den Grillen, freuteuch des Lebens, pflücket die Rose, eh' sie verblüht! Daskönnen wir wiederum als Christen nicht. Oder wollen wir