20konnten, und für welche deshalb in der jenseitigen Weltirgend welche Veranstaltungen getroffen sein müssen, eineFortsetzung der von Jesus selbst zwischen seinem Tod undseiner Auferstehung angefangenen Totenpredigt, — sondernich denke dabei auch an diejenigen, welche während ihresErdenlebens im vollen Licht der Wahrheit standen und alleGelegenheit hatten, dieselbe zu erkennen. Auch sie sindnicht abgeschlossen und fertig. Fertig ist bloß das Voll-endete, Vollkommene; vollendet werden aber kann der ein-zelne der Natur der Sache nach nicht für sich allein, wedernach der göttlichen noch nach der widergöttlichen Seite hin,sondern vollendet werden kann jeder bloß im ganzen undmit dem Ganzen (Hebr. 11, 40). Offenb. 6, 9 ff. klagendie um des Wortes Gottes willen Erwürgten, daß Gottesabschließende Gerichte so lange zögern, und sie werdendarauf verwiesen, daß die andern, welche noch um Christiwillen sterben sollten, auch noch dazu kommen müßten. Hierist deutlich die abschließende Vollendung der Seligkeit ein-zelner davon abhängig gemacht, daß auch die andern nochdazu kommen, also das Ganze zu seiner Vollendung ge-lange; und so ist auch die vollendete Unseligkeit erst dannmöglich, wenn alle beisammen sind und das ganze Reichder Finsternis und ihres Fürsten am Ziel seiner Entwick-lung angelangt ist. Schon der Umstand, daß die Seelealsbald nach dem Tod noch keinen Leib im vollen undeigentlichen Sinn hat, ist eine Unvollkommenheit und Un-fertigkeit, welche deutlich auf eine künftige Ergänzung undFertigstellung hinweist.Also sagen wir: allerdings ist bei den einzelnen nachihrem Tod noch eine Entwicklung und Ausreifung anzu-nehmen. Nur darf dies nicht in dem Sinn verstandenwerden, als ob in der Zeit zwischen Tod und Weltgerichtnoch eine radikale Änderung des ganzen Lebensgrundeseintreten, als ob etwa eine Seele, die als gottfeindlicheund gottflüchtige hinüber gekommen ist, in dieser Zwischen-
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten