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Ein Blick hinüber übers Grab
Entstehung
Seite
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17dadurch für jeden der Jammer des Augenblicks noch durch-bohrender und verzweifelter wird. Ich fürchte, es könntemit manchem Wiedersehen drüben also gehen, das man sicheinstweilen auf Erden mit den rührendsten Farben ausmalt!Der bekannte lateinische Trostspruch: Solamen miseris,socios habere malorum, d. h.:Tröstlich ist's für dieArmen, Genossen zu haben im Unglück, verliert hier seineKraft. Kein Trost, sondern Verschärfung der Pein sind dieGenossen, die man wiedersieht. Wenn die fünf Brüder desreichen Mannes fortfuhren, nicht auf Moses und die Pro-pheten zu hören, und kamen endlich auch an diesen Ortder Qual, wird's für den reichen Mann ein Trost gewesensein, so einen nach dem andern eintreffen zu sehen? Istihm nicht vielmehr jedesmal die eigene Qual in schrecklicherWeise neu und frisch geworden?Auch denen, welche drüben ruhen im Frieden, im himm-lischen Vaterhaus, ist das von Menschenhand oft so lebhaftausgemalte und in den Vordergrund gestellteWieder-sehen nicht die Hauptsache. Wenn wir ins Neue Testa-ment hineinsehen und den Apostel Paulus fragen, warumer Lust habe abzuscheiden und auf was er sich am meistenfreue, so nennt er nicht das Wiedersehen mit diesem oderjenem Menschen, sondern das Sein bei Christo, dasSchauen Gottes und seines Sohnes. Das istihm die Hauptsache. Und so ist es seither bei allen Gottes-kindern gewesen und kann nicht anders sein, denn Gottselbst ist und bleibt ihr höchstes Gut, ihr teuerster undhöchster Schatz, ihres Herzens höchste Freude und tiefsteSehnsucht. Ich habe einen betagten, treuen Knecht Gottesgekannt, der sich mit großer Freudigkeit zu seinem Heim-gang schickte. Als diesen auf seinem Sterbebett seine Kinderfragten, ob er sich nicht freue, bald auch die Mutter, dieihm vorangegangen war, wiederzusehen, gab er zur Ant-wort:Ja, das auch; aber zuallererst will ich dochzum Herrn gehen und diesen sehen. Damit soll ja gewiß