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Ein Blick hinüber übers Grab
Entstehung
Seite
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16Seelen, welche sich schon auf Erden nahe standen, drübenzusammenkommen, daß dort, wo keine körperliche Schrankemehr die Personen trennt wie jetzt, die Geister sich nochinniger als hier auf Erden verstehen und gleichsam ineinander überfließen, daran ist ebenfalls der Natur derSache nach nicht zu zweifeln. Aber daß dieses Wieder-erkennen und Wiedersehen unter allen Umständen, wie eseine unheilige und unbiblische Sentimentalität gern darstellt,etwas Herrliches, Seliges, Erquickendes sein werde, ist mitnichten anzunehmen. Es giebt einen Wiedersehenstrost, deneine abgeblaßte Vernunftreligion im vorigen und in unsermJahrhundert als matten, dürftigen Ersatz für den christlichenGlauben an ein ewiges Leben in der Gemeinschaft Gottesund seines Sohnes aufgebracht hat, und bei dem die Wünschedes Herzens bloß auf das Zusammensein mit den Menschen,den Kreaturen gehen, der Schöpfer und Erlöser aber aufdie Seite gestellt wird. Diese Art von Wiedersehenstrosthat weder in der Schrift noch im vernünftigen Denken überdie Dinge nach dem Tod irgend welchen Anhalt. Wie,wenn zwei Seelen, die sich hier nahe standen, aber beideals gottflüchtige, ja gottfeindliche von hinnen gefahren sind,die eine früher, die andere später, sich drüben begegnen, imheißen Durst nach der verlorenen Sinnenwelt, im verzeh-renden Feuer der unentrinnbaren, schrecklichen, göttlichenGegenwart, im durchbohrenden Gefühl einer verfehlten undverlorenen Erdenzeit? Wenn auf Erden zwei Freunde,beide in guten Verhältnissen lebend, einander Jahre langnicht mehr gesehen haben, und treffen sich dann unver-mutet wieder, beide als bankerotte Leute, oder alsverkommene, heimatlose Bettler, oder beide in wasserloser,sonnenglühender Wüste, dem Verschmachten nahe, ohneHoffnung auf Rettung, oder beide im Schiffbruch, auf weiterWasserwüste mit den wilden Wogen kämpfend, in Todesangstund herzzerreißendem Jammer was ist das für einWiedersehen? Wahrhaftig kein tröstliches, sondern ein solches,