Druckschrift 
Ein Blick hinüber übers Grab
Entstehung
Seite
13
Einzelbild herunterladen
 

so überraschender Weise stattfindet, das ist noch in verstärktemMaß der Fall, wenn die Loslösung vollzogen und die Seelevollends in eine solche Einkehr in Gott und in sich selbstgetrieben ist, wie die Ewigkeit es mit sich bringt. Da istin jedem Augenblick das ganze Erdenleben, zusammengedrängtin Ein Bild, in Ein Facit, der Seele gegenwärtig; lange Ver-gessenes taucht wieder auf und tritt ins Licht der göttlichenGegenwart, geheimste tiefste Gedanken stehen als abgerundete,deutlich ausgeprägte lebendige Bilder vor der Seele, allesmit einander entweder als Quelle innigsten Wohlseins inGott oder als Quelle tiefsten Wehs. Da kommt allesdarauf an, was eine Seele an Gottesleben und Gottes-gestalt, an Leben und Geist Christi in sich aufgenommenund im Thun und Reden ausgeprägt hat. Ein Leben, dassich um lauter Dinge gedreht hat, welche im Tod mitsamtder ganzen Sinnenwelt in nichts versinken, muß als einverlorenes erkannt werden, von dem gar keine Frucht übrigbleibt; und die ganze Qual eines Lebens, das umsonst zu-gebracht, mit all seiner Mühe und Arbeit umsonst durch-gekämpft wurde, legt sich zentnerschwer auf die Seele, nichtzu reden von dem was nicht bloß vergänglich, wertlos,sondern geradezu böse war und nun wie lauter Feuer undFlamme im Gewissen brennt. O diese Reue! dieser nagendeSchmerz um verlorne Stunden, Tage, Wochen und Jahre!Wo dagegen im Thun und Wandel des ErdenlebensGottes= und Ewigkeitskräfte aufgenommen, verarbeitet undausgewirkt worden sind, wo Christus aus dem Erdenlebeneines Menschen herausleuchtet, da gewinnt das Erdenlebenmit all seinem Schaffen und Mühen einen Wert, der überden Tod hinaus und in die Ewigkeit hinüberragt. Daruhen sie von ihrer Arbeit und ihre Werke folgen ihnennach. Also auch hier ein tiefgreifender Gegensatz zwischenbefriedigtem Ruhen von der Arbeit und der nieder-schmetternden Erkenntnis: es ist alles nichts, weniger alsnichts, lauter Schaden, Verderben, Schuld. Überhaupt, jedes