11oder durchs Netz des Fischers herausgeworfen wird aufsTrockene, ſo geht's einer ſolchen Seele: Es iſt die unauf-hörliche Sterbensnot und Todesbangigkeit.So entgegengesetzt gestaltet sich die Lage der Abgeschie-denen schon infolge davon, daß drüben kein Leibesleben undkeine Sinnenwelt mehr ist. Aber wir haben ja auch weitergesehen, daß mit dem Fallen der Sinnenwelt die Gegen-wart Gottes in ungetrübter, durch nichts Irdisches ab-geschwächter Kraft und Klarheit den Gestorbenen umfängt.Wie verschieden muß auch dies auf verschiedene Menschen-seelen wirken, je nach ihrer Stellung zu Gott und zu dem,in welchem er sich geoffenbaret hat und geehrt sein will,zu Christo! Ungetrübte Gegenwart Gottes, wie wohlthuendmuß das sein für eine auf Gott gerichtete, Gott suchende,Gott liebende Seele, die auf Erden so oft darunter ge-seufzt hat, daß ihr durch Schwachheiten des Leibes, durchdie Zerstreuungen der Sinnenwelt der Gott, der Heiland,ohne den sie nicht leben konnte, verborgen und entzogenworden ist! Jetzt hat dies ein Ende. Der Schleier derSinnenwelt, der ihr auf Erden ihren Gott verhüllt hat,zerreißt im Augenblick des Todes; der grobstoffliche Körper,der Gott nicht schauen kann, ist ebenfalls abgestreift. Jetztist sie umfangen von der vollen Gegenwart Gottes, nachder sie sich immer gesehnt hat, jetzt wird ihr Durst gestilltnach Gott, dem lebendigen Gott, jetzt ist sie dahin gekommen,ihn unverhüllt vor sich zu haben, das heißt sein Angesichtzu schauen. Ihr ist wie dem Wanderer, der aus der Fremde,in der er dem Vater bloß schreiben und Briefe von ihmempfangen konnte, heimkehrt ins Vaterhaus und nun ganzbeim Vater sein darf; wie dem Kind, das nach der Muttergesucht und geweint hat, und nun von ihr auf den Armgenommen, an den Busen gedrückt, geherzt und geküßt wird.Sie ist aus dem unbefriedigten Zustand in die wahre Be-friedigung, aus der Sehnsucht ins Genießen, aus dem Verlangenin die Erfüllung gelangt. Sie ist daheim beim Herrn.
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