10umfängt. Im Gegenteil, eine solche Seele ist dann erstrecht in ihrem Element, in der ihr zusagenden Welt,und sie trinkt die Himmelsluft der stillen Ewigkeit in sichhinein mit demselben wonnigen Behagen, mit dem der Ge-nesende, wenn er zum erstenmal aus der Krankenstube wiederins Freie darf, die lebensvolle, würzige Frühlingsluft ein-atmet, oder wie der Brustleidende, dem es in der dumpfenLuft der Niederung eng und bang geworden ist, die reine,freie Luft der Berge Gottes einatmet. Das ist ein selig,fröhlich, geruhsam Dasein für eine solche Seele, ein Weidenauf voller, weitgedehnter, grüner Aue, ein Trinken auslebendigen Wasserbrunnen.Nun denke dir aber auch einen Menschen, der währendseines Lebens auf Erden bloß die irdischen Kräfte und Triebeseiner Seele genährt, nur aus der Sinnenwelt heraus gelebthat und dabei geblieben ist bis zuletzt — wie muß seinerSeele zu Mute sein, wenn sie drüben keine Sinnenweltmehr hat, aus der sie Genüsse schöpfen, wenn sie keinenKörper mehr hat, der ihr die Genüsse zuführen kann, derensie doch, so wie sie sich einmal gewöhnt hat, zu ihrem Wohl-sein notwendig bedarf? Was sollen ihr ewige, geistige,himmlische Güter, für die sie lediglich keinen Sinn, andenen sie keinen Geschmack hat? Wird nicht ein furchtbaresGefühl des Unbefriedigtseins, eine brennende Sehnsucht nachSinnengenuß, ein nagender Hunger, ein peinigender Durstsich ihrer bemächtigen? Das ist des reichen MannesPein und Durst. Die Flamme, in der er Pein leidet,kann in diesem Zustand zwischen dem Tod und der Auf-erstehung des Leibes noch kein körperliches Feuer seinwas könnte dieses einer körperlosen Seele für Schmerzverursachen? Sondern die Flamme ist die Glut der un-gestillten Begierden, wie der sie empfindet, der sie groß-gezogen hat und nun plötzlich der Mittel sie zu stillenberaubt ist. Wie es dem Fisch zu Mut ist, dem's wohligwar auf dem Grund und der nun plötzlich durch eine Welle
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