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Ein Blick hinüber übers Grab
Entstehung
Seite
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genau derselbe ist wie vorher, wie er genau dieselbenCharakterzüge aufweist. Er ist im Leben gewohnt ge-wesen, allen Schmerz und alle Entbehrung fern von sichzu halten, so ist auch jetzt sein einziger Gedanke, desbrennenden Durstgefühls los und ledig zu werden. Er istauf Erden gewohnt gewesen, als großer Herr immer Rechtzu haben, so weiß er auch nach seinem Tod alles viel besserals Abraham und weist ihn zurück: Nein, Vater Abraham.Er hat sich auf Erden gewöhnt, den Lazarus als eine ganzuntergeordnete Persönlichkeit zu betrachten, welche nachseinem Wink zu kommen und zu gehen hat, so steht er auchjetzt noch auf diesem Standpunkt: Sende den Lazarus mitWasser; sende den Lazarus in meines Vaters Haus. Mitandern Worten: Was einer hier beim Abscheidenseinem Grundwesen nach ist, das ist er auch, wenner drüben anlangt. Der Tod des Leibes ist keineWiedergeburt, keine Änderung der Grundgesinnung. Werauf Erden ein Sinnenmensch war, der ist's auch drübennoch, und wer ein Geistesmensch war, der ist's auch drübennoch; wer auf Erden gottflüchtig und gottfeindlich war, derist's auch drüben noch, und wer auf Erden gottsuchend undgotthungrig war, der iſt's auch drüben noch.Halten wir nun das fest und erinnern uns zugleich anjenen Unterschied zwischen hier und drüben, daß dort keinLeibesleben, keine Sinnenwelt mehr ist. Wie ver-schieden muß sich schon von diesem Gesichtspunkt aus dieLage der Menschen drüben gestalten! Wenn einer währendseines Lebens auf Erden für die Ewigkeit gelebt, in denunsichtbaren Gütern seinen Genuß, in den himmlischenFreuden sein Ergötzen gesucht, oder wenn wenigstens, wiebeim Schächer am Kreuz, noch am letzten Ende seinesErdenlebens dieser himmlische Grundton bei ihm zum Durch-bruch gelangt ist und seine Seele beherrscht hat, einsolcher vermißt nichts, wenn ihn drüben anstatt der bunten,lärmenden Sinnenwelt die Geisteswelt still und feierlich