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Ein Blick hinüber übers Grab
Entstehung
Seite
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streift alle Blätter, allen Flitter ab und läßt nur denKern übrig. Der Schleier, den die sichtbare Welt um dieGegenwart Gottes herwebt, und der Schleier, mit dem diesichtbare Welt unser eigenes Ich vor unsern Augen ver-hüllt, der eine Schleier wie der andere fällt im Augenblickdes Todes.Das wären nun also die wesentlichsten Unterschiedezwischen dem jetzigen Leben und dem Leben nach dem Tod:keine Leibes= und Sinnenwelt mehr; lauter Gottesgegenwart;volle Selbstdurchschauung. Nun aber müssen wir noch einsdazu nehmen. Die alten Griechen fabelten, daß die ab-geschiedenen Seelen, wenn sie hinüberkommen in die jen-seitige Welt, zu allererst aus dem Quell der Vergessenheittrinken, der mit einemmal alle Erinnerung an ihr ver-gangenes Leben in ihnen auslösche. Möchte immerhin fürmanche ein solches Durchschneiden des Zusammenhangs zwischendem, was der Mensch drüben ist und zwischen dem, was erauf Erden war, angenehm sein, sofern er dem jenseitigenLeben den Stachel der Reue, der Klage um verlorene Zeitauszieht, so wissen wir doch aus der Offenbarung der heil.Schrift, daß dem nicht also ist. Wir wissen, daß der reicheMann sich ganz genau dessen erinnert, was er auf Erdenzurückgelassen hat; wir wissen, daß auch der Trost, mit demLazarus getröstet wird, nicht im Vergessen des Erdenleidsbesteht, sondern in dem Frieden, den er dafür eingetauschthat. Aber sollte man's glauben, daß diese griechischeFabel auch in der Christenheit immer wieder neu auflebt?Finden wir nicht so häufig den Wahn, als wäre einer ebendadurch, daß er gestorben und begraben ist, ein ganz andrerals der er auf Erden war, als würde durch den Tod ganzvon selbst aus einem gottlosen Menschen ein Frommer, auseinem irdisch Gesinnten ein himmlisch Gesinnter? als wäremit dem Sterben alles, was einer auf Erden gethan undgewesen, abgethan und ausgelöscht?Siehe doch zu, wie der reiche Mann nach seinem Tod