faltigkeit der Farben, an welche wir gewöhnt sind, unter-geht in dem stillen Weiß von Eis und Schnee und in demernsten Schwarz der Felswände und Felszacken? Und hatsich damals die Stille nicht auch mit überwältigenderFeierlichkeit auf deine Seele gelegt und dich durchbebt miteiner Ahnung der Ewigkeit? Darum heißt's auch Ps. 115von den Toten: „daß sie hinunterfahren in die Stille.“Wenn aber so die Gestorbenen ihres Leibeslebens undder Sinnenwelt mit all ihrem Geräusch und all ihrer Zer-streuung los und ledig sind, wenn die Stille der Ewigkeitsie umfängt, so spricht Eins um so lauter und gewaltigerzur Seele, so wird sie von Einem um so durchdringenderumfaßt und erfaßt, nämlich von der Gegenwart Gottes.Wenn David betet: „Wo soll ich hingehen vor deinemGeist? Wo soll ich hinfliehen vor deinem Angesicht? führeich gen Himmel, so bist du da, bettete ich mir in die Unter-welt, siehe so bist du auch da“ — so ist das nicht bloßin dem Sinne wahr, daß Gottes Allgegenwart die Ab-geschiedenen ebenso umfaßt wie die auf Erden Lebenden,sondern in dem Sinne, daß die Gestorbenen viel mächtiger,innerlicher von der Gegenwart Gottes durchsucht und durch-schüttert sind als die Bewohner dieser Erde. Die irdischeSchöpfung ist ja freilich auch eine Offenbarung Gottes,ein Tempel, von dem wir sagen: Gott ist gegenwärtigder Saum von Gottes Gewand, den wir berühren undan dem wir Gott fühlen und finden können; ein Spiegel,darin Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraftund Gottheit ersehen wird. Aber ebenso ist andrerseits dieNatur, die irdische Schöpfung auch wieder ein Schleier,der für uns über die unmittelbare Gegenwart Gottes her-gezogen ist, sie gewissermaßen verhüllend und verdeckend,also, daß ja der Unglaube gerade auf die sichtbare Weltdeuten und pochen kann und sagen: „Hier ist die Welt,wo ist aber Gott? Den sehe ich nicht.“ Wer also will,der kann sich in der sichtbaren Welt vergraben und vor
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