großen Wert legen: fürs erste unsern Leib nebst alle dem,was mit ihm zusammenhängt, — denn der Leib geht nicht mithinüber in die andre Welt, sondern kommt ins Grab; fürsandre diese uns umgebende sichtbare Welt mit allem, wassie enthält, — denn diese versinkt hinter uns in demselbenAugenblick, in dem wir die Augen schließen. Also keinLeib mehr und keine sichtbare Welt mehr. Wie viel istschon darin enthalten! So viel, daß manche gemeint haben,wenn die Menschenseele diese beiden Dinge nicht mehr habe,so könne sie kein klares, waches Leben mehr führen, sondernfalle sofort nach dem Tode in einen Schlaf, aus dem sieerst bei der Auferstehung der Toten wieder erwache. Abersolche Meinung streitet nicht bloß gegen klare Aussprücheder Schrift, wie z. B. weder der reiche Mann in der Hölle,noch Lazarus in Abrahams Schoß schläft, sondern auchgegen die Natur der Sache. Schlafen ist ja überhauptnicht Sache der Seele, sondern des Leibes. Wenn wirschläfrig sind, so ist's nicht die Seele, der Geist, sondernder Leib; ist also der Leib nicht mehr da, so ist die Seelenicht schlafsüchtiger oder schlafbedürftiger als zuvor, sondernerst recht wach und klar, viel klarer und wacher als siejemals im Erdenleben gewesen ist. Also kein Schlaf, wohlaber Stille, die Stille der Ewigkeit.Welche Stille muß das sein, wie muß sie den Menschenim Innersten durchzittern und durchbeben, durchwühlen unddurchsuchen, wenn er eben heraustritt aus dem Lärm undGeräusch der Sinnenwelt! Bist du schon einmal aufgewachtin dunkler Nacht, wenn alles, alles rings um dich her soganz totenstill war und kein Laut weit und breit sich regte?Und hat da nicht die Stille der Nacht mit ihrer grandiosenFeierlichkeit dir auf die Seele gedrückt und beinahe bangegemacht? Oder bist du schon einmal oben gestanden aufeinem jener einsamen, schneebedeckten Gipfel des Hochgebirgs,auf denen keine Quelle mehr rauscht, zu denen kein Lautaus der Tiefe mehr heraufdringt, wo alle die bunte Mannig-
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