Druckschrift 
1 (1876)
Entstehung
Seite
29
Einzelbild herunterladen
 

29Nachfolger arbeiteten, wie die MünzeRoma resurges!bezeugt, unablässig an der hinterlassenen Riesenaufgabe; erselber aber hat sich durch seine energische Fürsorge für dasbetroffene Volk mittelst Wohlthätigkeitsanstalten aller Artden wärmsten Dank seiner Zeitgenossen erworben, und nurvon dem giftigen Hasse einer kleinen Parthei verfolgt,stand sein Andenken im Herzen der Unterthanen so sehr inLiebe und Ehren, daß mehrere Betrüger ihr Glück machenwollten, indem sie sich nach Nero's Tode für denkaiser-lichen Künstler auszugeben suchten.Es ist schwer, bei dieser Betrachtung den Gedankenan die Gräuel loszuwerden, welche derfromme Pöbeleinige Jahrhunderte später in der andern Hauptstadt desWeltreiches anrichtete. Bekanntlich hütete Alexandria diebedeutendste Bibliothek des Alterthums. 700,000 Bänderepräsentirten das geistige Vermögen der Vergangenheit;aber von dieser reichen Erbschaft sind nur wenige Splitterauf die Gegenwart gekommen. Als ebenso bekannt gilt nunauch, daß der Kalife Omar jene literarischen Schätze ver-nichtet haben soll. Christliche Historiker vindiziren ihm einenso ultramontanen Haß gegen alle irdischen Wissenschaften,daß er nur in der Zerstörung ihrer Produkte Befriedigungfinden konnte. Sollte es wirklich wahr sein, daß Omar dieSchriften der Alten verfolgte, weil sie des Korans nichtgedachten, weil sie unnütz seien, wenn sie mit diesem über-einstimmten und schädlich, wenn sie ihm widersprächen? DerCharakter dieser Idee erscheint doch gar zu kindisch! Diechristlichen Historiker behaupten auch, Omar habe mit denPapyrusrollen die öffentlichen Bäder heizen lassen. Dierömisch=katholische Indexcongregation verfolgt bei ihren Auto-dafés wohl keine so praktischen Nebenzwecke; aber wennGeisteswerke nun doch einmal brennen müssen, dann ist es