Druckschrift 
1 (1876)
Entstehung
Seite
28
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28hundert angedeihen ließ. Und wie die Petroleumsmännerhinterher nur noch die Waffe der Verläumdung handhabten,so suchten sich die ersten Christen durch ihre Historiker mit-telst der Lüge zu rächen, der böse heidnische Nero habeRom angezündet, er habe dieses nicht aus irgend wel-cher Berechnung gethan, sondern des bloßen Gelüstes wegen,den Anblick einer brennenden Hauptstadt zu genießen. JenesFaktum, daß der Kaiser ein Gedicht auf den Brand Trojasverfaßte, um es bei den Festspielen auf der Bühne selbervorzutragen, ward hierbei merkwürdig geschickt benutzt. ImAllgemeinen sind die unter dem Einflusse der christlichenLiebe aufgekommenen Verunglimpfungen der julischen Dynastieso unpsychologisch, daß sie beim Publikum einen außeror-dentlichen Grad von Urtheilslosigkeit voraussetzen. BezüglichTiberius hat Adolph Stahr ein feines Gewebe zerrissenund mit der Fackel der Kritik einen klugen Regenten undpassabeln Charakter beleuchtet. Was Nero betrifft, derallerdings einen Hang zur Grausamkeit besaß, so sind seineFehler von der christgläubigen Literaten arg übertrieben,seine Tugenden aber gänzlich verschwiegen worden. Wäredieser Herrscher orthodox gewesen gleich dem großen Sach-senschinder Karl, diesem Brudermörder, der an einem ein-zigen Tage bei Bremen (Verden) 4500 Kriegsgefangeneenthaupten ließ, hätte Nero im Dienste der Kirche,auf Geheiß der Hierarchie, ein Blutbad unter den Heidenangerichtet, wie es Samuel bei Saul bestellte, wahrlich,sein Leib läge jetzt in der Peterskirche begraben und dieSchaaren katholischer Wallfahrer müßten seine Reliquienküssen!Der Brand verhängte über Rom eine finanzielle Krisisund machte gewaltige Erhebungen in den Provinzen nöthig,um die Kosten des Wiederaufbaues zu bestreiten. Nero's