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Unsere Choräle : eine Festschrift zur Gedächtnissfeier des hundertjähringen Geburtstages ... B. C. L. Natorp
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54gleich reiche Abendmahlslied:O Fels des Heils am Kreuzesstammwelches auch in die lutherische Kirche Eingang gefunden hat, dasunvergleichlich schöne Pilgerlied:Mein Leben ist ein Pilgrimstandum das Wort Dr. P. Lange's bestätigt zu finden, daß einewahr-haft brennende Gluth des Gefühls und ein erhabener Schwungder Phantasie ihn auszeichnen; er sei mit den Geheimnissen desinneren Leben sowie der objektiven Wahrheit vertraut, und selbstdie Schatten seiner Lieder würden von leuchtender Klarheit durch-brochen. Doch ist auch Lampe nicht durch Erfindung neuerMelodieen hervorragend; die schöne Melodie seines Pilgerliedes istdie des 84. Calvinischen Psalms, nach welcher auch das sabbathlichePsalmlied selbst (Wie reizend schön, Herr Zebaoth) gesungen wird.Auch Joh. Seb. Bach, der unsterbliche Cantor und Musik-direktor der Thomasschule zu Leipzig, 1750, gehört dieserPeriode an und hat, obwohl seine Hauptbedeutung in seinen groß-artigen Compositionen für den geistlichen Kunstgesang und dasOrgelspiel liegt, doch auch in der Composition von Chorälen Unver-gängliches geleistet. Nicht weniger als 47 Kirchenmelodieen, vondenen die meisten von Freylinghausen herausgegeben wurden, sindihm unzweifelhaft zuzuschreiben, und viele derselben, z. B.:Daswalt' Gott Vater und Gott Sohn,Gott lebet noch,DerTag mit seinem Lichte sind noch im kirchlichen Gebrauche. Außer-dem gab er eine mit seltener Kunst vierstimmig gesetzte Sammlungvon Choralgesängen heraus, die in keinem Hause, das einePflegestätte des Chorals sein will, fehlen sollte, weil sie mit unge-meiner Feinheit und Tiefe in die Schönheiten unserer Choräleeinführt.Auf die pietistische Periode der evangelischen Kirchengeschichtefolgte die rationalistische, welche auch auf dem Gebiete derkirchlichen Dichtung leider! immer mehr sich verflachte und deseigentlich christlichen sowie des poetischen Gehalts entbehrte.Um so bedeutsamer war das Auftreten zweier Männer, die zwarauch nicht ganz unberührt blieben von dem allgemein herrschendenZeitgeiste und in ihren Dichtungen den Heroen der früheren Zeitennicht zu vergleichen sind, aber doch Glauben und Poesie genug sichbewahrten, um ihren Zeitgenossen leuchtende Vorbilder zu sein undeinen Dichterkreis um sich zu sammeln. Der Eine ist Gellert,