53edle Form und ihren herzlichen Ton ein Eigenthum unseres Volkesgeworden. In Schlesien ist namentlich sein Lied: „Wollt ihrwissen, was ein Preis?“ nach der von Joh. BalthasarReimann, Organist zu Hirschberg, Componist von 118 Melodieenverfaßten Weise: „Einer nur ist innig werth“ zum Lieblingsliededes christlichen Volkes geworden.Fast ebenso fruchtbar und als Dichter noch reicher begabtwar der rheinische Sänger Gerhard Tersteegen, (geboren den25. November 1697 zu Mörs, gestorben den 3. April 1769 zuMülheim an der Ruhr), eine durch mystische Tiefe und Innigkeit,Heiligkeit des Wandels und Evangelisten=Gabe hoch hervorragendeErscheinung, eine Zierde der rheinischen wie der reformirten Kircheder er durch Geburt angehörte, obwohl er sich in Lehre und Be-kenntniß sehr unabhängig von ihr entwickelte. Wir nennen nurseine bekannten Lieder: „Allgenugsam Wesen“, „das Kreuz istdennoch gut“, „Gott ist gegenwärtig“, „Jauchzet, ihr Himmel,frohlocket“, „Kommt, Kinder, laßt uns gehen“, (ein Lied, in welchemsich Himmelssehnsucht und Bruderliebe so wunderbar verschmelzen)„O Majestät, wir fallen nieder“ (ein überaus brünstiges Gebetslied),das im besten Sinne des Wortes betrachtende Passionslied: „Setzedich, mein Geist, ein wenig“, das glaubensselige: „Wie bist du mirso innig gut, mein Hoherpriester du!“ 2c. Dr. P. Lange sagtvon Tersteegen's Liedern: „Die Innigkeit und Festlichkeit deschristlichen Gefühls schafft sich bei ihm oft die reinsten und holdestenFormen, die an Göthe's Dichtungsformen erinnern.“ Auch seineunter dem Titel: „Gottgeheiligtes Harfenspiel der Kinder Gottesherausgegebene Sammlung auserlesener Lieder, die noch heutevielfach im Gebrauch, zeichnet sich vor anderen derartigen Samm-lungen aus, während die wenigen hierin und in seinem „Blumen-gärtlein“ enthaltenen Original=Melodieen, wenn sie überhaupt vonTersteegen herrühren, geringeren Werth haben.Auch der der reformirten Kirche angehörige Dr. FriedrichAdolf Lampe (geboren den 19. Februar 1683 zu Detmold, ge-storben den 8. Dezember 1729 als Pfarrer und Professor zu Bremen)gehört der rheinisch=westfälischen Kirche an. Wir dürfen nur einigeseiner allbekannten Lieder nennen, z. B. das schwungreiche Osterlied:„Mein Fels hat überwunden“, das für Erkenntniß und Gefühl
Druckschrift
Unsere Choräle : eine Festschrift zur Gedächtnissfeier des hundertjähringen Geburtstages ... B. C. L. Natorp
Entstehung
Seite
53
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten