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Unsere Choräle : eine Festschrift zur Gedächtnissfeier des hundertjähringen Geburtstages ... B. C. L. Natorp
Entstehung
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47unbedeutenden Theil der ganzen Choral=Literatur darstellen, sokann es uns nicht Wunder nehmen, daß schon zu Ende diesesJahrhunderts fast jede Gegend, ja, fast jede größere Stadt ihreigenes Gesangbuch hatte und daß je für die verschiedenen Provinzenunsres Vaterlandes auch schon eine ganze Fülle von umfangreichenMelodieenbüchern, die sich mehr und mehr von den Gesangbücherntrennten, vorhanden war. Die großen Tonmeister wie CrügerSohren u. s. w. gaben fast alle solche Sammelwerke mit ihrenselbstcomponirten Melodieen heraus, und auch in der reformirtenKirche fanden allmälig nach Ambrosius Lobwasser's Vorgangelutherische Lieder neben den Psalmen Aufnahme in derartige Werke.Auch eine große Anzahl mehrstimmiger geistlicher Liederbücherfür Vokal= und Instrumental=Aufführung erschien im Druck, so das[Cantionale von J. H. Schein, die „Geistlichen Lieder“ vonEccard und Stobäus, das Gothaische Cantional, Joh.Crüger's Psalmodia sacra etc. Bei der ungemeinen Singelust jener Tage kann's denn freilich auch nicht auffallen, daß mancheProdukte der Geschmacklosigkeit in Wort und Ton verfallen. DieAkrostika und Onomastika der Lieder, d. h. die Eigenthümlich-keit, daß die Anfangsbuchstaben der Strophen zu einem Namenoder Satze zusammengestellt werden können und sollen, könnte mannoch verzeihen, auch die Anbringung des Echo oder der Wiederholung wäre vielleicht noch hie und da musikalisch zu entschuldigen:dagegen wirkt die Anbringung lateinischer Wörter und Phrasen,die Form des Zwiegesprächs in den Liedern und dergleichen geradezuabstoßend auf den gebildeteren Geschmack; selbst die allzuhäufigeAnbringung des Refrains in Lied und Melodie erscheint meistals müßige Spielerei, und die Abänderung der Melodieendem Text zu gefallen, durch Auslassung, Hinzufügung oder Ein-schiebung von Noten wird zur unleidlichen Entstellung.Was die Aufnahme von weltlichen Liedern in den Kirchengesang betrifft, so dürfen wir nicht vergessen, daß in vielen weltlichen Liedern jener Zeit eine fast religiöse Innigkeit wohnt unddaß Geistliches und Weltliches noch keineswegs so fremd einandergegenüber standen wie heute. Nehmen wir hinzu, daß die lebhaftenFormen der weltlichen Lieder gemildert wurden, so daß sie inruhiger, frommer Haltung den Original=Melodieen würdig zur