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Unsere Choräle : eine Festschrift zur Gedächtnissfeier des hundertjähringen Geburtstages ... B. C. L. Natorp
Entstehung
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46Herrscher, unser König“ an, während die Melodie: „Siehhier bin ich Ehrenkönig“ zwar sehr innige Wehmuth, aber auchschon das allersubjectivste Empfinden ausspricht.Wie die Choral=Melodieen überhaupt schon zu Ende des17. Jahrhunderts mehr und mehr diesen sentimentalen Ton an-schlagen, zeigen die beiden übrigens sehr werthvollen Melodieendes Organisten Nicolaus Hasse zu Rostock: „O Gott, dufrommer Gott“ (in A=Moll) und „O Traurigkeit, o Herze-leid“, namentlich die letztere ein ergreifender Ausdruck des Char-freitags=Schmerzes der Gemeinde; desgleichen die Melodieen desberühmten Violinisten Johann Schop zu Hamburg zu dem Gerhard'-schen Liede: „Sollt' ich meinem Gott nicht singen“, diezwar sehr schwungvoll, aber auch schon arienartig und darum fürunsre ungeübten Gemeinden kaum noch singbar ist; während dievon demselben verfaßte Melodie: „Werde munter, mein Ge-müthe“ noch mehr im Choral=Tone verbleibt, und die ebenfallsvon ihm componirte Weise: „Wach auf, mein Geist, erhebedich“ von Crüger zu der erschütternden Melodie: „O Ewigkeit,du Donnerwort“ umgebildet werden konnte, — ein Lied, durchwelches z. B. der berüchtigte Räuber Lips Tullian zu Dresdenvor seiner Hinrichtung so ergriffen wurde, daß er noch seine Ver-brechen gestand und bereute.Wie es übrigens mit vielen Perlen unsrer geistlichen undVolkslieder, und oft gerade den schönsten, ergeht, daß sie von gänz-lich unbekannten Verfassern herrühren, so hat auch das 17. Jahr-hundert eine Reihe solcher namenloser Kirchenmelodieen aufzuweisenz. B. die allbekannte, sehr lebendige und in vielen Gegenden alsstetes Eingangslied gesungene Melodie zu dem Liede Herzog Wil-helm's II. von Sachsen: „Herr Jesu Christ, dich zu unswend'!" desgleichen die Melodie zu dem Liede von Fritsch:„Schönster Immanuel, du Licht der Frommen“; die tief-empfundene Melodie, welcher Dr. Christ. Friedr. Richter inHalle die Worte unterlegte: „Hier legt mein Geist sich vordir nieder“; die schöne Melodie in g-dur zu dem Reißner'schenLiede: „In dich hab' ich gehoffet, Herr!“ u. s. w.Ueberblicken wir diesen Reichthum unvergänglich schöner Me-lodieen des 17. Jahrhunderts, die ja der Zahl nach nur einen sehr