20haben wir auch mit aufgerafft zum Zeugnisse etlicher frommerChristen, so vor uns gewest sind in der großen Finsterniß der altenLehre, auf daß man ja sehen möge, wie dennoch aller Zeit Leutegewesen sind, die Christum recht erkannt haben, doch gar wunderlichin demselben Erkenntniß durch Gottes Gnade erhalten.“ Ganzvorzüglich erhebt er außer den schon erwähnten das uralte Abend-mahls=Danklied: „Gott sei gelobet und gebenedeiet“, dasnoch heute in zahlreichen Gemeinden stehend nach beendeter Communiongesungen wird. Seine formula missae et communionisaus dem Jahre 1523 behält auch noch die römische Liturgie imWesentlichen bei. 1524 jedoch wurde am ersten Weihnachtstageder Gottesdienst in der Pfarrkirche zu Wittenberg zum ersten Maledeutsch gehalten, und 1525 erschien Luther's „deutsche Messe“,mit dem „Wir glauben All' an einen Gott“ anstatt desPatrem, und dem Liede: „Jesaia, dem Propheten, das geschahstatt des Sanctus, dem „Christe, du Lamm Gottes“ statt desAgnus u. s. f.Zum vorhandenen Guten aber gab er das Beste mit seineneigenen Liedern. Wir erwähnen nur die von ihm verfaßtenPsalmen: „Ach, Gott vom Himmel, sieh darein!“ (Ps. 12) imTone herzlicher Klage und ernster Bitte; „Es spricht der Un-weisen Mund wohl“ (Ps. 14); „Aus tiefer Noth schrei ichzu dir“ (Ps. 130), dies ergreifende Buß= und Trostlied, mit seinertief liegenden und tief wirkenden hypo=jonischen Melodie, daran sichLuther selbst mehrmals in den dunkelsten Stunden aufgerichtet unddas an zahllosen Sterbebetten und Gräbern Trost gespendet; ferner:„Es woll' uns Gott genädig sein“ (Ps. 67), Gustav Adolf'sSchlachtlied zu Lützen; „Mit Fried' und Freud' fahr' ichdahin“, Simeon's Schwanengesang, mit einer von Bach in einerFestcantate verwertheten Melodie, und „Wär' Gott nicht mituns diese Zeit“ (Ps. 124). Aus dem Jahre 1540 oder 1538stammt das unvergleichliche Weihnachtslied „Vom Himmel hoch,da komm ich her“, ein Kinderlied, zunächst für den Christabendseinen eigenen Kindern gedichtet; wie Einige wollen, nach einer schonbekannten Kinder=Melodie, was Andere, mit größerer Wahrscheinlichkeit,leugnen, weil Luther je länger je mehr der Umarbeitung weltlicherin geistliche Melodieen feind war. Jedenfalls hat Luther das
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Unsere Choräle : eine Festschrift zur Gedächtnissfeier des hundertjähringen Geburtstages ... B. C. L. Natorp
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