19bracht worden sein, die sonst den Namen Lutheri nicht hörenmochten!“ Ein römischer Schriftsteller zu Luther's Zeiten berichtetselbst, wie Luther's Lieder nicht nur in Kirchen und Schulen, son-dern auch in Häusern und Werkstätten, auf Märkten, Gassen undFeldern gehört wurden. Und nicht nur die reformirte Kircheund die Kirchen andrer Länder bereicherten sich aus Luther's Schatzsogar Rom sah sich genöthigt, im Jahre 1537 ein dem Luther'-schen nachgebildetes deutsches Kirchengesangbuch herauszugeben.Luther hatte hohe musikalische Gaben und Kenntnisse, abernoch höhere Begeisterung. Täglich sang er zur Laute, unterhielteine Cantorei in seinem Hause, bei welcher er selbst mitspielte undmit seiner klangvollen Stimme sang, und sein musikalischer FreundWalter sagt deshalb: „So weiß und zeuge ich wahrhaftig, daßder heilige Mann Gottes Lutherus, welcher deutscher Nation Prophetund Apostel gewest, zu der Musik im Choral= und Figural=Gesangegroße Lust hatte, mit welchem ich gar manche liebe Stunde ge-sungen und oftmals gesehen, wie der theure Mann vom Singenso lustig und fröhlich im Geiste ward, daß er des Singens schiernicht konnte müde und satt werden und von der Musika so herrlichzu reden wußte.Luther ging übrigens, wie bei der Kirchenreform, so auch beider Reformation des Kirchenliedes durchaus nicht stürmisch zuWerke, sondern unterschied sorgfältig Spreu und Waizen in demVorhandenen und erhielt der evangelischen Christenheit sowohl alteliturgische Bestandtheile als auch lateinische Kirchenlieder in Hülleund Fülle. Zu den letzteren gehörte z. B. das Patris sapientiaaus dem 14. Jahrhundert, das mit seiner hellen wie Cymbelnklingenden Melodie namentlich in unserm Passionsliede: „Jesu,deine Passion“ fortlebt. „Propter iucundissimam melodiamd. h. wegen der überaus schönen Melodie behielt er sogar mancheSequenzen oder Prosen bei, und soll er namentlich die Stelleaus einer Notker'schen Sequenz: „O beata culpa, quae talemmeruisti redemptorem!“ (O selige Schuld, die uns solch' einenHeiland schenkte) am Christfeste immer mit tiefer Rührung vor demAltar gesungen haben. Auch von den vorhandenen deutschenKirchenliedern hielt er hoch, nahm eine Anzahl derselben in seinGesangbuch auf und sagt in der Vorrede: „Diese alten Lieder
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Unsere Choräle : eine Festschrift zur Gedächtnissfeier des hundertjähringen Geburtstages ... B. C. L. Natorp
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