13selbst überall die Sänger und sang mit ihnen, und so ist's auchnicht unwahrscheinlich, daß der ihm zugeschriebene herrliche mixolydischeChoral: „Veni creator spiritus“ (Komm, Gott Schöpfer,heil'ger Geist), den Luther später verdeutscht und zum Gemeinde-gesang gemacht hat, wirklich von ihm stammt. Auch um dendeutschen Kirchengesang machte sich Karl hoch verdient, indem erzu Corvey, Fulda, Mainz, Trier u. s. w. Gesangschulen gründete;und daß dies noth that, geht aus jener Schilderung des JohannesDiakonus hervor, der in seinem Leben Gregors von den damaligenDeutschen sagt: „Die riesigen Leiber, deren Stimme wie der Donnerbraust, können die süßen Töne nicht nachahmen, weil die barbarischeWildheit ihrer durstigen Kehle Laute von sich gibt, knarrend wie einLastwagen, der über einen holperigten Weg dahinfährt.“ Aberverhängnißvoll war es, daß auch Carl nur den gregorianischenGesang förderte, den ambrosianischen sogar verbot und bis zumVerbrennen der Noten verfolgte, — ein Gebahren, worin ihm diePäpste natürlich eifrig halfen. Das „Volk“ wurde in Folge dessenimmer mehr zum bloßen Singen der Responsorien (gesungeneAntworten auf den Chorgesang der Geistlichen) verurtheilt, undder Gebrauch der lateinischen Sprache, die Einführung des bisdahin merkwürdiger Weise unbekannt gebliebenen mehrstimmigenGesanges, wie überhaupt die immer schroffere Durchführung derTrennung zwischen Geistlichen und Laien in der mittelalterlichenKirche konnte nur lähmend, ja, völlig ertödtend auf das eigentlicheKirchenlied einwirken. Die Hierarchie erstickte mit so vielen Lebens-keimen auch diese edle Himmelsgabe, und was sich aus der ganzenvorreformatorischen Zeit in unsere Kirche hinüber gerettet hat,läßt sich — abgesehen von den schon genannten Chorälen — etwain Folgendem kurz zusammenfassen:Von Aurelius Prudentius (zu Calagurris in Altcastiliengeboren, gestorben 405), der seine letzten Lebensjahre ganz derDichtung geistlicher Lieder widmete, erhielt sich sein herrlicher Grab-gesang: „Jam moesta quiesce querela“, zu deutsch: „Hörtauf mit Trauern und Klagen!“ — ein Lied, das noch heute — einsvon den wenigen — rhythmisch in unsern Choralbüchern stehtund so gesungen wird. Text und Melodie athmen nichts alsSiegesfreudigkeit im Anblick des Todes, die heitere Dur-Tonart
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Unsere Choräle : eine Festschrift zur Gedächtnissfeier des hundertjähringen Geburtstages ... B. C. L. Natorp
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