11geschwommen und begleiteten das Schiff eine große Strecke, indemsie gar oft und viel vor Freuden in die Höhe hüpften. Es liegtetwas Wahres in dieser Sage; das Tedeum reißt unwillkürlichzum begeisterten Lobe Gottes auch die Stumpfsten hin, und dieseGewalt hat es schon oft bewährt. Als Carl der Große amChristfest des Jahres 800 die Kaiserkrone aus Leo III. Handempfangen, stimmte das Volk und Carl mit ihm plötzlich undunaufgefordert dieses Lied der Lieder an, weshalb es seitdem dasKaiser=Krönungslied blieb. Dem Churfürsten Johann Friedrichvon Sachsen wurde es bei seiner Rückkehr aus fünfjähriger Ge-fangenschaft um des Evangelii willen von seinem dankbaren Volkebenfalls unaufgefordert entgegen gesungen, so daß ihm beim Anhörendieses Gesanges die heißesten Thränen entströmten. Auch der großeFriedrich ließ, nach dem Friedensschluß von Hubertusburg, inder Charlottenburger Kirche dieses Tedeum von Sängern undMusikern aufführen, wohnte ganz allein der Aufführung bei undsank, als die gewaltigen Melodieen zu rauschen begannen, — er,der Philosoph von Sanssouci, — tief ergriffen und überwältigtauf seine Kniee nieder; Thränen rollten über seine Wangen;so brachte er dem Allmächtigen seinen Dank für die wunderbarenErfolge, womit Er ihn gekrönt. — Wie sehr Luther in diesemLobgesange lebte, geht aus dem Trostbriefe an einen Organistenhervor, worin er u. A. sagt: „Lieber Matthia! wenn Ihr traurigseid und will überhand nehmen, so sprecht: „„Auf! ich muß unsermHerrn Christo ein Lied schlagen auf dem Regal; es sei: „HerrGott dich loben wir“ oder „Gelobet sei der Herr“, denn dieSchrift lehret mich, er höret gern fröhlich Gesang und Saitenspiel.Greifet frisch in die Claves und singet drein, bis die Gedankenvergehen, wie David und Elisäus thäten; kommt der Teufel wiederund gibt Euch eine Sorge und traurige Gedanken ein, so wehretEuch frisch und sprechet: „Aus Teufel! ich muß anjetzo meinemHerrn Jesu singen und spielen!“ Auch die beiden ersten lutherischenMärtyrer in Brüssel stimmten auf dem Scheiterhaufen dasTedeum an, und wie viel tausend Mal hat dies Lied bei Siegenund Friedensschlüssen, für gute und leider! auch oft für böse Dingeden Herrn preisen müssen! Dieser älteste uns aufbewahrte Christen-gesang ist zugleich der erhabenste unter allen und ragt in ehr-
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Unsere Choräle : eine Festschrift zur Gedächtnissfeier des hundertjähringen Geburtstages ... B. C. L. Natorp
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