10keine Psalmen sind, herrscht Schweigen. Wo sie aber bekannt sind,da wende dich, wohin du willst: du hörst den Bauer, der den Pflughält, ein Hallelujah singen, der schweißtriefende Schnitter erholt sichin Psalmen, und der Winzer singt irgend etwas von David.“ UndChrysostomus schreibt zum 41. Psalm: „Die Wanderer, die umMitternacht ihre Zugthiere treiben, thun es singend, um sich so dieMühen des Weges zu versüßen. Und nicht allein die Reisenden,sondern auch die Ackerer, was sie auch treiben mögen, singen häufigUnd weil diese Art der Ergötzung unsren Herzen so lieb und trautist, darum gab uns Gott Psalmen, damit nicht böse Geister durchEinführung liederlicher Lieder Alles zerstören, und uns also ausdem Gesange sowohl Freude als Segen erwachse.Der Bischof Ambrosius von Mailand ist denn auch derChorführer aller noch vorhandenen Kirchenlieder und Melodieen.Von ihm stammt jenes durch Luther uns zurückgegebene ebensoeinfache als fröhliche und mächtige Veni redemptor gentium (Nunkomm, der Heiden Heiland), dessen Melodie uns Allen aus demAdventsliede: „Gott sei Dank in aller Welt“ bekannt ist. Vonihm ist ferner das Lied: O lux beata trinitas und vor Allem dersogenannte „Ambrosianische Lobgesang“, das Tedeum „HerrGott dich loben wir“. Zwar ist Ambrosius schwerlich alsVerfasser anzusehen, und jene Legende, nach welcher Augustinusbei seiner Taufe durch Ambrosius in der Osternacht 387 wieaus göttlicher Eingebung dieses Lied angestimmt und Ambrosiusihm auf jede Strophe singend geantwortet habe, so daß am SchlusseMonica, die Mutter des Augustin, entzückt ausgerufen: Malcte Christianum Augustinum quam imperatorem Augustum! (esist mir lieber, daß du jetzt Augustin, der Christ, bist, als wenndu Augustus, der Kaiser, wärest!) ist eben nur eine Legende. Aberunzweifelhaft gebührt dem Ambrosius das Verdienst, dies Lied,dessen Grundtöne in einem morgenländischen stehenden Abendgesangeerklingen, aus dem Abend= in's Morgenland verpflanzt zu haben.Und welch' ein Juwel ist nicht dieser Lobgesang! Eine alte schöneSage berichtet, das in Lyon in einer goldenen Kapsel aufbewahrteHerz des Augustin beginne, sobald das Te Deum angestimmtwerde, lebhaft zu hüpfen, und wenn Schiffer auf dem Meere diesenGesang ertönen ließen, so kämen wetteifernd die Delphine heran-
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Unsere Choräle : eine Festschrift zur Gedächtnissfeier des hundertjähringen Geburtstages ... B. C. L. Natorp
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