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Unsere Choräle : eine Festschrift zur Gedächtnissfeier des hundertjähringen Geburtstages ... B. C. L. Natorp
Entstehung
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Gesang war ein so wesentlicher Bestandtheil des christlichen Cultusdaß z. B. der Gesang des 62. Psalms (Meine Seele ist stille zuGott, der mir hilft!) zur täglichen Morgenandacht und der des 111.(Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen!) zur Abendandacht durchdie aus dem 3. Jahrhundert stammendenapostolischen Constitutionenvorgeschrieben wird, und Clemens von Alexandrien (um 190)in einer an die Heiden gerichteten Schrift ausruft:Willst du inden Chor der Christen aufgenommen werden und den unerschaffnen,unsterblichen, einzigen, wahren Gott lobpreisen, so singe mit uns!Ja, schon um's Jahr 90 war es nach dem Vorgange des BischofsIgnatius von Alexandrien in den syrischen Gemeinden zur Sittegeworden, die Evangelien und Episteln, das Vaterunser und dieEinsetzungsworte des heiligen Abendmahles, wie auch kurze Gebetevor'm Altare abzusingen. Aus dem Lobgesange des Zachariasentstand das schon damals gesungeneBenedictus, aus dem Lob-gesange der Maria dasMagnificat, aus dem der himmlischenHeerschaaren dasGloria.Wenn wir aber leider! von den Liedern und Melodieen derdrei ersten Jahrhunderte kaum etwas mehr als Bruchstücke behaltenhaben, so geht mit der Erhebung des Christenthums zur Staats-religion durch Constantin (326) und der öffentlichen Anordnungder Sonntagsfeier durch ihn eine neue Periode des Kirchenge-sanges an. Papst Sylvester ordnet die erste Schule für Kirchengesang an, der Diaconus Ephraem zu Edessa (378) singt vieleHymnen und Lieder, und der Abt Hieronymus zu Bethlehem (400)führt den Horagesang ein, so daß schon Ambrosius ( 397),Bischof von Mailand, im Blick auf den mächtig erwachten Ge-meindegesang schreiben kann:Zum Psalmsingen ist jedes Alterjedes Geschlecht geschickt. Psalmen können Könige und Kaiser singen,wie das Volk. Sie werden ohne Mühe gelernt und mit Lust imGedächtnisse behalten. Sie machen die Uneinigen einig und ver-söhnen die Beleidigten. Wer wird dem nicht verzeihen, mit demer vereint seine Stimme zu Gott erhebt! Im Psalm ist Lehre undAnmuth zugleich. Er wird zum Vergnügen gesungen und zumUnterrrichte gelernt. Ja, der Gesang wurde im Christenthumrecht eigentliche Volkssache, was er weder bei den Griechen nochbei den Römern gewesen war. Ein Hieronymus schreibt:Wo