weil lauter reinstes Gottesleben, und wenn schon um die gewöhn-lichen menschlichen Heldengestalten sich eine Glorie von Poesie zubilden pflegt, wie hätte nicht die Erscheinung des HErrn auf Erdenein unversiechbarer Born von heiligen Liedern werden sollen?So mahnten denn auch schon die Apostel in der Brautzeitder Kirche zur fleißigen Uebung des Gesanges. Nicht blos derEinzelne soll, wenn er gutes Muthes ist, nach den Worten desJacobus, Psalmen singen, sondern auch die versammelte Gemeindesoll, nach Pauli Aufforderung, das Wort Christi reichlich untersich wohnen lassen und gegenseitige Anfeuerung durch gemeinsamenGesang suchen. Und wenn die Apostel auch mit Recht das innereglaubensvolle Singen, das: „singet und spielet dem HErrn ineurem Herzen!“ besonders betonen, so spricht doch schon dieUnterscheidung von Psalmen, Hymnen und lieblichen geist-lichen Liedern, welche Paulus macht, für das Vorhandenseineiner vielgegliederten Fülle religiöser Gesänge, indem die Psal-men wahrscheinlich vorzugsweise den Wechselgesang verschiedenerChöre und Einzelstimmen, die Hymnen den Einzelvortrag be-geisterter rhythmiſcher und beſonders kunſtvoller Geſänge, dielieblichen geistlichen Lieder aber den gemeinsamen Gesang derganzen Gemeinde bezeichnen. Eine Beschränkung auf den letzterenkannte die apostolische Zeit nicht. Wie sie den Vortrag des Wortesin reichster Fülle, als Zungenreden, Weissagen, Auslegen und Lesen,und zwar nicht blos den Hirten, sondern jedem innerlich Berufenengestattete, und Paulus in Beziehung hierauf ausdrücklich mahnt:„Den Geist dämpfet nicht, die Weissagung verachtet nicht!“ so durfteauch Lob und Anbetung im Liede gewissermaßen in heiliger Tropen-fülle sprießen.Allerdings wurde der freien Entfaltung des heiligen Liedesin der apostolischen Zeit vielfach durch, die Verfolgungen ein Zwangangethan, denn die in Höhlen und Wäldern sich versammelndenGemeinden durften sich nicht durch Gesang verrathen. Aber wiedie Nachtigall, wenn sie gefangen genommen und geblendet wirdnur desto schöner singt, so konnte auch die Verfolgung das Christen-lied, wie das ganze Christenthum, nur veredeln, und es wird unsvon den Märtyrern vielfach berichtet, wie sie mit einem Lobliedeauf Christum im Munde dem Tode freudig entgegen gingen. Der
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Unsere Choräle : eine Festschrift zur Gedächtnissfeier des hundertjähringen Geburtstages ... B. C. L. Natorp
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