13. KAP.
Jardin de la fontaine in Nimes
195
Nymphe mit Putten die Insel des Bäderbassins krönt, hatte einst die Statue desAugustus gethront auf einem Stylobat, dessen vier Ecken geschmückte Säulen zierten.Die Quelle selbst liegt etwas abseits dieser Hauptachse, unmittelbar am Fuße desBerges, dessen Spitze, la tour magne, ein römischer Wachtturm krönt, noch weiterseitlich erhebt sich ein Dianatempel, in dem auch die Quellnymphe verehrt wurde.Diese erzwungene Abweichung von der axialen Anordnung, in der wir ein sicheresKennzeichen römischen Geistes sehen, klingt in dieser Anlage nur wie ein besondererbedeutender Rhythmus, denn in allem Schmuck, den überall umlaufenden Balustra-
Abb. 443Jardin de lafontaine,Nimes
Nach Klaiber
den, den Statuen, Eckvasen, Treppen und Brücken, herrscht ein streng einheitlicherGeist (Abb. 443). Der echte Geist des Altertums, der den Baumeister band, bewahrtdiese späte Schöpfung, ebenso wie die fast gleichzeitige Villa Albani in Italien, vorallem Kleinlichen, Überzierlichen der höfischen Werke Nordfrankreichs.
Zunächst aber gilt es, die Zeit zu betrachten, in der sämtliche Länder Europas vonder Zentralsonne des eigentlichen Frankreich, von Versailles, so lange dies noch seinenvollen Glanz ausstrahlt, direkt oder vermittelt beeinflußt werden.
ENGLAND
ENGLAND hat vielleicht am wenigsten, jedenfalls am wenigsten nachhaltig, denunmittelbaren Geist dieser französischen Kunst auf sich wirken lassen. Zwar alsKarl IL nach den Jahren nüchtern strengen Regiments der Puritaner auf seinenThron zurückkehrte, brachte er mit manchen andern französischen Sitten auch die An-schauung der eben aufblühenden Gärten am Hofe seines französischen Schützers heim.13*