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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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Jardin de la fontaine in Nimes

13. KAP.

I

er wahrecolifichets" nennt. Man muß die Hauptbrunnenanlagen möglichst alle voneinem Hauptpunkt aus sehen können 3 . Wahrlich, einen klareren, vornehmeren Lehr-meister hätte Le Nötres Kunst nicht finden können. Es mußten schon mächtige innereGründe sprechen, um den Untergang einer so edlen Kunst herbeizuführen. Glänzendwar denn auch der Erfolg des Werkes. Auflagen über Auflagen erschienen, mehr abernoch Nachdrucke und Übersetzungen in andere Sprachen. Ihm verdankt man vorallem die leichte Hand und die Übung, mit der die Fülle von Gärten in jener Zeitentstand.

Frankreich, besonders in den nördlichen, vom Pariser Hof unmittelbar beeinflußtenGebieten, tritt mit seinen Schöpfungen im XVIII. Jahrhundert hinter den anderen

U2 ^xm^mmmm^>&\ Ländern zurück - Nach Versailles gab es hier nur

Jardin de la \^^^^- : ^^^^m^Mi^^^ noch ein Zurückgehen. Der Stil entartete zwar nicht,

fontaine, =5§gS§c^S^|lli=3 W"Aif?§S= er würde sonst nicht die ungeheure Zeugungskraft

Lageplan | ^mM§ ßMe^Ifvc für das ubri g e Europa gehabt haben, aber der Hof

hatte sich, wie wir sahen, in seinem Geschmack ge-ändert. Das Jahrhundert war nicht mehr feierlichund prächtig, und für Neuschöpfungen, die sichauch nur entfernt mit denen des XVII. Jahrhundertsmessen könnten, fehlten auch dem durch die langenKriege erschöpften Staatsschatze die Gelder. Sospricht sich der Geist nach Ludwigs XIV. Tode ineiner Anlage wie dem ersten Garten von Klein-Trianon aus; in einer immer größeren Zierlichkeitder Parterres entwickelt sich hier am stärksten einUbergangsgarten, von dem noch später gesprochenwerden wird.

Ehe wir aber der Wirkung Frankreichs in denandern Ländern Europas nachgehen, soll noch einerGartenschöpfung gedacht werden, die abseits vondem Bannkreise der höfischen Entwicklung steht,des sogenannten Jardin de la fontaine in Nimes 3a(Abb. 442). Dieser Garten ist vielleicht das bedeu-tendste Werk, das das neuerwachte Interesse fürdie antike Kunst unmittelbar erzeugt hat. Als man Ende der dreißiger Jahre desXVIII. Jahrhunderts die Substruktionen großartiger römischer Anlagen, die einstdie uralte Stadtquelle geschmückt hatten, entdeckte, flammte die Begeisterung derBevölkerung so auf, daß sie eine Wiederherstellung verlangte. Diese wurde im Jahre1740 dem Festungsbaumeister Marechal übertragen, der nun, zum größten Teil aufden alten Fundamenten, ein überaus imposantes System von Terrassen, Treppen,Bassins, Statuen und Gartenanlagen entwarf; es ist beste Barockarbeit, die denGeist der römischen Anlagen in den großen Zeitstil übersetzte. Einst hatten hierTempel, Bäder, Portiken mit reichem Statuenschmuck und Theater gestanden. DerHauptgarten ist axial auf die Prachtstraße der Stadt, den Boulevard de la Republi-que, angeordnet, antike Bäderfundamente hat man zu Kanälen benutzt, die dieeinzelnen Terrassen umfließen; dort, wo jetzt auf hohem Postament eine lagernde

Nach Klaiber