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Gartenkunst nach der Restauration
13. KAP.
Doch so schnell konnte der englische König nicht seine Pläne durchführen. Ein großer Teilder Gärten seiner Vorfahren war vernichtet oder sehr zerstört. Weder die Mittel noch dieKünstler standen ihm auch nur entfernt so zu Gebote wie seinem königlichen Bruder jen-seits des Kanals. Zudem war der puritanische Utilitarismus und die verstandesgemäßeNüchternheit nicht ohne bestimmenden Einfluß auf die Gartenanlagen auch der Restau-ration geblieben. Pepys berichtet in seinemTagebuch 4 , diesem Sprachrohr der Tagesmode,von einer Unterhaltung mit Hugh May, einem Architekten im königlichen Dienste, über dieherrschende Gartenmode kurz nach der Restauration: „Auf dem Wege nach White Hallauf und ab spazierend mit Hugh May, der ein sehr gescheuter Mann ist. Unter anderemsprachen wir über die gegenwärtige Mode, die Gärten einfach zu gestalten; daß wir diebesten Kieswege in der Welt haben, wie sie weder Frankreich noch Italien hat, und daßdas Grün unserer Ballspielwege besser ist als irgendwo anders. Da unser Streben ist,Luft zu genießen, so ist dies die beste Art, nur hier und dort unterbrochen von Statuenoder Topfpflanzen, was sehr hübsch sein kann, wenn man sie mit Blumen oder Grün, jenach der Jahreszeit, füllt. Dann, was Blumen anbetrifft, so zieht man sie am besten inkleinen Gehegen für sich allein; außerdem verderben Blumenbänder die Wege des an-dern Gartens. Was die Früchte anbetrifft, so baut man dafür am besten konzentrischerunde Mauern und läßt den Wandergarten nur zu diesem Zweck." Diese mehr und mehrzunehmende Blumenfeindschaft, die zeitweise auch Frankreich ergriff, war dort nichtso fühlbar durch den Reichtum der Wassergestaltung, der Statuen und anderen Skulp-turen. Der englische Garten mit seiner Vorliebe für breite bequeme Wege, der immersehr sparsamen Verwendung des Skulpturenschmuckes, muß in jener Zeit einen öden,nüchternen Eindruck gemacht haben. Freilich lehnte sich der gute Geschmack bald da-gegen auf. Im Jahre 1665 erschien ein geharnischter Protest: „Eine gute Auswahl leben-der Schönheiten, seltener Pflanzen, Blumen, Früchte sind wahrhaft Ruhm, Reichtumund Entzücken für den Garten", schreibt Rea in seinem Gartenbuche „Ceres, Flora undPomona"; „die neue Mode der Kieswege und Rasenflächen paßt nur für Stadthäuser,während sie jetzt in manchem stattlichen Landsitze vorherrschen, wo die Gartenblumenverbannt sind, diese Wunder der Natur und der schönste Schmuck, der je entdecktwurde, um einen Ort angenehm zu machen. Aber man kann hoffen, daß diese neuenutzlose und unerfreuliche Mode mit manchen anderen Veränderungen verschwindenwird" 5 . Der Protest gegen die Blumenfeindschaft wurde noch 12 Jahre später voneinem vielgelesenen Schriftsteller, John Worlidge, wiederholt. Aber mit den breiten We-gen, mit Ruhesitzen und Zielpunkten für Spaziergänge, hatten die beiden „verständigenMänner", Pepys und May, schon den eigentlichen Kernpunkt der Forderung des eng-lischen Gartens getroffen; sie lag im Wesen der englischen Freude an frischer Be-wegung in der freien Natur. Darum stimmt Worlidge Reas Abneigung gegen die breitenWege nicht bei. „Es gehört nicht zum geringsten Teil zu der Freude an einem Garten",führt er etwas wortreich aus, „spazieren zu gehen und sich entweder mit Freundenund Bekannten oder auch allein, befreit von den Sorgen der Welt und der Gesellschaft,die manchmal lästig wird, zu erfrischen, und wenn dann Müdigkeit oder Hitze oderRegen die offenen Wege unerfreulich machen, sich unter einem schönen Baum oder einergedeckten Laube auszuruhen, bis es einem gefällt, wieder die offene Luft zu genießen" 6 .Von solch einem „Wandergarten" hatte ein Südländer oder auch ein Franzose niemalsgeträumt. Das offene Parterre war für sie da, um von oben überschaut oder in der Kühle