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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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13. KAP.

Theorie et Pratique du Jardinage

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Hintergrund der offenen Parterres mußte jeder Garten haben, sie bargen das Geheimnisund die variete für den Beschauer von der Hausterrasse, dessen Blick, über die offenenParterres schweifend, hier halt machte; dort war der nötige ununterbrochene Schattenfür die Lustwandelnden, der Schauplatz für die Feste, der Schutz vor allen rauhenWinden, die Abgeschlossenheit. Von ihrer Vielgestaltigkeit hing die Bedeutung undPracht eines Gartens ab, aber auch der einfachste und schmuckloseste konnte miteinem solchen Bosketthintergrund, mit zierlichen Wegen, in das Massiv der Weißbuchen,mit denen diese Wäldchen meist bepflanzt waren, geschnitten, Rhythmus und Schön-heit erhalten. Trotz des Verlangens nach variete vertritt das Lehrbuch den Ruf nach

Abb. 441Heckenprospekiin einem fürst-lichen Garten

Stich vonCorvinus

Einfachheit, der die letzte Schaffensperiode Le Nötres bestimmte. Es warnt vor allerkleinlichen Zersplitterung, in der es, wie die Entwicklung zeigte mit Recht, den größtenFeind des französischen Gartens sah. Die vielgestaltigen Portiken, aus Heckengrünverschnitten, die überreiche Verwendung von Treillage, die extravaganten Baum-verschnitte zu Tieren, Menschen zu Fuß und zu Pferde und sonst allerlei Gestalt, ver-wirft der Verfasser. Im holländischen Garten fänden sie übermäßige Verwendung, auchItalien und Spanien liebe sie sehr. Der französische Garten braucht für seine großenLinien vor allem die einfachen hohen Hecken, alles Mesquine ist zu vermeiden, auchin der Gartenskulptur lieber keine Statuen als schlechte! Diesen großen Linien ent-spricht auch die Behandlung des Wassers. Gleich bei der Anlage der Alleen und Plätzemuß darauf gesehen werden, daß sie eine vorteilhafte Umrahmung des Wasserspielsbilden. Er verwirft auch hier alle Zerkleinerung in Muscheln und kleine Bassins, die

13 Gothein, Gartenkunst II