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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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Reginald Blomfield

16. KAP.

Hortikultur verhalte sich zum Plan des Gartens wie das Bauen zur Architektur; unddiese verlorene Provinz dem Architekten wieder zu erobern war ja die Absicht seinesBuches. Alle italienischen und französischen Einflüsse werden nach Möglichkeit aus-geschaltet, mit diesen hatte der Stil, den er vernichten will, nur zu oft einen unorganischenund wenig glücklichen Pakt zu schließen versucht. Das einzige, als englisch angeprieseneVorbild wird jetzt der kleine Renaissancegarten mit seiner schützenden Umgrenzung, dieihn klar und ohne jede Täuschung von der nicht dazugehörigen Umgebung abschließtund nach dem Hause zu öffnet, mit seinem deutlichen Rhythmus zwischen offenenfarbigen Beeten und grünen Schattenmassen. Auch hier war das reformatorische Zielder Hausgarten; der Masse der kleinen bürgerlichen Land- und Stadthäuser sollen in ihrerGartengestaltung neue Wege gewiesen werden. Dem Vorwurf, als wenn sich solche regel-mäßige Anlagen nur im großen Stile und mit großen Kosten herstellen ließen, wie manwohl in Erinnerung an die letzte Herrschaftsperiode des regelmäßigen Stiles oft be-hauptet, will Blomfield in erster Linie entgegentreten. Zeigt sich doch die ganze Un-natur des natürlichen Stiles aufdringlich und töricht besonders in den kleinen undkleinsten Gärten, in denen sich die Beziehung zum Hause am stärksten fordernd gel-tend machte. Dort aber machte sich der gedankenlose Ungeschmack der Handwerks-gärtner am breitesten: nierenförmige Rasenstücke mit gequälten Kurvenwegen, einekünstliche Schwellung des Bodens mit Gebüsch und Baumumrahmung, zur Zierde einoder zwei Teppichbeete mit einer ausländischen Blattgruppe als Mitte, solche zu Tau-senden verbreitete Schemata für kleinere Gärten zeigten nur zu deutlich das, was Blom-field mit vollem Rechte als den Verlust des architektonischen Sinnes bezeichnete. Daskleine Büchlein schlug in England wie eine Bombe ein; sein Erfolg war ihm um sosicherer, als Blomfield die Bewegung dort nicht mehr zu wecken hatte, sondern ihr nurAusdruck lieh.

Wir sahen, wie das öffentliche Interesse von der eigentlichen Gartenkunst sich ganzder botanischen Seite zugewandt hatte, und das spricht sich am deutlichsten in derLiteratur aus. Die Werke über Gartenbotanik, über Hortikultur schwellen ungeheueran. Der Raum, den die eigentliche Gartenkunst darin einnimmt, ist verschwindendklein und auch dann nur, wie in einigen der Lehrbücher, von Gärtnern für Gärtner ge-schrieben. Das allgemeine Interesse an diesen Fragen schien vollkommen erloschen.Gerade das, was das XVIII. Jahrhundert so aufs tiefste bewegt hatte und noch inden ersten Jahrzehnten des XIX. immer wieder die Ästhetiker beschäftigte, die Fragenach den Prinzipien der Gartenkunst, hatte so völlig aufgehört, daß ein neuerer deut-scher Ästhetiker, Heinrich von Stein, im höchsten Erstaunen davon sprechen konnte,daß man früher die Gartenkunst überhaupt zu den schönen Künsten rechnete 30 . Imallgemeinen Bewußtsein der Menschen hatte so der Garten vollkommen aufgehört, einKunstwerk zu sein, er wurde immer mehr nur ein Ort, an dem sich Bäume, Sträucher,Blumen möglichst vorteilhaft in ihrer individuellen Schönheit entfalten konnten.Hatte man auch im XVIII. Jahrhundert das architektonische Gefühl für Maß undRhythmus, kurz das Raumgefühl verloren, so hatte man doch damals dafür Empfin-dungswerte mannigfachster Art eingetauscht, die bewußt die innere Anteilnahme anden malerischen Bildern, die sich vor dem Auge des Beschauers entfalteten, wach-hielten; aber auch dies schwand im Laufe des XIX. Jahrhunderts immer mehr, undmußte schwinden, da alle produktiven Ideen und Kräfte von der zur Schablone und