16. KAP.
Reginald Blomfield
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als Schlittschuhteich auch eine neue Gestaltung. Alle diese Einzelforderungen drängenmehr und mehr zu regelmäßigen Anlagen hin, und doch hätte der öffentliche Park, zustark in den alten Traditionen befangen, die auch zu sehr noch gewissen Instinkten undNeigungen des bürgerlichen Publikums entsprachen, wohl schwerlich so schnell denÜbergang zu einer wesentlich neuen Stilgestaltung gefunden, wenn ihm nicht von andererSeite eine mächtige Bewegung zu Hilfe gekommen wäre.
Der neue Sieg des architektonischen Gartens ist nicht von den öffentlichen Parksausgegangen, aber auch nicht von den fürstlichen Privatgärten; auch diese Strömung isteine durchaus demokratisch-bürgerliche. Die Reform setzt beim kleinen Hausgarten,beim Bürgergarten ein, um sich von dort aus weiter zu verbreiten. Wieder kam sie wiejene Eroberung des Landschaftsstiles von außen, von Künstlern, die nicht in dem Ge-triebe der Praxis, der Schule mitten inne standen: diesmal waren es die seit langemhinausgedrängten Architekten, die sich ihres alten Rechtes aufs neue bewußt wurden;und nun, als die Zeit reif war, traten sie kampfbereit in die Schranken. Im Jahre 1892erschien in London ein kleines Büchlein des Architekten Reginald Blomfield, „TheFormal Garden in England" genannt, das zum erstenmal in ausgesprochen feind-licher, fordernder Absicht den landschaftlichen Garten als Ungeschmack, Irrtum undAbsurdität bezeichnete. An die Spitze stellte Blomfield die Frage: „Ist der Garten inBeziehung zum Hause zu betrachten und als ein Bestandteil des Planes, dessen letzterErfolg auf einem Zusammenwirken von Haus und Garten beruht, oder ist das Hausauszuschalten, wenn man den Garten behandelt?" 29 Nur Übelwollende hätten den altenGartenstil den formalen nennen können. Der Verfasser verlangt, daß man ihn den archi-tektonischen nenne, denn seine Absicht sei, Haus und Garten in harmonischen Zusammen-hang zu bringen, das Haus aus seiner Umgebung herauswachsen zu lassen; man müssevon den Gesetzen der Architektur ausgehen, der inneren Ordnung bestimmter fest-stehender, durchgehender Linien, der Symmetrie oder doch wenigstens des Gleichgewichts.Der Landschaftsgarten habe mit einem berechneten Studium alles dieses aufs äußerstevermieden, nur mit einer erschlichenen Affektation könne er von irgendeiner Bezie-hung zwischen Haus und Garten sprechen, er verfolge eine Methode, die systematischvon allen Systemen absehe. Blomfield greift nun die Hauptsätze dieser systemlosenMethode an, vor allem den Kardinalgrundsatz der Nachahmung der Natur: „Wasist denn Natur, was natürlich in bezug auf den Garten?" ruft er aus. Der Landschafts-garten sei in seinen Nachahmungen ebenso künstlich wie der des alten Stils. Natur ansich habe weder mit geraden noch mit gekrümmten Linien etwas zu tun, und es könneeine offene Frage bleiben, ob der natürliche Mensch nicht einen geraden vor einem ge-bogenen Wege vorziehen würde, und was das eigentliche Wesen der Natur, d. h. derErde und der Kräfte, die auf ihr wirken, anbeträfe, so habe ein verschnittener Baumebensoviel Natürlichkeit wie ein Waldbaum, und es sei daher nicht unnatürlicher,einen Baum zu beschneiden, als Gras zu schneiden. Der Unterschied sei nur, daß derLandschaftsgärtner so schnell als möglich der Architektur, d. h. dem Hause, den Rückendrehe, um dann seine „natürlichen Szenen zu entfalten", deren Hauptzweck eine Täu-schung über Größe und Umfang des Gartens und der verschiedenen Durchblicke sei.Aber ihre Schriftsteller befassen sich mit der Frage eigentlicher Kunst im Garten über-haupt so kurz wie möglich, um dann sofort auf ihr eigenstes Gebiet Hortikultur undWarmhäuser überzugehen. Dieses Gebiet wolle er den Gärtnern gerne völlig überlassen.