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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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Die neue Parkpolitik in Amerika

16. KAP.

Erst in dem letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts kommt eine neue Bewegungin das öffentliche Gartenwesen. Gewaltig erweiterte Forderungen treten jetzt an ihreSchöpfer heran, das demokratische Massenprinzip, das in den letzten Dezennien mitunwiderstehlicher Gewalt auf allen Gebieten unserer Kultur seine Herrschaft ausübt, hatauch die öffentliche Gartenpflege auf neue Wege gewiesen. Die dringendsten Aufgabenliegen in der extensiven Entfaltung des Volksparks. Hier wurde wieder Amerika durchdie Umstände seiner Entwicklung zum Voranschreiten gedrängt. Ganz anders noch alsum die Mitte des Jahrhunderts, wo außerhalb New York wenig in Betracht kam, machtesich das ungeheure Massenwachstum der Städte überall bedrohlich geltend. Es stelltesie vor die Notwendigkeit, sich durch die Schöpfung von Parks vor dem Erstickungs-tode zu retten. Die energische Art, mit der Amerika es versteht, ungeheuere Geldsum-men zu einem bestimmt erkannten Zwecke schnell zusammenzubringen, wird aller-dings für Europa ein schwer erreichbares Vorbild bleiben. Diese neue Parkpolitik istauch dort drüben kaum mehr als 15 Jahre alt. In dieser Zeit ist es der Stadt Chicagoz. B. gelungen, aus einem Häusermeer, von dem man wohl mit Recht sagte, daß es in derganzen Stadt weniger grüne Bäume gäbe, als in einem ihrer RiesengeschäftshäuserZimmer, zu einem Gebilde mit dem Ehrentitel urbs in horto zu werden 27 . Chicago hatzuerst den gelungenen Versuch gemacht, die Häuserblocks in bestimmten Abständen mitje nach den Umständen größeren oder kleineren Volksparks, deren Umfang von 125haschwankt, zu unterbrechen. In den letzten zehn Jahren hat es mit einem Aufwändevon 42 Millionen Dollars etwa 24 Spielplätze geschaffen, die von jeder Wohnung tun-lichst in zehn Minuten erreichbar sind. Die notwendigen Anlagen, die jeder, auch derkleinste dieser Parks aufweist, sind ein von Promenaden umgrenzter Fußballplatz, einTurnplatz für Männer, ein anderer für Frauen, eine Spielwiese für kleine Kinder mit einemflachen Wasserbecken in der Mitte, der sogenannten Planschwiese, endlich die Schwimm-anstalt mit anderen sie umgebenden Bädern. Die größeren Parks haben dann noch Gelegen-heit für Rudersport und Klubhäuser, die alle nach dem Muster der privaten Klubhäuserdurch eine große Mittelhalle und kleinere Nebenräume der Innengeselligkeit dienen. Wun-derbare Berichte kommen über die allerneusten Bestrebungen der Stadt zu uns herüber,neben den Innenparks hat Chicago (Abb. 624) einen sich immer mehr schließendenAußenparkgürtel; der neueste und schönste unter ihnen, der Grand Park im Süden, isteben erst vollendet. Darüber hinaus aber plant Chicago etwas bisher ganz Unerhörtes,einen Lagunenpark 28 . Schon der Grand Park ist auf einer künstlichen Aufschüttung ausdem Abfuhrwesen der Stadt erbaut. Nun soll dies weiter systematisch dazu benutztwerden, um viele Landzungen, 100300 m breit, in den See hinauszubauen. Diese sollenals Gärten angelegt werden, die zwischen sich ein stilles Lagunenwasser für das von demAmerikaner so geliebte Wasserleben haben, auf der Seeseite aber einen herrlichen Bade-strand bieten. Und was Chicago hier für seine Lage und Beschaffenheit gelöst hat, dashaben andere Städte auf ihre Weise geschaffen, sei es, daß sie, wie Boston, von einemgewaltigen Außenparkgürtel radienförmig Parkstraßen in das Innere der Stadt sendeten,sei es durch die Anlage von Prachtstraßen im Inneren, wie in Washington, St. Louis undPhiladelphia. Alle die Riesenstädte Amerikas sehen in diesen Gartenanlagen eine derbedeutendsten Aufgaben ihrer Verwaltung. In der alten Welt hat gerade Paris vor nichtzu langer Zeit durch eine Bewilligung von Milliarden, um auf seinem bisherigen Festungs-gürtel sich einen Kranz von Parks zu schaffen, selbst Amerika in Bewunderung ge-