Print 
2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Place and Date of Creation
Page
441
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
 

M

16. KAP.

Der Stil der öffentlichen Parkanlagen

441

anlegte. Nur hatte England von Anbeginn weit mehr eine praktische Verwendbarkeit imSinne, da hier die großen Wiesen und Rasenplätze dem Publikum freigegeben waren, wäh-rend auf dem Kontinent lange hinaus das dogmatische Vorurteil herrschte, daß ein Rasen-platz das Betreten des Publikums nicht aushalte. Wo es die Bodenbeschaffenheit irgend zu-ließ , belebte man die Einförmigkeit der ebenen Parks durch Nachahmung von Gebirgsland-schaften, wie in den Buttes Chaumont in Paris oder im Viktoriapark in Berlin, wo maneinen Wasserfall bildete, der den Zackenfall im Riesengebirge nachahmen sollte. Ziemlichlange Zeit waren die eigentlich öffentlichen, städtischen Parks wenig berührt von dem bo-

Abb. 623Am neuen Seeim Tiergarten,Berlin

Phot.

tanischen Interesse geblieben. Man pflanzte natürlich auch in den Landschaftsparks aus-ländische Bäume und Sträucher an, soweit sie dem Klima angepaßt und zu der malerischenGruppierung nötig waren, aber von den seltenen und daher teueren Exemplaren, besondersden Koniferen, die den Privatgärten damals ein Hauptgepräge gaben, mußte man meistensabsehen. Man überließ alle diese Versuche der Anzucht fremder seltener Gewächse, nament-lich auch der Blumen, den botanischen Gärten, wo aber meistens ein rein wissenschaft-liches Einteilungs- und Verteilungsprinzip jede künstlerische Anordnung völlig verbannte.Blumen fanden sich in den frühen Parks fast gar nicht, sie beschränkten sich in denstädtischen Gartenanlagen auf die steifen Teppichbeete an Plätzen und Promenaden.Diese wurden damals vielfach auf den geschweiften Festungswällen angelegt, und hierbegleiten diese bunten Blumenteppiche meist aufdringlich die geschlängelten Wege.Darin besonders, ja meistens dort allein, entfaltete sich dieKunst" des Stadtgärtners.