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Die öffentlichen Fürstenparks
16. KAP.
der großen Serpentine, dem künstlichen sehr langgestreckten See als Mittelpunkt, an-gelegt wurde. Für London ebenso wie für Paris sind diese Parks als Schauplatz fürdas geistige und fashionable Leben im XVIII. Jahrhundert ganz unentbehrlich. InEngland erstarkte in ihnen, die bald den intimen Charakter erweiterter Klubräumeannahmen, bald großen Volksmengen als erster öffentlicher Versammlungsraum dienten,das Bürgertum, das im XIX. Jahrhundert der eigentliche Träger des Parkgedankenswerden sollte.
In Frankreich traf sich die geistreiche Welt mit Vorliebe im Garten des Palais Royal,Diderots, RameausNeffe spielt dort, viele von den Ideen, die die große Revolution herbei-geführt haben, werden dort gereift sein. Es ist amüsant, zu verfolgen, wie die Versamm-lungsorte der Gesellschaft je nach der stärkeren oder geringeren Neigung, sei es des Be-sitzers, sei es der tonangebenden Kreise, schwanken. Die Champs Elysees und die präch-tige , schon von Maria Medici angelegte Cours de la Reine waren bis in die erste Zeit LudwigsXIV. einer der vornehmsten Treffpunkte der Gesellschaft. Als sich dann Ludwigs Gunstimmer mehr von Paris abwandte, wurden auch diese Anlagen sehr vernachlässigt. UnterLudwig XV. bewohnte Madame Pompadour das Palais der Champs Elysees, sie schonhat den modernen Gedanken, sich von dort bis zum Invalidendom einen Durchblick zuschaffen, zum Teil ausgeführt. Bis zum Ende des ersten Kaiserreichs blieben die ChampsElysees in hoher Gunst. Napoleon schloß den Blick mit dem glücklich gestellten Tri-umphbogen ab. Die Restauration wieder wandte sich von diesen Teilen der Hauptstadt,die mit blutig-düsteren Erinnerungen verbunden waren, ab und ließ das, was Kosakenund Engländer noch unbeschädigt gelassen hatten, völlig verfallen. Erst allmählich, unddann endgültig bei der Neugestaltung von Paris unter Napoleon III., gewannen diese Pro-menaden das heutige Aussehen, das dem Antlitz von Paris so bestimmende Züge verleiht - °.
Diese Parks, die dem Großstadtpublikum alle freigegeben waren, dürfen wir uns in derersten Hälfte des XIX. J ahrhunderts künstlerisch nicht sehr bedeutsam denken. Das Son-derinteresse der Fürsten an ihnen war mehr und mehr erkaltet, und doch hatte noch keineandere sicher handelnde Aufsicht ein Recht erworben, die Pflege zu übernehmen. Vonden Pariser Parks in den ersten drei Jahrzehnten hören wir meistens nur von Verfall,von ewigem Besitzwechsel, man änderte an ihnen nichts, der Schmuck verschwand zumTeil, und man verstand sich höchstens dazu, die eingehenden Bäume der langen einför-migen Alleen zu ergänzen und im besten Falle ein wenig instand zu halten. Der malerischeStil hatte in ihnen noch kaum Eingang gefunden. Noch im Jahre 1835 klagt Vergnaud inseinem Werke darüber, daß man von dem Vorurteil, ein öffentlicher Park dürfe nurregelmäßig sein, in Frankreich nicht loskommen könne. Er schlägt vor, das ganze Gebietvom Tuileriengarten eingeschlossen bis zum Bois de Boulogne in einen ähnlich zusam-menhängenden Parkkomplex wie in England zu verwandeln.
In London hatte man damals, aber auch erst am Ende der zwanziger Jahre, begonnen,den Parkgürtel zu „verschönen", zu gleicher Zeit, als London durch den ArchitektenNash in mehreren seiner Hauptstraßenzüge, besonders durch die Anlage von RegentsStreet, ein neues Ansehen erhielt 21 . St. James's Park wurde damals umgearbeitet, derlange Kanal erhielt seine geschwungene unregelmäßige Seegestalt, die Bepflanzung mitEinzelbäumen und die wiesenumsäumenden Waldränder wurden konsequent auch inallen andern durchgeführt. Schon im Jahre 1811 hatte ein Parlamentsbeschluß, alsein unbedeutender, vernachlässigter Park, Marylebone, an die Krone zurückfiel, be-