16. KAP.
Gartenpflege in den Städten
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orientalischer Pracht und Weitläufigkeit ausdehnten, haben uns Beispiele wie Antiochia,Alexandria u. a. gezeigt. In Rom sorgten die Kaiser, daß ein reicher Gürtel von Schmuck-plätzen und Gärten den eng zusammenwohnenden Bürgern Erholung und freie Bewe-gung bot. Im Mittelalter nahm die Entwicklung der öffentlichen Gärten eine andereRichtung. Die Bürger fanden wohl früh schon vor den Toren in den Gärten der Gildenöffentliche Spaziergänge, aber der freie Anger war ihnen so nahe, daß das Bedürfnis da-nach nicht so groß war. Als dann mit der Renaissance in Italien die herrlichen Privat-gärten entstanden, wuchs auch das Bewußtsein der Besitzer, daß es eine Ehrenpflichtsei, diese Gärten dem Publikum zu öffnen. In welchem freien, hochherzigen Sinnedieses besonders in Rom geschah, erkannten mit Bewunderung alle aus dem Nordenkommenden Reisenden. Hier im Norden ist der Bürgersinn der Renaissance wohl nichtso entwickelt gewesen wie in Italien, das Eigentumsbewußtsein war stärker ausgeprägt,kurz, wir hören selten, daß die Gastlichkeit in einem der Patriziergärten der großenStädte sich ausnahmslos und kontrollelos auf alle erstreckte, was ja erst den Titel Öffent-lichkeit verdient, wie in den römischen Gärten der Zeit Montaignes.
Erst die Fürsten des XVII. und XVIII. Jahrhunderts fühlten sich auch diesseitsder Alpen mehr und mehr von diesem Geiste durchdrungen. Die Fürsorge für dieUntertanen ist ein wesentlicher Zug des aufgeklärten Absolutismus, und wo es an-ging, schufen die kleinen Fürsten des XVIII. Jahrhunderts ihre Residenzen in Garten-städte um, die als eine Erweiterung ihrer Parks gedacht waren; diese selbst wurdendann meistens allen Untertanen frei zugänglich. Doch so sehr sich auch das Publikumdort eine Zeitlang heimisch fühlen durfte, so war doch immer ein Anderer Herr.Es war ja wohl nicht häufig, daß eine besondere Inschrift, wie am Eingang desGartens von Herrenhausen, den gewöhnlichen Mann mit Stockprügeln bedrohte, wenner es wagte, sich auf eine der Bänke zu setzen, auf denen etwa ein adliger BesucherPlatz nehmen wollte. Wie häufig aber sind nach Belieben einzelne dieser Gärten ge-schlossen worden. In Paris, wo das Publikum in vielen von ihnen sein Rendez-voussich schon ererbt glaubte, wurde es durch launische Herren immer wieder daraus ver-trieben. So ließ 1781 der Herzog von Chartres den Garten des Palais Royal schließen, derjahrzehntelang seit seiner Gründung durch Richelieu öffentlich gewesen war 18 . Von demGarten des Luxembourg schreibt schon 1650 Sauval: ,,Er ist manchmal öffentlich,manchmal geschlossen, je nachdem es dem Fürsten, der im Schlosse wohnt, gefällt" 19 .Die Herzogin von Berry ließ, um ungestört ihre galanten Feste dort feiern zu können, allePforten bis auf eine vermauern. Ja selbst in England kam der Königin Karoline, derGemahlin Georgs IL, die Laune an, den Londoner Kensingtongarden zu sperren; auf eineFrage an ihren Minister Walpole, was das wohl kosten würde, erhielt sie allerdings dieschlagfertige Antwort: „Only three crowns." Karoline hatte bei aller Aufgeklärtheit dieAnschauungen der despotischen kleinen Höfe, denen sie entstammte, herübergenommen.
In London aber waren diese großen Parks zwar Eigentum der Krone, jedochschon im XVIII. Jahrhundert völlig dem Nutzrechte des Volkes preisgegeben. DieKönigin Karoline gerade bekundete lebhaftes Interesse für die Parks, die dasInnere Londons wie ein breites grünes Band durchzogen, sie tat besonders viel fürKensingtongarden, wo die Bepflanzung mit den stattlichen Alleen und das großeMittelbassin ihr Werk sind. Dieser Garten hat niemals ganz seinen regelmäßigenCharakter verloren, während Hydepark schon unter Georg IL im malerischen Stile mit
2S Gothein. Gartenkunst II