Druckschrift 
2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
Seite
435
Einzelbild herunterladen
 

16. KAP.

Amerikanische Parkpflege in früherer Zeit

435

schlössen, hier auch für den Norden einen öffentlichen Garten, Regents Park nach demspäteren Georg IV. genannt, anzulegen. In dem Plan dieser Anlage bildeten sich diebestimmten Motive aus, die jetzt überall in den öffentlichen Parks zur Durchführungkamen: ein großer malerischer See für Bootfahrten wurde an seinen vielgewundenen Uferndurch schattige Spazierwege begleitet, die überall wechselnde Durchblicke gestatteten,große, weite Wiesenflächen, für allerlei Spiele geeignet, auch um große Versammlungenaufzunehmen, nahmen den bedeutendsten Teil des Flächeninhalts ein, kurz, es entstanddas Parkbild, das auch heute noch jedem, der London kennt, als ganz typisch vor Augensteht. Die Architektur hat hier völlig zu schweigen, es war eine Hauptaufgabe, die um-gebenden Häuser nach Möglichkeit durch Bepflanzung auszuschließen. Im Innern gabes nur kleine Erfrischungshäuser, die sich auch möglichst unter den Bäumen zu verber-gen hatten. London schien vor der Mitte des Jahrhunderts durch die Größe und Schön-heit seiner Parks unerreichtes Vorbild. Kensingtongarden und Hydepark, woran sichGreen Park und St. James's Park schließen, dazu Regents Park im Norden, bilden einAreal von 1200 acres. Aber auch Paris war noch zufrieden mit seinem Tuileriengarten,den Elysäischen Feldern, dem Palais Royal, dem Park Monceau auf dem rechten, demJardin des Plantes, Luxembourg auf dem linken Seineufer. In beiden Städten warendiese Parks Eigentum der Krone.

Da traten im fünften Jahrzehnt des Jahrhunderts durch das unerwartete Auf-blühen der Städte plötzlich ganz neue, fordernde Aufgaben in den Kreis der öffent-lichen Städteanlagen. Hier erscheint Amerika zum erstenmal bedeutsam in der Ge-schichte des Gartens. Nicht, daß dieses Land bis dahin nur geringe Leistungen aufdem Gebiete der Gartenkunst gezeitigt hätte, nur fehlte, wie seiner Kultur überhaupt,auch hier jeder Zug von Selbständigkeit. Seit dem Schluß des Bürgerkrieges begannendie Städter sich überall Landhäuser zu bauen, die ihnen nur einen Teil des Jahres odereinige Tage am Wochenschluß zum Aufenthalt dienten 21 ". In Architektur sowohl wieGartenplan machte Amerika die europäische, besser englische Entwicklung mit, undwo hier und dort durch Klima und Bodenbeschaffenheit und Pflanzenwelt ein eigen-artiger Zug aufkommen mochte, so blieb er doch ohne weiterbildenden Einfluß. Nurauf dem Gebiete der öffentlichen städtischen Gartenpflege schlägt Amerika schonim XVIII. Jahrhundert einen eignen Weg ein 22 . Schon am Ende des XVII. Jahr-hunderts nahmen hier leitende Staatsmänner die Stelle der Fürsten des alten Europaein; fast gleichzeitig mit der Entstehung von Mannheim legte im Jahre 1682 WilliamPenn Philadelphia vollkommen regelmäßig, mit quadratischen Schmuckplätzen, an.Am Ende des XVIII. Jahrhunderts ließ der General Washington durch den Fran-zosen L'Enfant einen Plan für die Stadtschöpfung, die seinen Namen erhielt, aus-arbeiten, der das Vorbild eines großen europäischen Fürstenparks, oder besser nochdie Anlage einer jener Residenzstädte ins Große übertragen, zeigte. Den Zentralpunktbildete hier die Kuppel des Kapitols, das alte Fürstenschloß vertretend; auf diesesliefen breite Avenuen mit seitlichen Parterres und Bosketts, in echt repräsentativemSinne gedacht (Abb. 619). Dieser Plan blieb auf dem Papier, erst ein Jahrhundertspäter ist er von der neusten Parkbewegung wieder aufgenommen, in stolz erweitertemSinne durchgeführt worden. Auch Amerika mußte warten, bis die Stadt New Yorkdurch das unerhörte, durch die Einwanderermassen bedingte Wachsen sich vor die Not-wendigkeit gestellt sah, ihren Bewohnern Platz und Luft zu schaffen. Sie tat dies durch