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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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Ludwig II. von Bayern

16. KAP.

Gustav Meyer im Jahre 1860 verfaßte, sind die Ansichten dieser Zeit, vor allem auchdie seines Lehrers Lenne, für die Behandlung der regelmäßigen Teile niedergelegt.Wieweit die Partien um das Haus regelmäßig angelegt werden, hängt von der Größe unddem Stil des Hauses ab. Bei einem Landhause genügt es schon, regelmäßige Wege undein paar Blumenstöcke im Rasen zu haben, Paläste brauchen größere, doch darf dieNatur nirgends verunstaltet werden durch Beschneiden usw. gotische Gebäudeverlangen wenig sparsame Regelmäßigkeit" 16 . Solche Bestimmungen deutscher Lehr-praxis in einem Buche, das durch die Bedeutung seines Verfassers und die klare Formseiner Lehrsätze bis in das Ende des Jahrhunderts unumstößliches Ansehen genoß, zeigendie geringe Bedeutung, die Anlagen dieser Art im ganzen Stilbewußtsein der Zeit hatten.Auch Lennes Herz war ganz bei dem freien Schaffen des natürlichen Stiles, und auchin Potsdam, im Parke von Babelsberg, in Glienicke, im Garten des Marmorpalais, fand erreichlich Gelegenheit zu dieser Tätigkeit.

Isolierter noch als Friedrich Wilhelms IV. Wirken in Potsdam, ja bis zur äußerstenSpannung getrieben, waren die Werke, die König Ludwig IL in Bayern in der zweitenHälfte des Jahrhunderts schuf 17 . Das bayrische Königshaus hat besonders früh eine er-neute Neigung zum regelmäßigen Stil gezeigt. Schon König Ludwig I. sorgte dafür, daß derlange vernachlässigte Garten von Schleißheim in seinen Parterres wieder nach den altenStichen hergestellt wurde, auch für Nymphenburg hatte man ähnliche Pläne. König Maxwollte in dem unvollendeten Park von Eldafing sich auch ein Schloß mit regelmäßigerGartenumgebung nach Lennes Plänen erbauen, doch blieb es bei der Absicht. SeineHauptgartentätigkeit beschränkte sich auf die Anlage eines hängenden Wintergartensauf der Münchener Residenz. Er wollte dort eine oberitalienische Gartenszenerie dar-stellen, wo das störende Glashaus immergrüne Eichen und Ficus an der Seite möglichstverdeckten und eine Säulenpergola mit einem Springbrunnen als Abschluß ihm täuschendeinen südlichen Garten vorzauberte (Abb. 617). Sein Sohn, seiner ganzen Neigung zumMaßlosen, Überphantastischen gemäß, suchte zunächst diesen Wintergarten durch einennoch größeren zu übertrumpfen, indem er Indiens Flora mit maurischer Architektur ver-band, der See aber, den er auf dem Dach der Residenz anlegte, erwies sich gegen den Unter-bau nicht genügend gesichert; der Garten ging, wie so manche seiner Schöpfungen, gleichnach seinem Tode ein, und da er ihn dem Publikum auf das strengste verboten hatte,haben ihn außer seinen und der Gärtner Augen wenig andere gesehen. Gewaltiger undphantastischer noch waren die Gärten, die er um seine Schlösser anlegen wollte. Mit Phi-lipp V. von Spanien, mit dem er noch manch andere Ähnlichkeit zeigt, teilte KönigLudwig die Vorliebe für einsame Bergtäler. Ein kleines Jagdhaus im Graswangtal beiOberammergau erweckte in ihm, wie einst Ildefonso bei Philipp, den Wunsch, sich in derstillen Bergeinsamkeit ein Versailles zu schaffen. Aber während dieser Wunsch bei demFürsten des XVIII. Jahrhunderts nur Nacheiferung in einem aus seinem Jahrhunderterwachsenen Stilbewußtsein anregte, konnte es bei dem des späten neunzehnten nureine aus jedem Stilbewußtsein herausfallende Kopie werden. Zur Ausführung kam diesehier in Linderhof nicht, da der König sich dafür unterdes die Insel Herrenchiemsee,einen noch weniger geeigneten Platz, ausgewählt hatte. Dafür schufen in Linderhof Ar-chitekten und Gärtner, von des Königs Willen inspiriert, einen großartigen Terrassen-garten im späteren Barockstil, auch hier nur Kopie; aber da der König wohl kaum einganz bestimmtes Vorbild vor Augen hatte, ist das Ganze doch eine bedeutsamere Leistung