16. KAP.
Sanssouci unter Friedrich Wilhelm IV.
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Kronprinzen erlaubten dem Baumeister nur ein kleines Haus, bei dem er an Villa Albanigedacht haben soll, mit einer Terrasse (Abb. 616), die ihren Abschluß in einer Rebenlaubemit einer römischen Bank findet und mit einer Schalenfontäne geschmückt ist. Danebenwuchsen Anlagen empor, die den Kronprinzen und später den König an glückliche ita-lienische Tage erinnern sollten: die sogenannten römischen Bäder, eigentlich eine ita-lienische villa rustica darstellend, mit einem Impluvium und einer Terrasse. Als aberFriedrich Wilhelm IV. den Thron bestiegen hatte, da reiften in ihm großartige Entwürfezur Ausgestaltung nicht nur Sanssoucis, sondern ganz Potsdams. Schon sein Vaterhatte den Kranz von fürstlichen Schlössern und Gärten um Potsdam sehr erweitert, in-dem er jeden seiner Söhne mit einem besonderen Sitz beschenkte. Prinz Wilhelm erhieltBabelsberg, er hat dies im neugotischen Stil erbaute Haus in seinem von den Brüdernabweichenden Geschmack mit einem reinen Landschaftsgarten umgeben, dessen Schön-heit heute außer in den alten Bäumen in dem schönen Blick auf den heiligen See be-steht. Prinz Karl, dem Geschmack des älteren Bruders mehr geneigt, zierte das ihm zu-gefallene Glienicke mit einer Reihe kleiner antikisierender Anlagen, vor allem aber mitwirklich schönen Altertümern. Friedrich Wilhelm IV. wollte nun auch den Kreis dieserstolzen Gärten im Nordwesten völlig schließen und faßte den Plan, den Pfingstberg, wosein Vater ein kleines Teehäuschen besessen hatte, durch einen grandiosen Terrassen-bau mit dem neuen Garten des Marmorpalais zu verbinden. Nur das Schloß und deroberste Teil dieser Terrassen sind fertig geworden. Die Stadt hat sich hier zwischen denGartenzyklus eingeschoben. Was geschaffen ist, sind nicht eigentlich Gartenterrassen,dazu sollten die weiter hinabführenden gestaltet werden. Der Stil und Schmuck desGebäudes ist ein seltsames unorganisches Gemisch aus italienischen und maurischenReminiszenzen, was trotzdem einen phantastischen Eindruck macht; das Ganze wäresicher ein großartiges Werk geworden als Schlußstein der Potsdamer Residenzen: wie hierein Garten in den andern greift, das könnte an arabische Fürstensitze erinnern. Auchfür die Ausgestaltung von Sanssouci selbst hatte der König Pläne, die er nur zum Teilausgeführt hat; die bedeutendste Neuerung war der Bau des neuen Orangeriehauses, dasvielleicht am reinsten den italienischen Idealstil, wie er damals ganz Nordeuropa be-herrschte, ausdrückt. Die durchbrochenen Loggiatürmchen sind durch einen Säulen-gang verbunden und bilden das hervorstechendste Motiv dieses Stiles; drei Terrassen,deren oberste das Blumenparterre trägt, senken sich zu der Hauptstraße herab 153 .Neben dieser bedeutenden Anlage ragt unter den kleineren der liebliche kleine siziliani-sche Garten hervor. Der König ließ ihn an Stelle der alten friderizianischen Orangerie-häuser zierlich als einen jardin fleuriste vor einer feinen, balustradengekrönten Mauermit Nischen anlegen, in denen verschiedene Statuen stehen. Leider ist die Wirkungdieses anmutigen Werkchens durch die 1902 im Vordergrunde aufgestellte kolossaleBronze des Bogenschützen völlig verdorben worden. Friedrich Wilhelms IV. Arbeiten inSanssouci gehen in ihrer architektonischen Wirkung über das hinaus, was andere Länderin jenen Jahrzehnten an italienisierenden Gärten geschaffen haben, es ist aber auch fürDeutschland eine persönliche und vereinzelte Neigung des Königs geblieben. Lenne selbstwar durch die Kunstbegeisterung des Königs und die starke Persönlichkeit Schinkelsin diese Bahn mit hineingerissen worden. Wo Lenne sonst außerhalb Potsdams Gärtenanlegte, blieb er in den regelmäßigen Teilen im Rahmen des jardin fleuriste, wie ihnEngland und Frankreich auch zeigen. In dem Lehrbuch, das sein bedeutendster Schüler