16. KAP.
Linderhof
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geworden. Am meisten erinnert die Anlage an einige Schlösser Augusts des Starken, beson-ders Groß-Sedlitz. Mit ihm verbindet es die das Tal durchquerende Hauptachse, die not-wendig an den beiden Talhängen emporsteigt. In Linderhof (Abb. 618), so hieß das Schloßnach einer alten schönen, mitten im architektonischen Bilde bewahrten Linde, liegt dasetwas zu kleine Schloß fast an tiefster Stelle. Dicht hinter ihm steigt eine Kaskade empor,nach deren Vorbildern der König nicht zu suchen brauchte. Wenn er sie nicht direktaus Italien entnahm, konnte ihm die Anlage der Favorite von Ludwigsburg bei Stuttgartdazu dienen. Auf der andern Seite steigen nach einem vertieften Parterre drei impo-
Abb. 617Wintergartendes KönigsLudwig II.
Nach1 Zimmermann
sante Terrassen, deren jede kleinere Blumenrabatten trägt, durch ellipsenförmige Ram-pen verbunden, zu einem Tempel empor. Die bestgelungenen Teile sind die kleinen giar-dini secreti, anmutige, mit Treillagegängen begrenzte Parterres zur Seite des Hauses.Dieses ganz architektonische Bild ist von einem ziemlich gleichgültig behandelten Land-schaftspark umgeben, zu beiden Seiten der Wassertreppe hat man durch halbrunde Lau-bengänge noch Teile des Hanges zu dem regelmäßigen Teil hinzugezogen. Leider ist man-ches nicht vollendet und alles sehr schlecht gehalten, sah doch diese Zeit nicht nur dieGröße der Anlage überhaupt, sondern auch den ganzen Gedanken eines architektoni-schen Gartens als eine überspannte Marotte des Königs an. Weit unselbständiger alsLinderhof ist die ganz verunglückte Kopie des großen Vorbildes Versailles auf Her-renchiemsee. Das schlimmste daran ist die Lage auf der kleinen, etwa 2 km langen In-sel, die nicht nur nicht ausgenutzt werden konnte, sondern absolut dem Gedanken von