16. KAP.
Der „i'ardin fleuriste" in Frankreich
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Liebling der Incroyables", hat ihn gezeichnet; er ist in einem reinen, regelmäßigen Stilegehalten, der an alte Traditionen anknüpft, lange ehe man jenseits des Kanals an der-artiges dachte. Der ganze Garten ist als ein vertieftes, dreiteiliges Parterre mit einem er-höhten Umgang von verschnittenen Bäumen angelegt. Das mittlere Drittel wird durch eingroßes rundes Bassin gebildet, dessen Uferböschungen mit Rasen und Blumenrabattenbesetzt sind. Den hinteren Abschluß bildet die Orangerie mit einem halbkreisförmigenParterre davor. Rechts und links davon sind die beiden anderen Drittel von Parterresmit weiteren Blumenrabatten gebildet.
Allerdings scheinen solche Gartenschöpfungen damals auch in Frankreich ganz ver-einzelt geblieben zu sein, bis gegen die Mitte des Jahrhunderts herrschte hier der Land-schaftsgarten fast widerspruchslos. 1835 erschien das Werk von Vergnaud: „L'art decreer les jardins", das vielleicht als der Höhepunkt dieser Stilherrschaft angesehenwerden kann. Vergnaud rühmt sich, Architekt zu sein, warnt davor, den Garten ganzin die Hände der Gärtner fallen zu lassen, denkt aber nicht im entferntesten daran,das Haus und den Garten in Beziehung zu bringen, auch in der Nähe des Hauses willer nichts Regelmäßiges dulden; bei seiner Aufzählung und Schilderung schöner eng-lischer Parks ist ihm die regelmäßige Anlage von Chatsworth ein Dorn im Auge 10 .Ebenso wie in England wurde auch hier die Pflanze bald die einzig gebietende Herrinder Gartengestaltung, sie zog als Baum und Strauch alle Vorteile des malerischenStiles an sich, nur als Blume wußte sie sich allmählich auch hier regelmäßige Teile, wo sieihre glühenden Farben entfalten konnte, zu erobern. Teppichbeete scheint man inFrankreich sogar schon sehr früh angelegt zu haben. Schon Hirschfeld wirft den Fran-zosen diesen mesquinen Schmuck vor, und bei ihnen hat er sich mit zäherer Hartnäckig-keit als in England bis in unsere Tage erhalten 11 .
Erst unter dem zweiten Kaiserreich drang in paralleler Entwicklung mit England dasregelmäßige Blumenparterre durch. Gerade die bedeutendsten Landschaftsgärtner sinddieser Entwicklung gerne entgegengekommen, sie haben die Bedeutung dieser neuenGartenteile theoretisch klar erkannt und praktisch durchgeführt. Die Franzosen sindes, die dafür den Namen „jardin fleuriste" geprägt haben. Edouard Andre, ein SchülerAlphands, der um die Mitte des Jahrhunderts der unbestrittene Führer der Gartenkunstwar, definiert den jardin fleuriste: „ein Terrain, ausschließlich reserviert für die Kulturund die ornamentale Anordnung von Pflanzen mit schönen Blättern" 12 . Auch hier habendie pseudohistorischen Versuche im gotischen und italienischen Charakter nicht gefehlt,aber auch hier sprach sich der Stilunterschied nur in den Balustraden und dem Statuen-schmuck aus. Ein regelmäßiges Parterre an dem gotischen Schlosse von Bois Cornille 13soll einen solchen gotischen Stilcharakter zeigen. Im ganzen aber blieb man sich des reinbotanischen Interesses, das diese regelmäßigen Ausschnitte im malerischen Parke ent-stehen ließ, vollkommen bewußt, die Pflanze war nicht wie früher ein Mittel, wenn auch dasvornehmste, um den Garten als Kunstwerk zu gestalten, sondern die regelmäßigen Beetedieses Parterres waren Rahmen und Unterlage, um die Pflanze zu ihrer schönsten Ent-faltung zu bringen. Daher legte man besonders zu Anfang häufig diese Gärten vor denGewächshäusern an; als der alte, regelmäßige Garten des Schlosses Beauregard um dieseZeit in einen malerischen Garten umgewandelt wurde, gab man dem Schlosse keineregelmäßige Umgebung, sondern legte die Blumen- und Küchengärten abseits nebenden Gewächshäusern an.